Lesung Roßbander: Mit Shakespeares Werk blickt die Menschheit wie in einen Spiegel

„Das Menschenherz war sein Quell“

Erik Roßbander erläuterte die besondere Bedeutung Shakespeares bis heute. - Foto: Schmidt

Achim - Das Wort war sein Lebensinhalt, seit 400 Jahren ist es sein Vermächtnis: Für Dienstagabend hatte der Förderverein der Achimer Stadtbibliothek den Schauspieler und Regisseur Erik Roßbander zu einer Lesung in die Bücherei geladen. „Alles was wir über die Menschheit wissen, lesen wir bei Shakespeare“, erfuhren die knapp 30 Gäste im Bibliotheks-Foyer. Damit eröffnete Roßbander den Leseabend zu Ehren des Dichters William Shakespeare, der am 3. Mai 1616 verstorben war.

Kaum ein Laudator scheint geeigneter als Roßbander. In Shakespeare sehe er sein eigenes künstlerisches Leben erfüllt, sagte der gebürtige Dresdner, der nach dem Mauerfall in Bremen eine Heimat gefunden hat und seit 1990 mit der Bremer Shakespeare Company arbeitet. „Welterschaffung durch das Wort, das haben nur Gott und Shakespeare geschafft“, erklärte der Experte. „Wir wissen heute zwar mehr von der Welt als Shakespeare, aber nicht mehr über die Menschen.“

Roßbander. Theaterwissenschaftler und Dozent, vollführte seine Annäherung an des Dichters Werk mit der Textsammlung „Wie er uns gefällt – Gedichte an und auf William Shakespeare“, die Tobias Döring zum 450. Geburtstag des Künstlers vor zwei Jahren herausgegeben hatte. In unnachahmlicher Art und mit der Erfahrung eines Theaterdarstellers präsentierte Roßbander Elegien von Benjamin Jonson, John Milton und William Turner aus dem 17. Jahrhundert. In mitreißender Weise und Intonation der ungewohnten, manchmal schwierigen Verse zog Roßbander die Besucher in den Bann.

Erläuterungen zwischen den Passagen führten die Zuhörer in die Literaturgeschichte: „Am Anfang war Deutschland wüst und leer und es gab eine Zeit, in der man von Shakespeare nichts wusste“, zitierte Roßbander Frank Günther aus dessen Werk „Unser Shakespeare“. Damit erinnerte der Redner an erste Übersetzungsversuche. Christoph Martin Wieland schimpfte demzufolge auf den „tollhäusigen Geschmack“ und die „ekelhaften Ausdrücke“. Die Briten hätten gerne die hohe Sprache der Oberschicht mit der Gossensprache vermischt, weiß Roßbander. Auch habe Shakespeare das Leben geliebt, und deshalb seine Botschaften gut versteckt – dies mache das Werk so interessant wie geheimnisvoll.

Goethe, Schiller und Kleist, sie alle waren fasziniert. „Das Menschenherz war sein Quell ...“ schrieb Fontane zur Gründung der Deutschen Shakespeare Gesellschaft 1864 und erkannte darin die besondere Tragweite. Natürlich lieferte Roßbander auch Hamlet; und zwar in Worten von Ulla Hahn, und als Highlight eine Übersetzung in sächsischer Mundart. Das erheiternde Finale lieferte ein Gedicht von Erich Kästner über eine Hamlet-Aufführung, in der wegen eines trunkenen Schauspielers alles aus dem Ruder lief und die Zuschauer befanden, sie hätten das Stück zum ersten Mal richtig verstanden.

Zum Schluss der letzten Veranstaltung des Fördervereins vor der Sommerpause war das Achimer Publikum einerseits begeistert von der Kunst des Dichters, aber ebenso von der Kunst des vortragenden Kenners. - sch

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