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Stadtwerke in Achim: Darum steigen die Preise für Strom und Gas

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Von: Marvin Wennhold

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Vorstandssprecher Sven Feht nimmt Stellung.
Vorstandssprecher Sven Feht nimmt Stellung. © KLUG

Achim – Alles wird teurer: das Bier in der Kneipe, die Pizza beim Italiener, der Käse im Supermarkt, der Sprit an der Tanke – und leider auch die Preise beim Energieversorger steigen. Wer nun mit dem Finger auf Russland zeigt, hat nur teilweise recht. An den steigenden Kosten tragen natürlich auch der Angriffskrieg Putins und unsere Abhängigkeit vom russischen Gas eine Mitschuld.

Dennoch sind die Preise auch im Vorjahr schon angestiegen. An der Entwicklung waren und sind mehrere Faktoren beteiligt, weiß Sven Feht, Vorstandssprecher der Achimer Stadtwerke.

„Die Preise schwanken aktuell auf einem hohen Niveau“, sagt der Unternehmenschef im Gespräch mit dieser Zeitung. Die derzeitige Krise habe dafür gesorgt, dass der Gaspreis kurzfristig erneut angestiegen sei. „Zum Jahresstart waren wir wieder auf einem Stand von etwa vier Cent pro Kilowattstunde.“ Der Preis hatte sich also erholt. „Dann kam die Ukraine-Krise.“ Dadurch sei die Gas-Kilowattstunde innerhalb eines Tages auf acht Cent angestiegen.

„Da wir unser Gas zum großen Teil aus Russland beziehen, hat das natürlich Auswirkungen – oft reichen schon Kleinigkeiten aus, damit sich etwas ändert“, sagt Vorstandssprecher Feht und nennt anschließend ein aktuelles Beispiel: Erst kürzlich sei demnach der Preis wieder leicht runter gegangen. „Dann hatte Putin die Sache mit dem Rubel in den Raum geworfen und schon stieg er wieder deutlich an.“

Niemand schaut aktuell gerne auf den Zähler: Steigende Energiepreise sind auch in Achim an der Tagesordnung.
Niemand schaut aktuell gerne auf den Zähler: Steigende Energiepreise sind auch in Achim an der Tagesordnung. © Bartz

Beinahe täglich gibt es Änderungen. Das habe auch der Preisanstieg von Gas vor dem Winter gezeigt – der indirekt mit der Stromversorgung zu tun hatte. „Wir hatten wenig Wind im Sommer – daher auch weniger Strom erzeugt, als geplant war.“ Dann mussten die Gaskraftwerke stärker einspringen, die zusätzlichen Strom erzeugt haben. „Die Speicherstände in Deutschland hatten deshalb ein niedriges Niveau“, sagt Feht. Das habe dazu geführt, dass Händler am Markt Angst hatten, nicht gut durch den Winter zu kommen. „Und wenn bei den Verkäufern Angst aufkommt – dann werden die Preise teurer.“ So funktioniere eben der Markt.

Dazu habe es das Problem gegeben, dass einige größere Marktteilnehmer ihren Lieferverpflichtungen beim Gas nicht nachkamen. „Dann mussten wir, wie auch viele andere Grundversorger in Deutschland, einspringen und vor Weihnachten größere Mengen zu enorm hohen Preisen nachkaufen, damit wir die Kunden weiter versorgen konnten.“ Dazu seien die Stadtwerke verpflichtet. „Alleine dadurch, dass viele Energielieferanten ihre Lieferversprechen nicht einhielten, kam es dazu, dass der Gaspreis sich von sechs auf 14 Cent pro Kilowattstunde mehr als verdoppelte.“

Trotz dieser Faktoren seien die Stadtwerke stets bemüht, die ausgeschriebenen Preise so stabil wie möglich zu halten, versichert Feht. Beim Gas passen wir die Preise immer jeweils zum 1. Mai, 1. September und 1. Januar eines Jahres an.“ Beim Strom bemühe sich der Energieversorger, die Preise über ein Jahr möglichst zu halten.

„Das ist aber unser eigener Turnus.“ Das sei so nicht vorgeschrieben. Mit einer Ankündigung sechs Wochen im Voraus darf demnach ein Grundversorger, wie die Achimer Stadtwerke, die Preise anpassen, erklärt Feht.

Das Unternehmen in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft kaufe immer relativ gleichmäßig am Markt ein – „meist für sechs bis zwölf Monate im Voraus.“ Damit könne man den Schwankungen etwas entgegenwirken. „Dieser Versuch gelingt jedoch nicht immer.“ Aktuell sei das besonders schwierig, denn „alles was mit Energie zu tun hat, steigt in der Welt enorm an“.

Doch es gibt am Ende auch Positives zu berichten: „Der deutsche Speicher füllt sich seit Mitte März wieder leicht“, sagt Feht. In Zukunft soll das wieder regelmäßiger der Fall sein. „Die Speicher sollen durch ein neues Gesetz der Bundesregierung („Gesetz zur nationalen Gasreserve“, Anmerkung der Redaktion) vor der nächsten Heizperiode immer ausreichend gefüllt sein, damit sich in Zukunft solche Energieengpässe nicht wiederholen. Doch Feht glaubt nicht, dass es hier mal richtig brenzlig wird: „Bisher gab es in Deutschland keine Engpässe. Ich habe noch keine Ankündigung bekommen, die besagt, dass wir etwas begrenzen müssen.“

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