Geschichts-AG des Gymnasiums am Markt gibt „Matrosenaufstand“ mit Witz und Ironie

Dank „Turbo-Abi“ in den Krieg

In der „Gaslaterne“ besiegeln die Aufständler ihr Vorhaben. - Foto: Duncan

Achim - 2016 jähren sich die schlimmsten beiden Schlachten des Ersten Weltkriegs: Die Schlacht um Verdun und die größte Seeschlacht dieses Krieges vor dem Skagerrak. Ein guter Grund für die Geschichts-AG des Gymnasiums am Markt (Gamma), ein Stück über den Ersten Weltkrieg aufzuführen. „Der Matrosenaufstand“, geschrieben von Geschichtslehrer und AG-Leiter Michael Müller, bewegt sich weitab vom drögen Aufzählen historischer Daten.

Mit Spannung, überraschenden Wendungen und hintergründigem Humor erzählt das Stück „Geschichte von unten“, nämlich aus der Sicht dreier Frauen, die unterschiedlichen Ständen angehören. Das solide bis überragende schauspielerische Können der Schüler tat bei der Vorstellung am Dienstagabend im Kasch sein Übriges.

Im Kulturhaus Alter Schützenhof lief vor vollen Zuschauerrängen die zweite Vorstellung nach der Premiere am Montag in der Schule.

Zu den einführenden Klängen des Gassenhauers „Lili Marleen“ lernt der Zuschauer das Mädchen Lili (Anna Gerken) kennen, das eine Schneiderlehre macht und dessen Verehrer Matrose ist. Doch auf einmal ist Krieg... Beruflich wird Lili in das Haus von Frau General von Trota (Lina-Marie Henkel) bestellt. Dabei kommt es zum Gespräch zwischen den beiden ungleichen Frauen, deren Sicht auf den Krieg ebenfalls nicht unterschiedlicher sein könnte. „Rationierung? Davon weiß ich nichts“, sagt die privilegierte Dame. Hausmädchen Else (Lena Panje) trifft es bald weitaus schlimmer: Sie muss um ihren gefallenen Sohn trauern. Die einzelnen Szenen führte übrigens Erzählerin Jasmin Dete zusammen – was ihr auch ohne begleitende Dia-Show, die aus technischen Gründen ausfallen musste, wunderbar gelang.

Als Person der Zeitgeschichte tritt die revolutionäre Rosa Luxemburg auf, präzise und leidenschaftlich von Marina Sturm verkörpert. Aber auch Kaiser Wilhelm II. (Lukas Warnecke) und die Generäle Ludendorff (Kim Renicke) und von Hindenburg (Fynn Böse) kann man beim Intrigenspinnen und in ironischen Wortgefechten erleben. Etwa, wenn die drei Strategien ersinnen, wie der Krieg noch zu gewinnen sein könnte: Mit „Turbo-Abi“, das im Land Niedersachsen nun ja wieder abgeschafft ist, und Beschränkung auf 800 Kalorien täglich – nein, nicht etwa weil die Vorräte knapp werden, sondern um der Gesundheit willen. Im September 1918 ist es dann allen (außer dem Kaiser) klar: Der Krieg ist verloren.

Reichskanzler Friedrich Ebert wurde übrigens nicht demokratisch gewählt und die Matrosen meuterten auch nicht aus eigenem Antrieb – vielmehr haben Prinz Max von Baden (Tim Feldmann) und die beiden Generäle dies geschickt eingefädelt. Denn der Kaiser weigert sich hartnäckig zu kapitulieren. Eine Szene, die alle drei übrigens mit der richtigen Prise Zynismus und Arroganz versehen.

Derweil zwingen aufständische 17 Matrosen die deutsche Heeresleitung in die Knie – allen voran Tom Gürlich, der mit bemerkenswerter Emphase den Aufstand anzettelt, der in der Gaststätte „Gaslaterne“ schließlich besiegelt wird. Der Kaiser hat in der Zwischenzeit bereits abgedankt und versucht das Land über die Grenze zu verlassen, wo er abgewiesen wird: „Bei dem Kaiser könnte man glatt Demokrat werden“, meint einer der Zollbeamten. „Na, das nun auch wieder nicht“, entgegnet sein Kompagnon.

Alles in allem zeigten die Schüler reife schauspielerische Leistungen. Mit Fynn Böse, Kim Renicke und Lukas Warnecke verfügt die Geschichts-AG auch über erfahrene Bühnenakteure. Nächstes Jahr scheiden sie allerdings aus, weil mit der 10. Klasse die Vorbereitungen für das Abitur beginnen. Auch die Technik (Licht, Musik und normalerweise auch Dia-Show), für die 20 Schüler verantwortlich waren, zeigte ein hohes Maß an Professionalität. - ldu

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