1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Verden
  4. Achim

Dana Peters betreibt Facebook-Gruppe „Save the Food Achim und umzu“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Dennis Bartz

Kommentare

Rettet Lebensmittel und hilft damit anderen: Dana Peters.
Rettet Lebensmittel und hilft damit anderen: Dana Peters. © Bartz

Achim – Unverbrauchte Lebensmittel verschenken, anstatt diese wegzuschmeißen: Diesem Ziel haben sich die knapp mehr als 600 Mitglieder der Facebook-Gruppe „Save the Food Achim und umzu“ verschrieben.

Gründerin und Administratorin Dana Peters aus Achim hat 2017 damit angefangen, Lebensmittel zu „retten“, wie sie es bezeichnet. Damals hatte ihr Sohn eine Lehre zum Koch begonnen. „Und seine Schnippelübungen zu Hause gingen ganz schön ins Geld. Im Internet habe ich dann entdeckt, dass jemand kostenlos die Reste seines Suppengemüses anbietet – und habe zugeschlagen“, erinnert sich Peters.

Sie fand Gefallen daran und trat kurz darauf der Plattform „Foodsharing.de“ bei. Bald darauf rettete sie mehr Lebensmittel als sie mit ihrer eigenen Familie verbrauchen konnte. „Also fragte ich mich: Wohin damit? Ich wollte schließlich nichts wegwerfen“, erklärt die 48-jährige Erzieherin.

Also gründete sie ihre „Save the Food“-Facebookgruppe, um sich dort mit anderen Lebensmittelrettern auszutauschen. Sie bietet dort all das an, was sie einsammelt. Wer Interesse hat, kann sich kostenlos an den Regalen ihrer privaten „Save Food-Station“ am Achimer Parkweg 44 bedienen. „Zu jeder Tages- und Nachtzeit – es macht mich glücklich, dass ich damit so vielen Menschen helfen kann, und es gibt mir ein gutes Gefühl, wenn die Besucher mit einem Lächeln das Grundstück verlassen“, berichtet Peters. Damit die Besucher nachts nicht im Dunkeln tappen, sorge ein solarbetriebener Strahler für ausreichend Licht.

Das Angebot werde gut angenommen: Etwa 40 Stammbesucher nutzen das Angebot, pro Woche zählt sie etwa 100 Lebensmittelretter. „Eine ältere Dame kommt täglich, und ich lege ihr immer etwas zurück. Sie freut sich besonders darüber, wenn sie sich ein einzelnes Brötchen nehmen kann“, erzählt Peters.

Wenn frische Ware eintrifft, gibt es eine große Auswahl: frisches Brot, Kaffee, Tee, Joghurt, Marmelade, Obst und Gemüse – manchmal sogar Grillfleisch und Aufschnitt. „Wir hatten auch schon Waschpulver und Shampoo, aber das ist eher eine Ausnahme.“

Ausgeschlossen seien dagegen Medikamente, und auch bei Alkohol gelten besondere Regeln: „Die Flaschen stehen dann nicht frei verfügbar im Regal. Ich gebe das nur auf Nachfrage an Menschen ab, die 18 Jahre oder älter sind.“

Viele Lebensmittel erhält Dana Peters von Supermärkten in der Stadt und in der Region sowie von Bäckereien, die Verträge mit der Foodsharing-Plattform geschlossen haben. „Ich rette auch Lebensmittel auf dem Achimer Wochenmarkt“, erzählt Peters. Dabei komme oft ein ganzer Bollerwagen voll zusammen – Waren, die sonst im Abfall gelandet wären. Aber auch Privatleute können Lebensmittel, die sie nicht mehr brauchen, in die Regale von Peters stellen: „Zum Beispiel dann, wenn sie ihren Küchenschrank aufgeräumt haben oder sich einfach verkauft haben.“

Es ist schließlich meine Aufgabe, meinen ökologischen Fußabdruck auf dieser Welt so klein wie möglich zu halten. Lebensmittel sind Mittel zum Leben und nicht zum Wegschmeißen.

Dana Peters

Die Packungen dürften angebrochen sein, die Lebensmittel müssten aber einwandfrei und genießbar sein. Darüber entscheide nicht das aufgedruckte Mindesthaltbarkeitsdatum: „Das ist in den meisten Fällen Mumpitz. Salz beispielsweise lagert seit Millionen Jahren unter der Erde, und selbst Molkereiprodukte sind meist länger haltbar. Wir achten aber streng darauf, dass die Kühlkette gewahrt bleibt. Wir hatten im Sommer auch schon mal Eis, das war nach meinem Post in der Gruppe sofort weg.“

Damit niemand das Angebot ausnutzt und möglichst viele Menschen davon profitieren, rationiert Dana Peters besonders beliebte Produkte wie Adventskalender in der Weihnachtszeit. „Die verteile ich dann peu à peu, und es gibt jeweils nur einen pro Nase.“ Das „Fairteilen“ stehe im Mittelpunkt, betont sie, und die meisten Nutzer hielten sich auch daran.

Lebensmittel zu retten sei zudem keine Frage des Einkommens. Zu ihr kämen stattdessen Menschen aus allen Gesellschaftsschichten und vieler unterschiedlicher Kulturen, junge Menschen genauso wie Senioren. „Es kommen auch viele Menschen, die wohlhabend sind“, betont Peters, die erklärt, warum es ihr so wichtig ist, Lebensmittel zu retten: „Es ist schließlich meine Aufgabe, meinen ökologischen Fußabdruck auf dieser Welt so klein wie möglich zu halten. Lebensmittel sind Mittel zum Leben und nicht zum Wegschmeißen.“

Einige Menschen hätten eine Hemmschwelle, wenn sie zum ersten Mal zu ihr kommen und sich am Regal bedienen: „Aber das muss nicht sein. Ich bin im Sommer viel draußen, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, wenn ich merke, dass sie zögern. Ich erkläre ihnen dann, dass sie niemandem etwas wegnehmen. All das wäre sonst im Müll gelandet.“

Seit sie Lebensmittel rettet, gehe sie kaum noch einkaufen: „Höchstens mal ein gutes Stück Fleisch, Mineralwasser und Putzzeug, oder wenn sich die Kinder mal etwas Besonderes wünschen. Als alleinerziehende Mutter spare ich auf diese Weise auch viel Geld.“

Und sie freue sich sehr darüber, dass es viele Helfer gibt, die sie bei ihrem ehrenamtlichen Engagement unterstützen. „Kürzlich habe ich beispielsweise zehn Kartons voll mit Karotten bekommen. Die musste ich zum Glück nicht alleine schleppen. Eigentlich muss ich nur schnippen, und schon hilft mir jemand. Das gibt mir ein gutes Gefühl.“

Bewusster mit Nahrungsmitteln umzugehen und diese nicht zu verschwenden, sei ein Trend, der in anderen Ländern schon weiter verbreitet sei: „In Frankreich dürfen Supermärkte seit einigen Jahren Lebensmittel nicht mehr so einfach wegschmeißen. Und es ist ja eine Win-win-Situation für alle, denn die Supermärkte sparen Abfallkosten, wir übernehmen für sie das Sortieren.“

Dana Peters möchte ihr Angebot weiter ausbauen, doch ihr Regalsystem ist bisher nur ein Provisorium. „Toll wäre eine massive Regalstrecke, die wind- und wettergeschützt sein sollte. Denn bisher versuche ich die Lebensmittel bei Regen immer selbst mit einer Decke zu schützen, aber das ist natürlich keine Dauerlösung“, bedauert Peters. Wer ein Regal spenden will, kann sich bei ihr melden.

Weitere Informationen gibt es auf der Facebook-Seite „Save the Food Achim und umzu“.

Auch interessant

Kommentare