Sigurd Wasmund berät ehrenamtlich beim Versuch der beruflichen Existenzgründung

Damit Selbstständigkeit kein Albtraum wird

Sigurd Wasmund berät im Rathaus und im Büro des Wirtschaftsbeirats im Desmapark. Foto: Brodt

Achim - Von Manfred Brodt. So mancher und manche hat den Traum der beruflichen Selbstständigkeit. Bei manchen wird er dann aber zum Albtraum. Damit es nicht so weit kommt, berät der Achimer Sigurd Wasmund (82) seit nun schon 23 Jahren beim Verein Senior Service in Bremen und seit 2017 auch beim Wirtschaftsbeirat Achim potenzielle Unternehmer ehrenamtlich. Als Dipl.-Ingenieur für Maschinenbau, Experte für Elektronik und Datenverarbeitung, Leiter großer Unternehmensbereiche unter anderem bei Atlas Elektronik und AEG sowie Geschäftsführer eines Unternehmens im Krupp-Konzern, Gründer, Fusionierer und Abwickler von Firmen kann er zweifellos den Männern und Frauen, die sich auf berufliches Neuland vorwagen, viel vermitteln.

Immer am ersten Mittwoch im Monat bietet er nach Anmeldung bei der Achimer Wirtschaftsförderung im Achimer Rathaus seinen Beratungstag für Existenzgründer an und lässt sich von den potenziellen Selbstständigen ihr Vorhaben beschreiben.

Wasmund: „Es reicht aber nicht aus, eine gute Produktidee zu haben. Gerade in den Anfangsjahren geht rund die Hälfte der Zeit drauf für den Aufbau des Geschäftes und den Vertrieb. Ich frage dann Bewerber schon einmal, ob sie 500 Stunden im Monat arbeiten wollen.“

Anders würde sich deren Geschäftsidee nämlich nicht rechnen. Bei geschätzten 40 Prozent der Interessenten stellt sich die Selbstständigkeit so schon recht schnell als Illusion heraus.

Ist der erste Eindruck aber positiv, geht es mit seiner Hilfe ans Eingemachte, den Businessplan, sprich die Finanzplanung für den privaten und geschäftlichen Bereich mit allen Einnahmen und Ausgaben, die Investitions- und Abschreibungsplanung Monat für Monat für die Dauer von drei Jahren.

Und natürlich muss Wasmund abschätzen, ob die ganze Geschäftsidee überhaupt Sinn macht. Klar kann er das nicht für alle Branchen und Berufe. Gut, dass er so auf die geballte Kompetenz von 50 weiteren ehrenamtlichen Beratern aus den verschiedensten Branchen beim Bremer Senior Service und Wirtschaftsbeirat Achim zurückgreifen kann. In Achim hat Wasmund nun insbesondere durch Adolf Brockmann und Rolf-Christian Weder Unterstützung.

In 40 Prozent der Beratungsfälle kommt es zu Selbstständigkeiten, die sich mindestens drei Jahre halten. Wasmunds Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen. Seit 2017 hatte er 73 Anfragen von Menschen, die in die Selbstständigkeit wollten. In rund 30 Fällen ist es nach intensiver Beratung und Begleitung zur neuen beruflichen Existenz gekommen oder es wird noch dazu kommen.

2019 gelang das in Achim zum Beispiel einem aus Syrien geflohenen Schneider, dem Gründer eines Ingenieurbüros für Energieberatung und Bauphysik, der Gründerin eines Vereins für Gesundheitsvorsorge, einem Unternehmen für Werbung und Webdesign, der neuen Inhaberin eines Spielzeugladens sowie einem neuen Management und Service für Hochzeiten.

Neben dem guten Rat ist natürlich Geld beim versuchten Gang in die Selbstständigkeit wichtig. Das gibt es neben bescheidenen Zuwendungen für Hartz IV-Empfänger über die Hausbank besonders bei der KfW-Bank und der N-Bank in Form zinsgünstiger Kredite, aber nur nach detailliertem Geschäfts-, Finanz- und Investitionsplan nebst fachlicher Beurteilung.

Etwas unkomplizierter läuft das bei den Mikrokrediten der N-Bank.

Auch wenn Wasmund zumindest in der Vergangenheit sich hier und da schon ein stärkereres Engagement von Geldinstituten hätte vorstellen können, hält er die genaue Prüfung des Geschäftsvorhabens für richtig. „Ich möchte ja auch nicht, dass sich Leute unnötig verschulden.“

Morgen wird er wieder seine Existenzgründungsberatung im Rathaus anbieten, wegen Neujahr ausnahmsweise mal am zweiten Mittwoch im Monat.

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