Ehemaliger Pilotenausbilder aus Achim bietet Drohnenschulungen für Privatpersonen

Damit der Flugroboter nicht zur Gefahr wird

Die „Air6“ hebt auf einer Wiese in der Bierdener Marsch ab. Besonders in der Nähe von Bahnschienen oder Strommasten gilt es, die unbemannten Fluggeräte im Auge zu behalten. - Fotos: Duncan

Achim - Von Lisa Duncan. Sirrend erhebt sich die „Phantom 3“ in den Himmel über dem Bierdener Bruch. Federleicht wirkt das weiße Gerät und es liefert gestochen scharfe Fotos. Was wie Zukunftsmusik klingt, ist längst Realität: Drohnen sind im Privatgebrauch angekommen. Zweifellos eine Bereicherung für den Hobbyfotografen, so kann das unbemannte Fluggerät auch zur Gefahr werden oder Anlass zu rechtlichen Streitigkeiten geben.

Eine Art Führerschein für Drohnennutzer bietet daher die Achimer Firma Procow. Der ehemalige Pilotenausbilder Hans H. Würger hat für das Unternehmen gerade ein Schulungsprogramm ausgearbeitet, das sich nur an Privatnutzer richtet. Nach 25 Jahren als Fluglehrer bei Lufthansa verfügt er über die nötige Erfahrung.

Redakteurin Lisa Duncan lässt sich von Procow-Geschäftsführer Frank Wichert die Industrie-Drohne vorführen. Das Foto hat die „Phantom 3“ aus der Luft geschossen. - Foto: Würger

Die auf Projektmanagement und Industriefotografie spezialisierte Firma mit Hauptsitz in Hannover hat für gewerbliche Drohnen-Nutzer bereits ein „Pilotenhandbuch“ erstellt. Für Privatleute hat Hans Würger die darin enthaltenen Regeln und Checklisten nun ein wenig komprimiert. In einem achtstündigen Lehrgang, inklusive Praxisteil, möchte der Flugexperte die relevanten Grundlagen vermitteln. „Es gibt eine ganze Reihe Vorschriften – und das zu Recht“, sagt Würger. Die Schulung berührt vor allem zwei Aspekte: Einerseits Haftung, andererseits Verkehrsgefährdung – denn auch ein unbemanntes Fluggerät kann einen gefährlichen Eingriff in den Luft-, Straßen-, Schienen- oder Schiffsverkehr auslösen.

Für Drohnen gibt es viele Einsatzbereiche, weitere werden sich bald etablieren, ist sich Geschäftsführer Frank Wichert sicher. Stattet man das Fluggerät mit einer Infrarotkamera aus, lassen sich Solarpanels gut überprüfen. Aber auch Jäger wenden Drohnen bereits an, um Kitze oder Hasen auf Feldern zu erspähen, damit die Jungtiere nicht von Landmaschinen geschreddert werden. Darüber hinaus könne die Polizei Drohnen zur Personensuche nutzen, die Feuerwehr, um Brandherde aufzuspüren.

Preislich sind die Unterschiede enorm: Die IndustrieDrohne „Air 6“ mit einem Gesamtgewicht von fünf Kilogramm und einer maximalen Nutzlast von einem Kilogramm kostet 25 000 Euro. Die für Privatanwender geeigneten „Phantom 3“ oder „Inspire I“ sind bereits für wenige hundert Euro zu haben.

Doch die technische Spielerei birgt Gefahren. „Aufgrund gewisser Vorfälle braucht man nun Lehrgänge“, weiß der Procow-Geschäftsführer. Das fängt an beim privaten Eigentümer eines Flugroboters, der nur sehen wollte, wie hoch sein Gerät maximal fliegt (sechs Kilometer). Doch der Experimentierfreudigkeit waren Grenzen gesetzt und nach 20 Minuten der Akku erschöpft. „Danach krachte es runter, zum Glück mitten in einem Industriegebiet“, so Wichert. Kein Einzelfall: Beim Online-Auktionator E-Bay häufen sich Kleinanzeigen der Sorte „Suche meine Drohne“.

Auch die Polizeiinspektion Osterholz/Verden stellt immer häufiger Anfragen oder Beschwerden aufgrund von Drohnen fest. Wobei nicht jeder Anruf statistisch erfasst werde, schränkt Pressesprecher Helge Cassens ein. Zuletzt ging am 13. Februar 2015 bei der Polizei Achim ein Vorab-Hinweis wegen Vermessungsarbeiten mit einer

Drohne stürzt über Wümmewiesen ab

Drohne ein. 2014 erreichte die Polizei eine Fundsachen-Anfrage: Über den Wümmewiesen war eine Drohne abgestürzt. Während die Polizei im Landkreis Verden 2014 noch keinerlei Beschwerden von Anwohnern hatte, waren es 2015 immerhin schon fünf. Anfragen zu rechtlichen Belangen oder Unfälle wurden bisher nicht registriert.

Hans H. Würger lenkt seine „Phantom 3“ mit Fernbedienung und zugehöriger Software. Außer Sichtweite würde er das Gerät aber trotzdem nicht fliegen lassen.

Besonders gefährlich ist es, Drohnen im Bereich von Flughäfen aufsteigen zu lassen: Erst am Sonntag ist beim Landeanflug auf den Londoner Flughafen Heathrow ein Passagierflugzeug mutmaßlich mit einer Drohne zusammengestoßen, berichtet die Süddeutsche Zeitung. „Ein Jet saugt herumfliegende Objekte an, sie werden regelrecht eingeatmet“, erklärt der ehemalige Fluglehrer Hans Würger. Im Flughafenbereich (bis auf 1,5 Kilometer Entfernung) herrscht daher für jeden privaten Drohnenanwender absolutes Flugverbot.

Wiegt die Drohne bis zu fünf Kilogramm, kann in den meisten Bundesländern eine allgemeine Aufstiegserlaubnis für bis zu zwei Jahre erteilt werden. Ansonsten braucht man eine Einzel-Aufstiegsgenehmigung.

Zudem ist das Fliegen über Menschenmengen, Unfällen, Naturschutzgebieten, privatem Wohnraum, Kraftwerken, militärischen Einrichtungen und anderen Ereignissen tabu. Diese Regel gilt zunächst aus Sicherheitsgründen. „Viele Drohnen sind mit Carbon-Blättern ausgestattet und die hören erst auf zu rotieren, wenn der Akku leer ist“, deutet Würger an.

Die „Phantom 3“ in Nahaufnahme.

Aber auch eine mögliche Verletzung der Privatsphäre soll dadurch verhindert werden. Mit Berufung auf das Recht am eigenen Bild können ausgespähte Privatleute auch gegen spätere Veröffentlichungen der Luftaufnahmen (etwa bei Youtube) klagen.

Hinzu kommt die Redundanz, also die Notwendigkeit, jederzeit Kontrolle über das Mini-Fluggerät ausüben zu können: „Der Pilot muss zu jeder Zeit eine direkte Sicht zum Flugmodell haben und eine maximale Höhe von 100 Metern einhalten“, heißt es im „Pilotenhandbuch“. Da in manchen Lufträumen nur 30 Meter erlaubt sind, schreibt Procow dies auch als maximale Flughöhe bei seinen Schulungen vor.

Der Idee einer Express-Lieferdrohne, die in wenigen Stunden einen Versandauftrag ausführen könnte, sei deshalb zumindest vorerst hierzulande nicht zu realisieren, sagt Würger: „Flüge über weite Strecken sind problematisch, weil bei Systemausfällen keiner da wäre.“ In westafrikanischen Mali sehe das anders aus: Dort würden Drohnen schon in strukturschwache Gebiete geschickt, um Blutproben und Medikamente auszuliefern.

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