10. Grand Jam im Kasch

Einmal New Orleans und zurück

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Eine großartige Stimme, gepaart mit einer beeindruckenden Bühnenpräsenz: Big Daddy Wilson (Mitte), einer von sieben hochkarätigen Musikern beim Grand Jam. 

Achim - Von Lisa Duncan. Was ist wirklich wichtig im Leben? Liebe? Essen und Trinken? Oder gar die Tasse Kaffee am Morgen? Bei Big Daddy Wilsons „Neck Bone Stew“ scheint es sich jedenfalls um mehr als eine schmackhafte Rindersuppe zu handeln. Als er den Song beim 10. Grand Jam – Blues & American Roots Festival performte, brachte er die Stimmung im ausverkauften großen Saal des Kulturhauses Alter Schützenhof mindestens zum Sieden.

Die Veranstalter, Bluesbassist Olli Gee und Susanne Groll vom Kasch, gingen es für ihre Jubiläumsausgabe („wir sind ein bisschen aufgeregt“) clever an, indem sie Big Daddy Wilson erst nach der Pause auftreten ließen. Der in den Südstaaten der USA aufgewachsene Sänger und Gitarrist besitzt, neben einer grandiosen von samtweich bis dreckig klingenden Stimme, eine großartige Bühnenpräsenz. Auch ohne Sonnenbrille, dunklem Anzug, Lackschuhen und Al-Capone-Hut wäre klar: Dieser Mann ist der Chef auf der Bühne.

Den Blues hat Big Daddy Wilson indes nicht mit der Muttermilch aufgesogen. Vielmehr gelangte er als Heranwachsender über den Kirchenchor zur Musik. Erst als der junge US-Soldat nach Deutschland versetzt wurde, entdeckte er sein Talent für den Gesang und das Songwriting. Die Gospel-Wurzeln sind durchaus noch spürbar, auch wenn es sich nun textlich weniger um die Verehrung zu Gott, als um die der holden Weiblichkeit dreht.

Der große Saal im Kulturhaus Alter Schützenhof war am Donnerstagabend ausverkauft.

Wenn er in „Neck Bone Stew“ beteuert, dass er alles tun würde, um seine Geliebte glücklich zu machen oder in „Five Long Years“ auf Traditional Blues Art über die Bosheit der Frauen lamentiert, dann fühlt man sich als Zuhörer in eine schummrige Spelunke in New Orleans versetzt. Doch, wie es den Profi ausmacht, kann Big Daddy Wilson auch anderen das Feld überlassen – etwa, als der Blues-Saxophonist Tommy Schneller an diesen stimmlichen Maßstab anknüpfend, mit einem rundum beeindruckenden Instrumentalsolo antwortet.

Schlagartig wieder zurück in der Norddeutschen Tiefebene wähnt sich der Zuhörer, als Wilson zwischendrin für kurze Zeit die Bühne verlässt. Nicht, dass sich für die anderen Musiker, die bei dieser Jamsession mitmischten, nicht ebenfalls ein Konzertbesuch gelohnt hätte. Bis auf den erst 23-jährige Pianisten Nico Dreier waren schließlich fast alle für ihre Musik preisgekrönt worden. Nur strahlt Big Daddy Wilson eben doch eine andere Klasse aus.

Saxophonist Tommy Schneller und Claas Vogt spielten sich mit Begeisterung und der nötigen Routine die musikalischen Bälle zu.

Zu den originelleren Einfällen des Abends zählte eine bluesig angehauchte Interpretation von David Bowies „Heroes“ mit dem Sänger und Gitarristen Michael van Merwyk, dessen Aufruf zum Shantysingen das Publikum gerne erwiderte. Zudem zollte er in einer unterhaltsamen Eigenkomposition im Blue Grass-Stil auch der morgendlichen Tasse Kaffee seinen Respekt.

Richtiger Song – falsche Umsetzung waren Gedanken, die bei „I’ll be your Baby Tonight“ aufkamen. Den Song, ursprünglich von Bob Dylan, hatten bereits 1990 Robert Palmer und die britische Band UB40 mit Reggae-Beat unterlegt. Sänger und Gitarrist Claas Vogt fügte dem nur eine weitere Coverversion hinzu, die etwas mutlos diese Aufnahme kopierte und so schnell ausgereizt wirkte. Dabei zeigte Vogt, seit vielen Jahren in der Blues- und Bluegrass-Szene aktiv und darüber hinaus eine Hälfte des Schlagerduos „Klaus & Klaus“, auch seine Qualitäten als Musiker, besonders aber als Entertainer. Bei „Sittin’ here la la, waitin’ for my Ya Ya“ tanzte und sang das Publikum und war bis zum Schluss des Konzerts nicht mehr „runterzubringen“.

Da war es nicht schwer, Big Daddy Wilson noch einmal für zwei Zugaben auf die Bühne zu bitten. So fand das knapp dreistündige Konzert mit dem furiosen „Shake it, Pretty Mama“ und dem getragenen „Walk A Mile in My Shoes“ einen würdigen Abschluss.

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