Crashkurs für die berufliche Zukunft

Rotary Club Achim organisiert elfte Auflage des Projekts „Schulschiff Deutschland“

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Die 10. Klasse der Liesel-Anspacher-Schule verbrachte drei arbeitsintensive Tage auf dem „Schulschiff Deutschland“. Berufseinstiegsbegleiterin Anke Randecker, Klassenlehrerin Elke Schleusner und Henry Och, Präsident der Achimer Rotarier (letzte Reihe, v.l.) unterstützten die Schüler dabei. 

Achim - Soviel ist für Jessica Au bereits klar: Die 16-Jährige will in den medizinischen Bereich. Ihr nächster Schritt ist daher ein Praktikum als Krankenpflegerin in der Aller-Weser-Klinik, für das sie sich schon beworben hat. Ihr Plan B: Hebamme. „Weil ich schon bei drei Geburten von Verwandten dabei war“, erklärt sie ihr Interesse. 20 Schüler der Liesel-Anspacher-Schule Achim widmeten sich drei Tage lang für jeweils zehn bis zwölf Stunden einem – nicht ganz unwesentlichen – Thema: ihrer beruflichen Zukunft. Schauplatz dieses intensiven Crashkurses in Sachen Berufsfindung war auf Einladung des Rotary Clubs Achim das „Schulschiff Deutschland“.

„Hier gibt es keine Pausenglocke, keine Aula und keine anderen störenden Einflüsse“, sagt Henry Och von den Achimer Rotariern, die das Projekt für Hauptschüler nun bereits zum elften Mal aus Mitteln der Rotary Stadttombola ermöglicht haben. Und offenbar nicht das letzte Mal: „Wir wollen die mitnehmen, die es nicht leicht haben in unserer Gesellschaft, die Schulform an sich spielt dabei keine Rolle“, erläutert Och.

Das Konzept: Renommierte Firmen aus Achim und umzu stellen sich den Schülern vor, dazwischen üben die Heranwachsenden Vorstellungsgespräche unter Realbedingungen. Experten aus unterschiedlichen Branchen führen ehrenamtlich diese Gespräche, darunter „rotarische Freunde“ wie Uwe Homes und Karola Holweg, aber auch Rotarier Detlev Hermann (Vorstand der Bremischen Volksbank). „Bei drei Interviews kam keiner doppelt vor“, erläutert Och. Ein Vorgehen, das den Schülern zeigen soll, wie unterschiedlich Personalchefs „ticken“.

Stärken durch Bewerbungsgespräche entdeckt

Auch ein Rollenspiel, in dem Schüler selbst die Arbeitgeber mimten und ihre Auswahl begründen sollten, war Teil des Konzepts. Zwar sollten sich die Schüler eindeutig auf ihren Berufswunsch fokussieren, aber sie wurden auch angeregt, sich mit Alternativen zu befassen. Eine Zusatzaufgabe lautete daher, sich noch um einen weiteren Beruf zu bewerben.

Ein Ansatz, der dem 17-jährigen Francis Suchard weiterhalf: „Ich wollte zuerst in Richtung Mediengestaltung. Aber durch die Bewerbungsgespräche habe ich herausgefunden, dass meine Stärken im kommunikativen Bereich liegen“, erzählt er. Sein neuer Plan gehe daher in Richtung Event-Management.

Neben dem gezielten Bewerbungstraining präsentierten sich Unternehmen aus der Region, beispielsweise die Desma Schuhmaschinenfabrik, Zeppelin Power Systems und das Kaufhaus Dodenhof. Zudem wurden mehrere „Runde Tische“ veranstaltet. Dabei begaben sich Handwerksfirmen wie Elektro Wolters, die Malerei Buschmann, die Friedrich Lindhorst GmbH und die Möbeltischlerei Lagerpusch, in einen Dialog mit den angehenden Auszubildenden. „Wir haben vorher geguckt: Wohin gehen die Ausbildungswünsche der Schüler?“, erklärt Och. Daraus ergebe sich jedes Jahr eine andere „Gästeliste“ mit Firmen.

„Wir servieren Bewerber auf einem Silbertablett“

Das Projekt läuft von Beginn an in vertrauensvoller Kooperation mit der Liesel-Anspacher-Schule: „Als Pädagoge sehe ich es auch als meine Aufgabe, die Unternehmenswelt nicht aus den Augen zu verlieren“, sagt Schulleiter Dominik Lerdon. Umgekehrt schließe die Bildungseinrichtung auch eine Lücke für die Unternehmen. „In Zeiten des Fachkräftemangels servieren wir Bewerber auf einem Silbertablett“, fügt er hinzu. Denn anschließend wird immer eine Broschüre mit den Bewerbungsprofilen der Schüler gedruckt und an mehrere hundert Unternehmen verteilt.

Nicht zuletzt ging es auf dem Schulschiff Deutschland darum, soziale Kompetenzen zu stärken und sich im respektvollen Miteinander zu üben. Etwa mit dem Backschaftsdienst, der das Auf- und Abdecken der Tische zu den Mahlzeiten beinhaltet. Nicht ohne Wirkung: „Man kommt hier viel mehr ins Gespräch“, findet Francis Suchard. „Die Gemeinschaft hat sich wirklich zum Positiven verändert.“ 

ldu

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