Krise bedroht Existenzen

Coronavirus im Landkreis Verden „katastrophal“ für Einzelhändler und Wirte

Die Kassen klingelten am Dienstag bei Rossmann in der Passage mehr als sonst.
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Die Kassen klingelten am Dienstag bei Rossmann in der Passage mehr als sonst.

Achim - „Wir haben bis zum 18. April geschlossen“, bestätigt Christian Detert, Betreiber des Wirtshauses Alte Feuerwache, auf Nachfrage. „Der Markt gibt derzeit kein Geschäft her.“

Die Corona-Pandemie in Niedersachsen und die daraus resultierenden Ansagen aus der Politik, dass Menschenansammlungen möglichst zu vermeiden sind, habe die Anzahl der Gäste am Wochenende einbrechen lassen. Nun gehe es um die Existenz von 30 Mitarbeitern in seinen drei Gastronomiebetrieben in Achim und im Raum Sulingen, deutet Detert eine dramatische Lage an. Der Erlass der niedersächsischen Landesregierung, wonach Lokale spätestens um 18 Uhr schließen müssen, verschärfe die Situation für die Branche selbstverständlich noch.

Corona-Krise im Landkreis Verden: Abstand zwischen Tischen wird vergrößert

Wenige Schritte weiter, im „Atrium“, läuft der Betrieb vorerst weiter. „Gesundheit geht über alles“, zeigt Michael Richter, der das Bistro-Restaurant zusammen mit Frank Adler führt, für die Anordnungen der Politik durchaus Verständnis. Um das Ansteckungsrisiko zu verkleinern, sei ein Drittel des Mobiliars beiseite geräumt worden. „Wir haben den Abstand der Tische auf eineinhalb bis zwei Meter vergrößert. Zudem desinfizieren wir die Gebrauchsflächen regelmäßig.“

Das „Atrium“ hat noch geöffnet, die Tische sind aber auseinander gerückt.

Aber auch Richter treibt die Sorge um die Zukunft des Betriebs um. Der Umsatz sei in den vergangenen Tagen spürbar zurückgegangen, und das Abendgeschäft falle nun ja auch noch weg. Er hoffe, dass der Staat sein Versprechen, Unternehmen in der Not finanziell unter die Arme zu greifen, einhält. Den vier festangestellten Kräften und den ein Dutzend Minijobbern wolle er Kündigungen möglichst ersparen. Demnächst für das Personal Kurzarbeit anzumelden oder Beschäftigte in Urlaub zu schicken, fallen Richter als Alternativen ein. „Es ist ungewiss, wie es weitergeht“, zuckt der Wirt mit den Achseln. Diese Woche werde das „Atrium“ aber auf jeden Fall weiterhin geöffnet haben.

Corona-Krise im Landkreis Verden: Schuhhändler ringt um Existenz

Mirja Hehenberger hat ihren Schuhladen in der Fußgängerzone am Dienstag aufgrund des Regierungserlasses erst gar nicht aufmachen dürfen. „Das ist katastrophal“, antwortet die Kauffrau auf Nachfrage des Reporters. „Wie sollen wir über den nächsten Monat kommen?“, fragt (sich) Hehenberger, die zusammen mit ihrem Mann Lars auch in Bremen ein nun ebenfalls bis auf Weiteres geschlossenes Schuhgeschäft betreibt. „Wir haben drei Kinder und werden Sozialhilfe beantragen müssen.“

Schuhe gibt es nicht mehr, aber Frisuren: Mirja Hehenberger (l.) und Martina Caspers-Münzer.

Über die Regelung, dass ihr kleiner Laden mit 45 Quadratmetern an der Obernstraße in Achim zum Schutz vor Corona stillgelegt ist, aber Bau- und Großmärkte weiterhin öffnen dürfen, schüttelt die Einzelhändlerin den Kopf. „Dort drängeln sich doch die Leute.“ Nach Meinung von Mirja Hehenberger müssten eher Geschäfte mit mehr als 500 Quadratmetern Verkaufsfläche vorübergehend geschlossen werden.

Corona-Krise im Landkreis Verden: Friseure bleiben offen

Martina Caspers-Münzer, Inhaberin von „Cutting Crew“, freut sich zwar, dass sie ihren Salon direkt nebenan nicht dichtmachen muss. „Aber es ist für mich unverständlich, dass Friseure bei dem unvermeidlichen engen Körperkontakt mit den Kunden noch öffnen dürfen.“ Dass Mirja Hehenberger ihren Schuhladen mindestens bis zum 18. April schließen muss, findet Caspers-Münzer „nicht fair. Es tut mir in der Seele weh, dass andere Existenzängste haben“, fügt die Salonbetreiberin hinzu.

Händler Veit Hoffmann.

Genauso wie Schuhe gehören Bücher nicht zu den „Waren des täglichen Bedarfs“, und deshalb darf auch Veit Hoffmann keine Kunden mehr in seine Buchhandlung an der Obernstraße lassen. Bestellungen per Telefon oder E-Mail seien aber weiterhin möglich; die gewünschten Artikel würden dann zugeschickt oder auch persönlich vorbeigebracht. Hoffmann hält die Vorkehrungen des Staates in Sachen Corona-Schutz für richtig. „Wenn Behörden solche Anordnungen treffen, machen sie das nicht grundlos. Da müssen sich dann auch alle dran halten.“

Corona-Krise im Landkreis Verden: Solidarität sei vonnöten

Aber es gelte natürlich ebenfalls den wirtschaftlichen Aspekt in der Angelegenheit zu betrachten. Bürgschaften für Unternehmen seien laut der Landesregierung über die N-Bank möglich. „Ich hoffe, dass es unbürokratische Hilfe gibt, die nicht nur aus Krediten besteht“, sagt Hoffmann. „Denn der Umsatz, der jetzt nicht gemacht wird, kann nicht nachgeholt werden.“

Im Übrigen sei in der Corona-Krise Solidarität in der Gesellschaft vonnöten. „Vermieter müssen ihren Beitrag leisten. Sie sollten Mietern in Zeiten von vielfach drohender Kurzarbeit mit deutlich geringerem Gehalt entgegenkommen“, findet Veit Hoffmann. „Denn Eigentum verpflichtet.“

Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus um Landkreis Verden, können sie hier nachlesen.

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