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„Cook & Help“ in Achim versorgt gestrandete Trucker aus der Ukraine und gründet Verein

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Von: Dennis Bartz

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Stellt sich gerne an den Kochtopf, um Bedürftigen eine Freude zu machen: Torsten Meinecke.
Stellt sich gerne an den Kochtopf, um Bedürftigen eine Freude zu machen: Torsten Meinecke. © Bartz

Achim – Helfen liegt in seiner Natur: In diesen Tagen steckt Koch Torsten Meinecke von der Achimer Organisation „Cook & Help“ mitten in den Vorbereitungen für das „Fest der Herzlichkeit“, das er und weitere Unterstützer gemeinsam mit der Stadt Achim am Sonntag, 8. Mai, für die Flüchtlinge aus der Ukraine im Freibad veranstalten.

Vor Kurzem hatte Meinecke bereits zu Spenden für ukrainische Lastwagenfahrer aufgerufen, die mit ihren Trucks auf deutschen Rastplätzen gestrandet sind. Sein Sohn Yannick hatte ihn auf die Idee gebracht, nachdem dieser von dem Schicksal der Menschen erfahren hatte. „Er erinnerte mich daran, dass wir noch eine Schuld zu begleichen haben“, berichtet Torsten Meinecke.

Drei ukrainische Lkw-Fahrer hatten uns damals zum nächsten Rastplatz gebracht – jetzt konnten wir uns revanchieren.

Torsten Meinecke

Als das Vater-Sohn-Gespann im vergangenen Jahr zum Fischen nach Schweden gefahren war, waren die beiden nämlich selbst kurz vor Lappland liegengeblieben. „Drei ukrainische Lkw-Fahrer hatten uns damals zum nächsten Rastplatz gebracht – jetzt konnten wir uns revanchieren“, betont Meinecke.

Die Spendenbereitschaft innerhalb der „Cook & Help“-WhatsApp-Gruppe war enorm, und so konnten Torsten Meinecke und Sohn Yannick vor wenigen Tagen eine Tour entlang der Autobahn in Richtung Ruhrgebiet starten, an Bord: 58 Rucksäcke – prall gefüllt mit Lebensmitteln, Getränken, Tabak, frischer Unterwäsche, Socken und Kaffee. „Wir sind gezielt Rastplätze angefahren und haben dort Ausschau nach ukrainischen Fahrzeugen gehalten. Auf der vierstündigen Hinfahrt bis kurz vor Gelsenkirchen sind wir aber tatsächlich nur sechs Rucksäcke losgeworden“, erzählt Torsten Meinecke, der von einem Lastwagenfahrer den entscheidenden Tipp bekam: „Die meisten Ukrainer sind mit polnischem Kennzeichen unterwegs, aber man erkennt sie an einem Wimpel oder einer Fahne im Führerhaus.“

Wenn Torsten und Yannick Meinecke eines von beiden entdeckten, klopften sie an die Scheibe und überreichten einen der Notfall-Rucksäcke. „Wir haben auch russische und weißrussische Fahrer unterstützt, denn sie stecken alle in derselben Situation und tragen keine Schuld daran, was gerade passiert. Sie kommen nicht weg, weil sie kein Geld haben und ihre Währung auch kaum noch Wert hat“, betont Meinecke.

Insgesamt acht Stunden waren die beiden Achimer unterwegs, dann hatten sie alle Rucksäcke verteilt. „Wir konnten vielen Fahrern helfen, auch wenn es am Ende vermutlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein war“, so Meinecke weiter.

Der 56-Jährige freut sich darüber, dass er vom Finanzamt kürzlich die Information erhalten hat, dass „Cook & Help“ künftig als Verein geführt wird. „Viele unserer etwa 90 Unterstützer sind auch schon Mitglied geworden. Das macht für uns vieles einfacher. Wer uns helfen will, zahlt einen Beitrag in Höhe von zwölf Euro pro Jahr“, erklärt Meinecke.

Er hatte „Cook & Help“ ins Leben gerufen, um bedürftige Menschen zu unterstützen. Weil sich dies jedoch in Achim schwierig gestaltete, engagierte sich „Cook & Help“ bisher fast ausschließlich in Bremen, wo die Ehrenamtlichen zum Beispiel Weihnachtsessen für Obdachlose veranstalteten. „Wir wollen Menschen, die es sonst nicht so leicht haben, einen tollen Tag bescheren“, so Meinecke weiter, der über sich selbst sagt: „Ich bin ein Achimer Jung.“

Immer montags, mittwochs und freitags, um damit sicherzustellen, dass kein Obdachloser verhungert – die Menschen konnten ja nicht einmal betteln, Pfandflaschen sammeln oder ihre Zeitung verkaufen.

Torsten Meinecke

Im März 2020 erhielt er einen Hilferuf von der Inneren Mission in Bremen, die berichtete, dass aufgrund der Pandemie in Bremen viele Hilfsmöglichkeiten für Obdachlose zusammengebrochen waren. „Wir sind daraufhin drei Mal pro Woche zur Bürgerweide gefahren und haben in dieser Zeit etwa 15 000 Essen verteilt. Immer montags, mittwochs und freitags, um damit sicherzustellen, dass kein Obdachloser verhungert – die Menschen konnten ja nicht einmal betteln, Pfandflaschen sammeln oder ihre Zeitung verkaufen“, so Meinecke.

Bereits am ersten Tag kamen damals 400 Obdachlose – „bei minus acht Grad Celsius, einige hatten nicht einmal Schuhe an“, erinnert sich der Achimer. Er und Sohn Yannick fuhren deshalb noch einmal zurück: „Wir haben unseren Schuhschrank leer geräumt und jeweils nur unser bestes Paar behalten.“ Den Rest verteilten sie.

Für die Weihnachtsessen für Obdachlose hat „Cook & Help“ den Domkapitelsaal in Bremen genutzt. „Von dort hatten unsere Gäste einen Blick auf den Bremer Weihnachtsmarkt und auf dem Balkon roch es nach Zuckerwatte und Waffeln“, erinnert sich Meinecke, der sich mit seinem Team besonders ins Zeug legte, um leckere Menüs zu kochen.

Für die Obdachlosen standen jeweils Sechser-Tische bereit, wobei immer ein Stuhl frei blieb, damit einer der insgesamt 20 Helfer sich zu ihnen setzen und mit ihnen ins Gespräch kommen konnte.

Alle Aktionen von „Cook & Help“ unterstützt das Fitness- und Squash-Center in Baden, wie Meinecke hervorhebt: „Inhaber Peter Berleth stellt uns die Küche dort zur Verfügung und verlangt dafür keinen Cent.“

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