Diskussion des DGB mit Bundestagskandidaten

Der Aufreger Rente

Am Podium von re. (bitte Foto vergrößern zum Komplettansicht): Monika Geils (Grüne), Andreas Mattfeldt (CDU), Daniela Teppich (DGB), Christina Jantz-Herrmann (SPD), Herbert Behrens (Linke). - Foto: Brodt

Achim - Es war nicht die von Argwöhnern befürchtete „Schnarchveranstaltung“, die DGB-Podiumsdiskussion mit heimischen Bundestagskandidaten zum Thema Rente am Donnerstagabend im Hotel Gieschen. Für den CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Mattfeldt ist das bis zum Jahr 2030 auch kein allzu großes Problem, da die wirtschaftliche Entwicklung mit hoher Beschäftigung, Einkommenszuwachs und Rentensteigerung sehr gut sei.

„Wenn es der Wirtschaft gut geht, ist das das Fundament für eine gute Rente.“ Der Abgeordnete des Haushaltsausschusses verwies darauf, dass die Sozialquote in Deutschland bei 52 Prozent liege, 90 Milliarden aus dem Bundeshaushalt und bald 100 Milliarden in die Renten flössen. Handlungsbedarf besteht für ihn besonders ab 2030 wegen der Alterung der Bevölkerung.

Für den Linken-Bundestagsabgeordneten Herbert Behrens geht das gar nicht, ältere Menschen zum Konjunkturfaktor zu degradieren. Er kritisierte, dass neben der gesetzlichen, privaten und betrieblichen Rente immer mehr Säulen für die Rente erfunden würden, aus denen große Versicherer schauten. Jeder sollte mindestens 1050 Euro Rente bekommen, alle sollten dafür einzahlen, was pro Kopf 35 Euro im Monat ausmache. Die Linke fordert einen Mindestlohn von zwölf Euro, weil sonst das Rentenniveau nicht zu halten sei. Hier bekam er sogar Zustimmung von dem Abgeordneten, Bier-und-Fleisch-Unternehmer Mattfeldt, mit dem derzeitigen Mindestlohn könne man nicht gut leben.

Grüne wollen Bürgerversicherung

Mindestens 850 Euro Rente bieten die Grünen, die dies über eine Bürgerversicherung finanzieren wollen, in die alle einzahlen. Die Bundestagskandidatin Monika Geils will auch die Beamten blechen lassen, verriet aber nicht, wie sie dies durchsetzen will. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Christina Jantz-Herrmann spricht sich für eine Rente mindestens zehn Prozent über der Grundsicherung aus. Ein Weiter-so bis 2030 lehnt sie ab. Insbesondere Frauen hätten ein Armutsrisiko, weshalb auch Kindererziehungszeiten besser honoriert und die Rückkehr von Teilzeit in Vollzeit erleichtert werden müssten.

Zum Schluss der zerfasernden Diskussion ließ DGB-Moderatorin Daniela Teppich die Kandidaten eine Bildkarte auswählen und interpretieren. Behrens’ Foto zeigte einen Mann, der in den Briefkasten schaut. Behrens; Er erwartet noch etwas: den Rentenbescheid, Post von ihm, Kündigung? Jantz-Herrmann wählte Spuren im Sand, Spuren des vergangenen Lebens und Wege, die man noch gehen will. Geils’ Karte zeigte einen Opa mit Enkel, der von der Höhe aufs Meer blickt. Werden Opas das zukünftig noch können? Bei Mattfeldts Karte blickt ein Junge in die Sonne. Rente ist eben auch eine Angelegenheit der jungen, zahlenden Generation, die optimistisch bleiben soll.

mb

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