Buchhändler Veit Hoffmann meldet sich zu Wort / Passive Stadt und „Lieken-Sau“

„Achim ist doch lebendig und keine tote Stadt“

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Veit Hoffmann: Am Puls der Zeit bleiben und Veränderungen erkennen.

Achim - Von Manfred Brodt. Vor achteinhalb Jahren ist Veit Hoffmann mit seiner Frau Iris Hunscheid aus der Region Köln nach Achim gezogen, um hier eine Buchhandlung zu übernehmen. Er identifiziert sich inzwischen sehr mit dem Weserstädtchen und ist in den letzten Tagen öfter verärgert, wenn er hört oder liest, Achim sei eine tote Stadt.

„Ganz und gar nicht“, sagt er im Gespräch mit dem Achimer Kreisblatt, „Achim ist eine sehr lebendige Stadt.“ Er nennt die vielen Vereine und Verbände mit ihren unzähligen Angeboten für die Bürger, das kulturelle Leben zum Beispiel im Kulturhaus Alter Schützenhof und die neuen Baugebiete zum Beispiel am Kämpe, Stadtwald und am Lahof. „Achim ist sehr lebendig“, widerspricht er.

Er weiß natürlich, dass mit der toten Stadt in aller Regel die Einkaufsstadt und die oft leere Fußgängerzone gemeint sind. Ganz Achim aber für tot zu erklären, ist ihm zu pauschal.

Veit Hoffmann leugnet nicht die Probleme der Geschäftswelt und hat hier auch Kritik am Rathaus anzubringen. Es werde dort kaum etwas entschieden, was auch daran liege, dass es keine feste Koalition gebe, sondern wechselnde Mehrheiten und oft wankelmütige Politiker. Die Stadtverantwortlichen sollten sich die Erfahrungen anderer Kleinstädte am Rande von Großstädten anschauen und auswerten inner- und außerhalb des Kommunalverbandes Niedersachsen/Bremen. Schließlich sollte die Stadt nicht nur zuschauen, sondern auch agieren. Hoffmann schlägt vor, dass die Stadt wichtige frei werdende Häuser und Grundstücke in der Fußgängerzone aufkaufe, zusammenlege und verkaufe, um so größere Grundstücke und Geschäftsflächen in der City zu bekommen. „Statt dessen wird jetzt die Lieken-Sau durchs Dorf getrieben“, kritisiert er.

Veit Hoffmann und Iris Hunscheid selbst hatten vor achteinhalb Jahren eine hier insolvente Buchhandlung übernommen und zur Blüte geführt. Ihr Erfolgsrezept?

Hoffmann: „Wir machen halt nicht nur die Tür auf.“ Die Buchhandlung kennt im überschaubaren Achim ihre Kunden persönlich, bemüht sich sehr um sie unter anderem durch regelmäßige Lesungen und sonstige Veranstaltungen. Man ist belesen, kann zu den Büchern kompetent Auskunft geben, bietet über Bücher hinaus von Karten bis Geschenkideen Gefragtes an, hat einen Online-Auftritt, einen Online-Shop und vor allem: „Der Job macht uns Spaß“, sagt Hoffmann, der wie auch seine Frau in Verbänden der Branche ehrenamtlich engagiert ist.

Der Vorteil des Buchhandels sei, räumt Hoffmann ein, dass es die Buchpreisbindung gibt und man nicht wie andere Einzelhändler über den Preis von Ketten, Discountern und Internetriesen ausgestochen werden kann. Umso wichtiger sei es für die Buchhändler, Pluspunkte über den Service zu machen.

„Man muss am Puls der Zeit bleiben, um in der schnelllebigen Zeit Veränderungen mitzubekommen“, sagt er.

Veit Hoffmann bestreitet nicht, dass es in der Achimer Geschäftswelt da noch Nachholbedarf gibt. „Aber das ist in allen Städten so, nicht nur in Achim.“

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