Auf dem Treppchen

Bronze bei EM im Sitzvolleyball: Anne-Kathrin Berndt trägt sich ins goldene Buch ein

Hat sich mit dem dritten Platz bei den Europameisterschaften der Sitzvolleyballer für die nächste Weltmeisterschaft qualifiziert: Sportlerin Anne-Kathrin Berndt.
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Hat sich mit dem dritten Platz bei den Europameisterschaften der Sitzvolleyballer für die nächste Weltmeisterschaft qualifiziert: Sportlerin Anne-Kathrin Berndt.

Achim – Hätte die Liebe Anne-Kathrin Berndt nicht vor fünfeinhalb Jahren nach Achim verschlagen, dann wäre die Stadt jetzt um eine Bronzemedaillen-Gewinnerin ärmer. Doch weil es so gekommen ist, konnte Bürgermeister Rainer Ditzfeld die 34-Jährige am Donnerstag im Ratssaal dafür ehren, dass sie sich mit der Nationalmannschaft der Sitzvolleyballerinnen kürzlich bei der Europameisterschaft im türkischen Kemer einen Platz auf dem Siegertreppchen erkämpft hat. Neben Geschenken gab es einen Eintrag ins goldene Buch der Stadt.

„Ich bin als Bürgermeister riesig stolz darauf, dass wir so eine tolle Sportlerin in Achim haben“, schwärmte Ditzfeld. Zudem ist Anne-Kathrin Berndt, die bei dem Termin mit Kaffee und Kuchen den Adler auf der Brust trug, die einzige Niedersächsin im Team. Viel zu oft bekomme die Öffentlichkeit gar nichts mit von den „kleinen versteckten Spitzensportlern“, sagte Ditzfeld.

Die Geehrte freute sich ihrerseits, dass der Parasport auch mal in den Fokus rückt. Wegen einer Knochenkrebserkrankung in der Kindheit musste Anne-Kathrin Berndt ein Bein amputiert werden. „Mir war es wichtig, dass ich wieder raus kann und Sport mache“, erzählte sie über die Zeit danach. Weil die Bremerin bereits Handball gespielt hatte, ging sie auch erst einmal wieder dorthin zurück. Der Sport wurde allerdings zusehends ruppiger, darum sei ihre Beinprothese öfter kaputt gegangen. Also musste ein anderer Sport her. „Und dann bin ich auf Sitzvolleyball aufmerksam geworden – in Leverkusen“, sagt die 34-Jährige. Anne-Kathrin Berndt schaute sich nach einer Mannschaft in der Nähe um, wurde in Hamburg fündig. Aber auf Dauer und im Alltag ist die Strecke doch zu weit. Glücklicherweise entschied sich die BTS Neustadt in Bremen vor zwei Jahren dazu, eine Sitzvolleyball-Mannschaft zu gründen. Die Trainerin dort kann selbst nicht mehr im Stehen spielen. „Seitdem bin ich dabei und anscheinend so gut, dass ich in die Nationalmannschaft aufgenommen worden bin“, so die Wahl-Badenerin.

Dass sie so gut ist, dafür tut Anne-Kathrin Berndt allerdings auch einiges: Zweimal pro Woche trainiert sie in Bremen und macht zudem Krafteinheiten im einstigen Kinderzimmer der ältesten Stieftochter, die kürzlich ausgezogen ist. Ein- bis zweimal pro Jahr spielt sie bei der Potsdamer Mannschaft mit. Und an drei von vier Wochenenden im Monat ist sie für die und mit der Nationalmannschaft und Trainer Christoph Herzog unterwegs. Dieser hatte Anne-Kathrin Berndt im Sommer 2020 zum ersten Trainingslager eingeladen und im Dezember in den Kader geholt. Für die 34-Jährige nach so kurzer Zeit nicht selbstverständlich: „Als ich mitbekommen habe, ,okay, der nimmt dich wirklich mit’, da lief schon die eine oder andere Freudenträne.“

Zum Kader gehören zehn Frauen – alle in Vollzeit berufstätig. Berndt arbeitet bei Airbus und da seit Kurzem als Gesundheitsberaterin für Führungskräfte. Sie ist ihrem Arbeitgeber dankbar für die Flexibilität, die er ihr einräumt. „Das ist sehr wichtig, denn der Parasport wird kaum gefördert.“

Für die Europameisterschaft in der Türkei hat Anne-Kathrin Berndt Urlaub genommen. „Das macht man aber auch gerne“, unterstreicht sie. Das Team, in dem im Gegensatz zu der Bremer Mannschaft alle eine Beeinträchtigung haben, setzte sich im kleinen Finale gegen Slowenien durch und gewann damit Bronze. Meister wurde Russland, dahinter landeten die italienischen Sitzvolleyballerinnen. Mit ihrem Platz erspielten sich die deutschen Frauen auch ein Ticket für die WM in China. Für das Event 2022 hat Anne-Kathrin Berndt, die bei der EM nach eigenen Angaben Blut geleckt hat, fast bescheidene Wünsche: „Wenn wir von den 16 Mannschaften 10. oder 9. werden, wäre das schon grandios. Wenn wir es noch weiter nach vorne schaffen: noch besser.“

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