Initiative fordert Umbenennung

Brinkmannstraße soll nicht länger nach Nazi benannt sein

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Eine Bürgerinitiative, die es bereits vor 30 Jahren gab, fordert erneut die Umbenennung der Brinkmannstraße. Auf dem Foto sind zu sehen: (von links) Dirk Ysker, Gerd Woebse, Hubertus Stobbe, Andreas Hein-Köcher und Bernd Potyka. 

Achim - Von Michael Mix. Die Brinkmannstraße ist eine kleine, unscheinbare Sackgasse am Rande der Bergstraße in Achim. Doch der Name birgt Sprengstoff. Eine aus sieben Personen bestehende Bürgerinitiative um Bernd Potyka erinnert daran, dass die Straße nach Johann Brinkmann, Achimer Bürgermeister von 1927 bis 1945 und Mitglied der NSDAP, benannt ist.

Ein Zustand, der beendet werden müsse. Potyka und seine Mitstreiter fordern die Fraktionen im Achimer Stadtrat auf, die Brinkmannstraße umzubenennen. Für geeignet halten sie Namen von ehemaligen jüdischen Mitbürgern oder von Leuten aus dem Widerstand gegen das Nazi-Regime, wie etwa Cato Bontjes van Beek oder Georg Elser.

„Nach 30 Jahren unternehmen wir einen neuen Vorstoß, das hinzubekommen“, sagte Bernd Potyka gestern bei einem Pressegespräch im Kasch. Er, Andreas Hein-Köcher, Hubertus und Ulrike Stobbe, Silke Thomas, Gerd Woebse und Dirk Ysker sowie drei weitere Bürger, die nicht mehr in Achim wohnen, hatten 1988 einen ähnlichen Antrag gestellt. Damals hätten leider nur vier Ratsmitglieder, einige Grüne und Sozialdemokraten, dafür gestimmt.

„Durch Verrenkungen hervorgetan“

Abstruse Begründungen seien seinerzeit für die Ablehnung ins Feld geführt worden. Der Großteil der SPD um Bürgermeister Christoph Rippich habe sich „durch Verrenkungen hervorgetan“ und behauptet, Brinkmann sei „gar nicht so schlimm gewesen“. Geradezu aberwitzig mute die Einlassung von CDU-Fraktionschef Harald Klein zu dem Antrag an: „Das deutsche Volk hat in den Jahren von 1933 bis 1945 so viel Unmenschlichkeiten und Intoleranz erfahren, dass wir eigentlich sofort hellhörig werden müssten, wenn wieder ähnliche Töne zu hören sind.“ Und eine Grüne habe gewettert, dass eine Gruppe von Neubürgern nur Hass in Achim säen wolle.

Der neue Nebenarm der Bergstraße war erst 1970 nach dem früheren Bürgermeister benannt worden. Der Stadtrat stimmte einhellig dafür, während die 68er Bewegung mit Nachdruck ein Ende des „braunen Muffs“ in der Bundesrepublik forderte.

Die örtliche SPD, argwöhnt Potyka, habe da wohl auch vergessen gehabt, was sie auf ihrer ersten Sitzung nach der Befreiung, nämlich am 10. Mai 1945, einstimmig beschlossen hatte: „Die Aussprache über Achimer Verhältnisse zeigt Einigkeit in dem Willen zur Vernichtung der Nazis. Für deren Verbrechen ist keine Strafe groß genug. Die Beseitigung der Nazis wird aber allein unsere Sache sein. Hierzu gehört auch die Absetzung des Bürgermeisters Brinkmann, der immer noch den Nazis Vorschub leistet.“ Die Engländer handelten dann entsprechend.

„Daran ist nichts Ehrenwürdiges“

Für Hubertus Stobbe ist die Sache klar: „Er war in der Nazizeit höchster Repräsentant Achims. Daran ist nichts Ehrenwürdiges.“ Brinkmann habe die „Judenverfolgung aktiv unterstützt“. Und das sollte die Stadt nicht mit der Benennung einer Straße mit seinem Namen ehren.

Johann Brinkmann sei nicht nur ein einfaches Mitglied der NSDAP gewesen, sondern habe in seiner Funktion als Achimer Bürgermeister auch aktiv die Umsetzung von deren ideologischen und politischen Zielen im örtlichen Rahmen betrieben, formuliert Bernd Potyka in seinem Schreiben an die Fraktionen. „Zum Beispiel setzte er bereits 1936 im Vorgriff auf spätere gesetzliche Regelungen durch, dass jüdischen Schülern der Religionsunterricht in der städtischen Volksschule verboten wurde.“

Dem Stadtoberhaupt unterstanden nach Angaben von Potyka auch das Ordnungsamt und die örtliche Polizei. Daher habe Brinkmann nicht nur die Maßnahmen gegen die Juden, sondern zum Beispiel auch die sogenannte Schutzhaft gegen Achimer Sozialdemokraten und Kommunisten 1933 und 1934 zu verantworten.

Schließlich hat er laut Potyka 1945 verhindert, dass Achim vor den heranrückenden Engländern zur „offenen Stadt“ erklärt wurde. „Das hatte zur Folge, dass die Stadt noch in den letzten Kriegstagen Ort schwerer Kampfhandlungen geworden ist.“

Die Benennung einer Straße nach diesem Bürgermeister sei „Realsatire“, das sei ihm jetzt wieder in den Sinn gekommen, sagt Potyka. „Schade, dass die SPD 1988 nicht die Chuzpe hatte, ihren falschen Beschluss von 1970 rückgängig zu machen“, merkt Andreas Hein-Köcher an.

Alle hoffen nun auf die Einsicht des aktuellen Rates: „2018, im 80. Jahr nach der Reichspogromnacht, könnte dieser peinliche und in allen Stücken unwürdige Ratsbeschluss korrigiert werden.“

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