Bodybuilder vor Gericht / Kontakt zu „Athletenschmiede“ / Anwalt: Unschuldig

Polizist hat Anabolika im Kühlschrank

Achim - Von Michael Mix. Sportliche Höchstleistungen, ein athletischer Körper oder auch gutes Aussehen beruhen nicht immer nur auf regelmäßigem Training und gesunder Lebensführung. Doping spielt dabei häufig eine Rolle. Vor dem Amtsgericht Achim musste sich jetzt ein Polizist wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz verantworten.

Bei einer Durchsuchung der Wohnung des Achimer Angeklagten, auf dessen Spur Ermittler im Zuge einer groß angelegten Überwachungs- und Fahndungsaktion in ganz Deutschland gekommen waren, wurden am 1. November 2012 Anabolika sichergestellt. Heimische Kollegen des in Bremen tätigen 47-jährigen Polizeibeamten fanden im Kühlschrank 15 Ampullen mit Kigtropin.

Der auffallend muskulöse Beschuldigte, der Bodybuilding betreibt, äußerte sich nicht zu dem Tatvorwurf, die flüssige Substanz besessen und verbotenerweise für die Körpergestaltung gespritzt zu haben. Sein Verteidiger machte das dafür umso ausführlicher.

Die Dopingmittel könnten nicht zwangsläufig seinem Mandanten zugeordnet werden, sagte der Bremer Rechtsanwalt Stefan Weinert. Denn im November 2012 hätten auch dessen damalige Ehefrau und deren Sohn mit in der Wohnung gelebt. Mal abgesehen davon, dass Kigtropin „höchstens Sprintern“, aber nicht Bodybuildern zu mehr Leistung verhelfe, werde es „auch gerne zum Aufhalten des Alterungsprozesses eingesetzt“, führte Weinert an und beschuldigte damit indirekt die Ex-Frau des Angeklagten.

Der Verteidiger legte dem Gericht eine schriftliche Erklärung der heutigen Bremerin vor, in der diese versichert, dass die im Kühlschrank gefundenen Ampullen mit Wachstumshormonen nicht dem früheren Ehemann gehören. Der Besitz von Kigtropin, merkte Weinert noch an, sei nicht strafbar, „sondern nur, wenn man sich damit im Sport puscht“.

Der Beschuldigte sei nervös gewesen, insbesondere als er erfahren habe, dass zeitgleich auch dessen Dienststelle in Bremen durchsucht wurde, schilderte einer der vier Polizisten, die die Wohnung in Achim auf den Kopf gestellt hatten.

Neben den Ampullen hätten Beamte dabei auch Nahrungsergänzungsmittel in Form von Pulver in Dosen gefunden. In der Dienststelle sei ja ein Trainingsplan mit einer Auflistung über die Einnahme von Anabolika entdeckt worden, ergänzte Richter Andreas Minge.

Ein auf Drogen spezialisierter Beamter des Bundeskriminalamts in Itzehoe ordnete den Fall dann in einen größeren Zusammenhang ein und erläuterte Hintergründe. Nachdem im Mai 2012 in Barsbüttel ein „Untergrundlabor, in dem verbotene Substanzen gebraut wurden“, aufgeflogen sei, hätten Polizei, Hauptzollamt und Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen, berichtete der Zeuge. Nach seinen Angaben kam dabei zutage, dass der Betreiber eines Fitnessstudios in Elmshorn Anabolika aus Polen und Hamburg beschafft und zum Verkauf angeboten hat. „Insgesamt haben wir 38 Personen und 40 Objekte bundesweit durchsucht.“

Dabei ging auch der Achimer ins Netz. Eine Telefonüberwachung ergab laut dem Beamten aus Schleswig-Holstein, dass der Bremer Polizist rund 15 Treffen mit dem Anbieter vereinbarte. Und bei einer der Observationen des Studios sei der Beschuldigte dort auch aufgetaucht, um in der „Athletenschmiede“ bereitgestellte Tüten mit Anabolika in Empfang zu nehmen.

Verteidiger Weinert sah darin noch längst keine Beweise für ein Vergehen seines Mandanten und beantragte „die Beiziehung aller Akten der Staatsanwaltschaft Itzehoe“. Staatsanwalt Nordmann aus Verden wiederum forderte die Ladung der Ex-Frau des Angeklagten und deren 19-jährigen Sohnes, „um die Besitzverhältnisse der Mittel zu klären“. Richter Minge setzte daraufhin das Verfahren erstmal aus.

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