Stadtratswahl in Achim

„Bin begeistert“: CDU überholt erstmals SPD

Im Rathaus Achim kommt in Kürze der neue Stadtrat zusammen.
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Im Rathaus Achim kommt in Kürze der neue Stadtrat zusammen.

Achim – „Ich bin echt begeistert“, kommentiert Jürgen Striedieck, Vorsitzender der Achimer CDU, auf Nachfrage das Abschneiden seiner Partei bei den Kommunalwahlen am Sonntag. Mit 30,4 Prozent der Stimmen, die zwölf Sitze im Stadtrat zur Folge haben, sei das Wahlziel, stärkste Fraktion zu werden, erreicht worden. „Es ist meines Wissens nach das erste Mal, dass die CDU das in Achim geschafft hat“, merkt Striedieck mit hörbarem Stolz an.

Im Sog des Zugpferds Dr. Nadine Fischer, die mit mehr als 2200 Stimmen das beste Ergebnis aller neuen Ratsmitglieder erzielt hat, sei auch etlichen jungen CDU-Leuten der Sprung in das Stadtparlament gelungen.

Die 33-Jährige, die nicht der Partei angehört, habe einen „mega-guten Job“ gemacht, lobt Striedieck. „Nadine Fischer war mit ganz, ganz viel Fleiß bei der Sache.“ Und sie habe in knapp zwei Wochen „durchaus die Chance, die Stichwahl zu gewinnen“ und damit Amtsinhaber Rainer Ditzfeld als Bürgermeister abzulösen. Der CDU-Vorsitzende hofft im Zuge der Bundestagswahl am 26. September auf eine höhere Beteiligung der Achimer Bevölkerung als bei den Kommunalwahlen – die 55,1 Prozent hält er für „ganz traurig“. Freude wiederum bereitet Striedieck, dass die Achimer CDU „nun auch noch einen vierten Sitz im Kreistag erreicht hat“.

Die jüngsten Erfolge seien kein Zufall gewesen. Die Partei habe nach „einigen Turbulenzen“ in den vergangenen Monaten eine „gute Teamleistung hingelegt“.

Im ab 1. November amtierenden neuen Rat wolle die CDU „natürlich unser Programm umsetzen“. Mit wem die Christdemokraten dabei paktieren könnten, wolle er in den nächsten Wochen in Gesprächen mit den Vorsitzenden anderer Parteien ausloten, sagt Jürgen Striedieck und unterstreicht: „Wir haben einen Gestaltungsanspruch“.

Die SPD dagegen büßte ihre jahrzehntelange Poleposition im Stadtrat ein. Sie landete am Sonntag bei 29 Prozent, gleichbedeutend mit elf Sitzen. „Das ist natürlich blöd, schade“, entfährt es dem Vorsitzenden Wilfried Hirschmann am Telefon. „Genosse Trend hat sich hier nicht so gezeigt wie im Bundesdurchschnitt“, fügt er bedauernd hinzu. Immerhin habe die SPD, deren Spitzenkandidatin Cornelia Schneider-Pungs mehr als 1900 Stimmen holte und damit nach Fischer und vor Isabel Gottschewsky (CDU), die ebenfalls mehr als 1000 Stimmen sammelte, im Personenranking der Gewählten den zweiten Platz einnimmt, im Vergleich zur aktuellen Ratsperiode lediglich einen Sitz verloren.

Aber worauf ist der Verlust von knapp fünf Prozent der Stimmen im Vergleich zur Wahl 2016 zurückzuführen? „Das kann ich schlecht abschätzen“, antwortet Hirschmann. Dass die SPD „Achim-West“ befürwortet, könne kaum der Grund für den Absturz unter die 30-Prozent-Marke sein, „denn die WGA als Gegner des Projekts ist ja richtig böse abgesackt“.

Wahlgewinner sind die Grünen, die um 4,4 Prozent auf 18,1 Prozent zulegten und künftig über sieben Sitze im Rat verfügen werden. „Wir sind sehr glücklich über diesen Ausgang“, lässt Vorsitzender Dennis Reimers den Berichterstatter wissen. „Damit haben wir nicht gerechnet.“ Denn die Grünen hätten ja keinen Bürgermeisterkandidaten aufgeboten und einen „Generationenwechsel“ verkraften müssen, da arrivierte Kräfte wie die langjährige Fraktionsvorsitzende Silke Thomas und Ex-Parteichef Peter Bartram nicht mehr antraten. „Aber dafür sind Neuzugänge wie Dorothee Danèl und Saskia Zwilling mit zum Teil hervorragenden Stimmergebnissen in den Rat eingezogen.“ Die Grünen hätten damit ihr Credo, die Politik jünger und weiblicher zu gestalten, verwirklicht.

„Wir haben wohl mit Kompetenz in Haushaltsfragen überzeugt“ und auch mit der ablehnenden Haltung zu „Achim-West“, überlegt Reimers bei der Frage nach den Gründen für den Wahlerfolg. „Wir hatten befürchtet, dass uns die Entscheidung für die Amazon-Ansiedlung auf die Füße fällt“, gibt er zu. Und mit wem wollen die Grünen, die bisher meist mit der SPD gestimmt haben, aber in Sachen „West“ es mit der CDU halten, im neuen Rat zusammenarbeiten? „Wir werden von Thema zu Thema neu entscheiden.“

„Mit den neu eingezogenen Links- und Rechtsextremen wird es nicht einfacher im Rat“, stellt FDP-Chef Hans Baum fest. „Und es gibt immer noch die Zwei-Lager-Situation.“ Aber vielleicht eröffne die Tatsache, dass dem neuen Gremium nur noch 39 Prozent der bisherigen Mitglieder angehörten und 61 Prozent frische Kräfte dazu kämen, ungeahnte Kooperationschancen, sinniert der Liberale, der mit den 8,1 Prozent für die FDP und wie gehabt drei Sitzen etwas hadert. „Wir hätten uns schon gerne das vierte Mandat gewünscht“, räumt Baum unumwunden ein. Aber durch die neuen Mitbewerber AfD und Freie Wähler seien die kleineren Gruppierungen „unter Druck geraten“, was besonders die WGA getroffen habe. „Für Wolfgang Heckel tut mir das sehr leid“, zeigt FDP-Mann Baum Mitgefühl für seinen nicht wiedergewählten jahrelangen Sitznachbarn im Ratssaal.

Der „Tiefpunkt“ in der 30-jährigen Geschichte der Wählergemeinschaft Achim „trifft uns ganz hart“, bekennt deren Vorsitzender, der seit 20 Jahren die Fraktion anführt, mit Blick auf den Verlust von zwei der bisher drei Sitze. „Wir hatten vier Mandate angestrebt.“ Die erstmals in Achim angetretenenen Gruppierungen und CDU-Kandidatin Fischer mit ihrer Haltung gegen „Achim-West“ hätten der WGA, die das Projekt ebenfalls ablehnt, „viele Wähler abgegrast“.

Die AfD stuft die errungenen 5,2 Prozent und dadurch mit zwei Personen in den Rat einziehen zu können, als Erfolg ein. Sebastian Dahlweg, der eines der beiden Mandate erobert hat, verweist auf einen „Wahlkampf unter erschwerten Bedingungen“ und führt dafür „massive Beschädigungen unserer Wahlplakate und die Belagerung unserer Infostände durch linke Gruppierungen“ ins Feld. Dahlweg versichert: „Die AfD wird sich konstruktiv in den neuen Rat einbringen.“

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