Bibliothek erhält Spende von Familie der verstorbenen Rosemarie Rautenberg

Bilderbücher statt Blumen

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Die beiden Chefs der Stadtbibliothek, Iris Arndt (links) und Dr. Stefan Leenen, mit Katrin Rautenberg in der frisch bestückten Kinder-Lese-Ecke.

Achim - Über neue Schätze für die ganz Kleinen verfügt nun die Stadtbibliothek Achim. Dass die Kinderabteilung der Bücherei mit Titeln wie „Ein Schmatz für meinen Schatz“ und „Das Nilpferd wünscht sich Flügel“ kräftig aufgestockt wurde, ist das Verdienst von Familie Rautenberg. „Um das Lebenswerk meiner Mutter weiterzuführen“, sagt Katrin Rautenberg. Denn deren Mutter, die im Dezember 2014 verstarb, brannte dafür, Kindern die Welt der Bücher näherzubringen. Rosemarie Rautenberg war fast zehn Jahre lang die ehrenamtliche Erzählerin beim „Bilderbuchkino“.

„Statt Blumen baten wir alle bei der Beerdigung Geld für Bilderbücher zu spenden“, erklärt Katrin Rautenberg. 600 Euro kamen auf diese Weise zusammen.

Das Bilderbuchkino, bei dem Kindern zwischen drei und fünf Jahren Geschichten vorgelesen und Bilder auf der Leinwand gezeigt werden, initiierte die heutige Bibliotheksleiterin Iris Arndt. Als Rosemarie Rautenberg, früher Grundschullehrerin an der Schule am Paulsberg, 1995 in Pension ging, übernahm sie diese Aufgabe. Jeden ersten Freitag im Monat waren Kinder kostenlos zu den „Vorstellungen“ im alten Bibliotheksgebäude eingeladen.

Und Rosemarie Rautenberg füllte ihr Ehrenamt – daneben war sie noch im Förderverein der Stadtbibliothek und als Lesepatin an der Astrid-Lindgren-Schule aktiv – buchstäblich mit Leben. „Meine Mutter hat das total geliebt, den Kontakt mit Kindern. Nur mit Erwachsenen zu tun zu haben, hätte ihr nicht gereicht“, sagt ihre 46-jährige Tochter.

Immer, wenn die Bestellungen der zu den Bilderbüchern passenden Dias aus der Büchereizentrale in Lüneburg eintrafen, nahm die pensionierte Lehrerin sie zur Vorbereitung mit nach Hause. „Das war ihr Anspruch an Professionalität“, weiß ihre Tochter. Als „Kritiker“ – und gelegentlich beim Dias einlegen – unterstützte sie Enkelsohn Jakob, der mit nunmehr zwölf Jahren dem Bilderbuchkino-Alter deutlich entwachsen ist. So scharte Rosemarie Rautenberg nach und nach eine richtige Fangemeinde um sich. „Es gab Personen oder Familien, die immer wiedergekommen sind“, erzählt Iris Arndt. Noch das ganze letzte Jahr gestaltete die Geschichtenerzählerin die Freitagnachmittage in der Bibliothek – bis sie im Alter von 74 Jahren plötzlich verstarb.

„Sie fragte immer schon, wie das Bilderbuchkino nach dem Umzug mit Laptop und Beamer funktionieren würde. Nun hat sie die technische Umstellung nicht mitbekommen“, erzählt Bibliotheksleiter Dr. Stephan Leenen. Mit dem Umzug vom alten Fachwerkgebäude ins Rathaus verschwanden die bereits in die Jahre gekommene Leinwand und der Dia-Projektor. Das Konzept „Bilderbuchkino“ habe jedoch noch lange nicht ausgedient, betont Arndt: „Darüber bekommen Kinder erste Bezüge zu Büchern“ – und Leenen ergänzt: „Aktive Leseförderung überholt sich nicht.“

Was dieses Anliegen des Bilderbuchkinos angeht, war Rosemarie Rautenberg nicht nur bei ihrem Publikum, sondern auch bei der eigenen Tochter offenbar erfolgreich. Die vergrub sich nach eigenem Bekunden als Kind lieber hinter Büchern, als an die frische Luft zu gehen. „Und wenn doch, habe ich meine Lektüre mitgenommen und im Gartenhäuschen weitergelesen“, so Katrin Rautenberg.

Übrigens: Wer Lust hat, das Bilderbuchkino weiterzuführen, kann sich gerne persönlich bei der Stadtbibliothek Achim oder unter Telefon 04202/9160533 melden.

ldu

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