Theaterfroynde Oyten entlarven menschliche Schwächen und Charaktere

Beziehungschaos unterhält bestens

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Frivol und schonungslos: Susan entblößt ihre Brust und geht damit zum Äußersten – wie weit werden die anderen noch gehen, fragte sich indes das Publikum.

Achim - Von Ingo Schmidt. Ihre Achimer Premiere feierten die „Theaterfroynde Oyten“ am Samstag mit dem Stück „Bartime – Wer mit wem?“ in der Aula des Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasiums. Die meisterliche Darbietung der Oytener Laienspielgruppe hatte im Vorfeld der Aufführung von sich Reden gemacht.

Der enorme Besucherandrang führte zu einem Verkehrschaos auf den umliegenden Parkplätzen, weshalb sich der Bühnenaufmarsch der Protagonisten leicht verzögerte. Dem Publikum war das gleich, denn ihre Geduld wurde belohnt – bravourös bedienten die Akteure die hohe Erwartungshaltung.

Die Verwicklungen endeten keineswegs vor der Toilettentür, ganz im Gegenteil: Die Geschehnisse dahinter machten alles noch viel schlimmer. Den beiden Klofrauen gefiel es.

Die frivole Komödie nach einer englischen Fernsehserie von Steven Moffat führte die Zuschauer in ein Beziehungsgeflecht der (hoffentlich) besonderen Art: Eine Bar bildet den zentralen Treffpunkt einer Gruppe von Frauen und Männern im besten Alter, und dient als eine Art Schmelztiegel, in dem mittelbar und unmittelbar Liebschaften zugrunde gehen und neu entstehen.

Dabei entlarven die Protagonisten schonungslos und humorvoll menschliche Schwächen: Sie zeigen die Tücken des Triebes, die Tricks gewiefter Egomanen und die Hilflosigkeit verzweifelter Neurotiker. Rasant und ungebremst geraten die Charaktere von einem Beziehungsschlamassel ins nächste.

Als neutrale Instanz, gleichsam wie von einer Loge, betrachten und bewerten zwei Klofrauen das Geschehen. Bauernschlau ziehen sie ihre Lehren und versuchen mit dem gewonnenen Wissen schamlos ihre Einnahmen zu maximieren.

Mit Sprüchen wie „große Männer zahlen doppelt“ animieren sie Toilettenbesucher zu Höchstbeträgen oder sie wissen, mit Hinweisen zur Vermeidung unfeiner Spritzflecken auf Männerschuhen, das eigene Arbeitsaufkommen zu minimieren. Darüber hinaus folgern sie aus fehlenden Klogeräuschen: „Wenn es beim Pieseln nicht plätschert, ist der Weg zum Becken kürzer und somit der ...“

Die Barbesucher pflegen derweil ihre Dilemmata: Steve lebt als Single in einer Beziehung, weil seine Jane eine „Nichtherunterspülbare“ verkörpert. So jedenfalls beschreibt der neurotische Freund Jeff all die Frauen, die Mann nicht loswerden kann. Jeff mimt den allwissenden Experten, allerdings ohne eigene Beziehungserfahrung. Ebenso versiert zeigen sich drei Frauen, die mit Liebesaffären prahlen, die es nie gegeben hat.

Der Macho, der schüchterne Normalo, die überselbstbewusste Egomanin, die Selbstzweiflerin, die Sexhungrige, die ewig Suchenden – all diese Stereotype bringen nacheinander Beziehungskisten zum Platzen und das Zwerchfell zum Bersten. Spaß garantiert.

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