Beten, aber auch Fußballfreude

Achimer Muslime laden in offene Moschee

Im Vorjahr seien 74 Gäste an die Hasseler Straße gekommen, jetzt kamen weniger Besucher. Muslimvereins-Vorsitzender Rakip Erdinc und Stellvertreter Ilhami Yoldas (vorne sitzend von links) beantworteten freundlich alle Fragen.

Achim - Zum dritten Mal seit Baubeginn lud der Kulturverein Achimer Muslime (Kamu) Am „Tag der offenen Moschee“ – stets der 3. Oktober – in das neu entstehende Gemeinde- beziehungsweise Vereinszentrum an der Hasseler Straße 21.

Das Motto lautete in diesem Jahr „Gute Nachbarschaft – bessere Gesellschaft“. Die Vorsitzenden des Vereins versicherten denn auch: „Unsere Moschee steht allen Muslimen und auch Nichtmuslimen immer offen.“ Jedermann und jede Frau sei stets willkommen, sich ein Bild vom Gemeindeleben zu machen und sich über den Baufortschritt zu informieren. Etwa zehn Damen und ein Herr waren bis 15 Uhr der Einladung am Tag der offenen Moschee gefolgt.

Seit 2014 bauen die Achimer Muslime nach langer Planungs- und Antragsphase an ihrem neuen Gemeindezentrum, das sie durch Spenden finanzieren und in Eigenregie errichten. Die Gebäudetrakte mit 1 000 Quadratmetern Nutzfläche umgrenzen einen hellen Innenhof mit zwei Zugängen. Richtung Mekka wendet sich der Gebetsraum mit Kuppel. Jeweils rechts und links davon reihen sich Unterrichtsräume für Jungen und Mädchen sowie Waschräume, eine Küche und Toiletten, Büro und Konferenzzimmer.

Gegenüber des Kuppelsaales befindet sich der bereits fertiggestellte Versammlungsraum, der für Zusammenkünfte, Vorträge, Geselligkeiten und derzeit zum Beten genutzt wird. Im nächsten Jahr soll das Gebäude vollständig fertig sein. Dann wollen die Mitglieder in den Räumen Ramadan feiern.

Zur Begrüßung zitierte Imam Ibrahim Durak Koranverse. Anschließend informierte der zweite Vorsitzende Ilhami Yoldas über Aktivitäten der Gemeinde: Das Gebäude diene als soziokulturelles Zentrum. Seit Beginn der Arbeiten sei die Zahl der Mitglieder von 104 auf 170 gestiegen. Zusammen mit den Familienmitgliedern komme die Achimer Gemeinde auf etwa 500 Muslime, die das Zentrum intensiv nutzen.

Die Bauarbeiten schreiten voran: Vorsitzender Rakip Erdinc geht davon aus, dass spätestens bis Ende kommenden Jahres das Gemeindezentrum fertiggestellt wird. - Fotos: Schmidt

Fünf Mal am Tag bestehe die Möglichkeit zum Gebet. „Zum Freitagsgebet sind die Räume prall gefüllt“, erläutertet Yoldas, „und samstags zum gemeinsamen Fußballschauen.“ Es gebe auch ausreichend Platz für Hausaufgabenhilfe, Vorstandstreffen der Männer, der Frauen und der Jugendlichen. Mit 180 Quadratmetern werde die Moschee eine ausreichend große Gebetsfläche bieten.

Warum pflegt die Gemeinde strikte Geschlechtertrennung? Und werde die Moschee nicht dazu beitragen, dass sich Achimer Muslime stärker isolieren? Das wollten zwei Besucherinnen vom Vorstand wissen.

Die Gemeinde lebe nach dem Vorbild des Propheten Mohammed, und dieser habe Männer und Frauen getrennt beten lassen, ließ sich der Imam seine Worte übersetzen. „Wir glauben, dass dies so richtig ist“, ergänzte Ilhami Yoldas.

Die Trennung sei wirklich nur auf das Gemeindewesen begrenzt und hätte durchaus Vorteile: Männer und Frauen könnten sich besser auf ihr Gebet konzentrieren und auch getrennt voneinander ungestört über spezifische Probleme des Zusammenlebens reden. Die Gefahr, dass sich Achimer Muslime isolieren könnten, sieht Ilhami Yoldas nicht. Sie seien inzwischen im Alltag und Beruf gut integriert.

Im Anschluss an Vortrag und Fragerunde folgte ein weiterer reger Austausch bei türkischem Gebäck, Kaffee und Tee über Besonderheiten des religiösen Lebens: So erfuhren die Gäste, das die Gebetszeiten veränderbar seien und verkürzt oder gar zusammengefasst werden, wenn die Situation es gebiete.

Und jeder Muslime könne für sich entscheiden, wie strikt er sein Glaubensbekenntnis umsetze. - sch

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