Pablo Hünerberg-Sanchez arbeitet tragische Geschichte seiner jüdischen Familie auf

Besuch aus Madrid: Auf den Spuren der Ahnen aus Achim

Pablo Hünerberg-Sanchez aus Madrid identifizierte auf dem jüdischen Friedhof in Achim auch den Grabstein von Heinz Anspacher, dessen Leben nur zwölf Tage dauerte.

Achim - Unerwarteten Besuch aus Madrid erhielt Dominik Lerdon zu Beginn der Woche in der Achimer Liesel-Anspacher-Schule. Der 38-jährige Lehrerkollege Pablo Hünerberg-Sanchez schaute mit Freundin Sara Rodriguez beim Schulleiter vorbei. Der Anlass dafür hängt direkt mit dem Namen dieser Schule zusammen.

Pablos Urgroßmutter war nämlich Martha Anspacher – Liesels Tante. Martha war verheiratet mit Albert Hünerberg – dem Urgroßvater des jetzigen Besuchers aus Spanien. Die Familien Anspacher und Hünerberg sind somit eng miteinander verbunden. Bis vor etwa drei Jahren war Pablo darüber allerdings kaum Näheres bekannt. Die jüdische Familie aus Achim war von den Nazis deportiert und im Konzentrationslager Minsk fast vollständig ermordet worden. Curt Anspacher, der letzte Überlebende, fand seine neue Heimat in den USA, heiratete dort Eleanor Parker und nahm deren Nachnamen an.

Eleanor ist mittlerweile 94 Jahre alt, doch auch an Begegnungen mit Curt Parker in Spanien erinnert sich Pablo Hünerberg-Sanchez aus Kinderzeiten noch.

Briefe im Nachlass des Großvaters

Sein Großvater Hans Hünerberg – verheiratet mit Trinidad Lopez und in Spanien lebend – hatte in den Kriegs- und Verfolgungswirren den Kontakt zu den Anspachers verloren, erkundigte sich später nach deren Schicksal, behielt aber offenbar die schrecklichen Tatsachen für sich und wollte alles nach dem Krieg einfach vergessen. Seinem Sohn – Pablos Vater – erzählte er, die Anspachers seien bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen.

Erst im Nachlass des Großvaters fanden sich dann Hunderte von teils sehr aufschlussreichen Briefwechseln, darunter viele auf Deutsch und auch mit Bremer und Achimer Bezügen. Vielleicht habe der Großvater gewollt, dass man die Dokumente erst nach seinem Tode entdeckt, mutmaßt Pablo.

Besuch in Achim

Ihn motivierte dieser Fund jedenfalls enorm, die Familiengeschichte intensiv weiterzuverfolgen. Bei der Internetrecherche stieß er unter dem Stichwort „Achim“ schnell auf den Namen „Liesel-Anspacher-Schule“ und war sofort elektrisiert. Auch über die Achimer „Stolpersteine“, von denen einer Liesel Anspachers Gedenken gewidmet ist, erfuhr er etwas – und folgerichtig beschloss er, die Stadt, in der einige seiner Vorfahren gelebt hatten, selber zu besuchen.

Abstecher zu historischen oder familiengeschichtlich bedeutsamen Zielen in Bremen, Essen, Nienburg, Schötmar und Neustadt am Rübenberge – dem Geburtsort von Hans und Kurt Hünerberg – gehörten mit zum Programm. In Achim schaute er sich zusammen mit Freundin Sara den ehemaligen Standort der Synagoge mit dem heutigen Mahnmal an der Anspacher Straße ebenso an wie das Geburtshaus von Liesel Anspacher und ihrem Bruder Günther an der Eckstraße. Nicht zuletzt statteten die Gäste zusammen mit Dominik Lerdon dem jüdischen Friedhof einen etwa einstündigen Besuch ab.

Identifikation eines bisher nicht zuzuordnenden Grabstein

Dabei identifizierte Pablo auch einen bisher nicht zuzuordnenden Grabstein als den von Heinz Anspacher. Der 1925 verstorbene Zwillingsbruder von Curt war nur zwölf Tage alt geworden.

Herauszufinden, woher er selber kommt und seinen Vorfahren die gebührende Ehre zu erweisen, nennt der Gast aus Madrid als Hauptantriebe für die engagierte Erforschung der Familiengeschichte.

Er plant, die Erkenntnisse in digitalisierter Form zusammenzufassen und vielleicht auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

la

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