Bestseller-Autor Axel Petermann liest im Kasch aus eben erschienenem Buch „Der Profiler“

Weit entfernt von Fernseh-Tatorten

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Der frühere Bremer Profiler und Mordkommissions-Chef Axel Petermann im Blauen Saal des Kasch, wo er teils Ungeheuerliches mit ruhiger Stimme vortrug.

Achim - Als jemand, der Täterprofile erstellt, um Verbrechen aufzuklären, weiß Axel Petermann, dass es niemals nur Gut oder Böse gibt. Sein neues Buch „Der Profiler“ ist eine Berufsbeschreibung, die ein Bild von den vielen Zwischentönen krimineller Energie zeichnet.

Petermann, ehemals Leiter der Bremer Mordkommission, las am Mittwochabend auf Einladung der Buchhandlung Hoffmann im Blauen Saal des Kulturhauses Alter Schützenhof (Kasch).

Zu seiner Karriere als Kriminalist und Fallanalytiker wäre es beinahe gar nicht gekommen. Denn Petermann war in den siebziger Jahren nur zur Polizei gegangen, um den Wehrdienst nicht leisten zu müssen. Aus den geplanten 18 Monaten in der Behörde wurden vier Jahrzehnte.

Für den Verbleib bei der Polizei verantwortlich waren vor allem die überzeugenden Lehrmethoden eines Kriminalistik-Dozenten und der Mord an Carmen Kampa, einer Sechzehnjährigen, die 1971 in den Mai tanzen will und noch vor Mitternacht auf einem Bremer Bahnhof auf den Zug wartet. Sie kommt nie zu Hause an. Ihre Leiche wird Tage später gefunden. Axel Petermann ist als junger Bereitschaftspolizist an der Suche nach ihr beteiligt. Dieser Mord lässt ihn fortan nicht mehr ruhen.

Als er Jahre später zur Mordkommission kommt und dann deren Leiter wird, ist der Fall immer noch nicht aufgeklärt. Die Möglichkeit der DNA-Analyse stand den Kriminalisten erst ab 1986 zur Verfügung.

Petermann rollt den Fall wieder auf und sieht sich erst einmal einer riesigen Schlamperei der Justiz gegenüber. Wichtige Asservate waren vernichtet worden. Die Aufklärung des Mordes gelang dennoch. Einem Wachmann, der zwischenzeitlich verstorben war, konnte dank neuer Analyse-Methoden die Tat nachgewiesen werden.

Axel Petermann, der schon die Bücher „Auf der Spur des Bösen“ und „Im Angesicht des Bösen“ veröffentlicht hat - beide wurden kommerzielle Erfolge - spricht in seiner Achimer Lesung von Schicksalen, die im Staub von Akten verschwinden, von der Fähigkeit eines Fallanalytikers, Motive zu erkennen und Persönlichkeiten zu verstehen, vom Reiz, als erster am Tatort zu sein, von emotionaler Wiedergutmachung, von der Totenfürsorge einiger Täter oder von „schockgefrorenen Opferbildern“.

Und er nimmt seinen vielen Lesern und Zuhörern die Illusion, dass der sonntägliche Tatort-Krimi etwas mit der tatsächlichen Arbeit von Kriminalisten zu tun haben könnte: „Ein wirklicher Mord ist eine endgültige Angelegenheit“, sagte Axel Petermann, der Ungeheuerliches mit ruhiger Stimme vorträgt - der Profiler als Profi.

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