Verwaltung antwortet CDU: „Bedarfsgerechtes Licht“ und fluoreszierender Belag möglich

Beleuchteter Radschnellweg stört Tierwelt

Ein spezieller Belag, der nachts ohne Strom leuchtet: Auf einem 2,6 Kilometer langen Streckenabschnitt des Grünen Pfades im Landschaftspark Duisburg-Nord wurde diese Idee von Zwölftklässlern bei einem Schülerwettbewerb in die Tat umgesetzt. Foto: ps

Achim – In Zeiten von massivem Artensterben, Klimawandel und fortschreitender Umweltzerstörung müssen Entscheider auf allen Ebenen bei Planungen noch stärker als bisher die Folgen bedenken. Ein Beispiel dafür ist der vorgesehene Radschnellweg entlang der Bahnstrecke in Achim, der auf Bremer Gebiet und im Süden bis nach Verden fortgeführt werden soll. Einerseits dient das vom Bund und vom Land Niedersachsen zum großen Teil finanzierte Zehn-Millionen-Euro-Projekt dazu, Pendler und andere Gesundheits- und Umweltbewusste zum Umstieg vom Auto aufs Fahrrad zu bewegen und auf diese Weise Staus, Abgase und Lärm auf den Straßen zu verringern. Auf der anderen Seite lassen die Standards für solch einen Schnellweg – vier Meter breit, asphaltiert sowie Tag und Nacht beleuchtet – so manchen Naturschützer die Stirn runzeln. Auch im Achimer Stadtrat gibt es Bedenken. Die dem ganzen Vorhaben skeptisch gegenüberstehende CDU-Fraktion hinterfragt die Art der Beleuchtung.

In der kommenden Sitzung des Ratsausschusses für Wirtschaft, Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr, der am Dienstag, 10. März, von 17 Uhr an öffentlich im Ratssaal tagt, steht ein Antrag der Christdemokraten zum Radschnellweg auf der Tagesordnung. Die Fraktion will bei der Planung dafür laut ihrer Vorsitzenden Isabel Gottschewsky folgende Punkte berücksichtigt wissen: „1. Bau einer intelligenten Radwegbeleuchtung, die nur bei Bedarf leuchtet und regenerative Energien nutzt. 2. Aus Sicherheitsgründen sollten nach Möglichkeit fluoreszierende Beläge für den Radweg berücksichtigt werden. 3. Einbau von Induktionsschleifen, um die Anzahl der Radwegnutzer zu erfassen.“

Die Stadtverwaltung hat sich zwischenzeitlich mit dem Antrag befasst. Verkehrsplaner Stefan Schuster kniete sich in das Thema rein und gibt Antworten.

Der Bund als Hauptgeldgeber schreibe eine durchgehende Beleuchtung vor, um neben Sicherheitsaspekten durch qualitative Kriterien einen Umstieg auf das Fahrrad zu fördern, informiert der Experte zunächst mal. Bei der Realisierung von Radschnellwegen in Deutschland werde überwiegend bereits eine adaptive Beleuchtung installiert. Das bedeute, dass das Licht bedarfsgerecht dann „hochgefahren“ wird, wenn sich Radfahrer nähern, und im Anschluss wieder gedimmt wird. „Beachtet werden muss aber auch, dass nicht die Beleuchtungsstärke der wichtigste Faktor dafür ist, dass sich Radfahrende auf einer Strecke gut zurechtfinden und sicher fühlen, sondern dass eine gleichmäßige Beleuchtung, wegen der trägen Anpassungsfähigkeit des Auges an wechselnde Lichtstärken, der dabei entscheidende Faktor ist“, merkt Schuster an.

Neben den Sicherheits- und Qualitätsansprüchen seien jedoch auch Umweltfaktoren zu berücksichtigen. Die Auswirkungen künstlichen Lichts auf Insekten, Vögel und Ökosysteme sind laut Studien, die Schuster der Sitzungsvorlage beigefügt hat, zum Teil gravierend. Vor allem nachtaktive Arten leiden. Beleuchtung stört den Lebensrhythmus der Tiere, was die Nahrungsaufnahme und Fortpflanzung erheblich behindert. Die Folge sind schrumpfende Populationen.

„Demnach kann eine künstliche Beleuchtung grundsätzlich nicht umweltfreundlich sein“, stellt der Planer fest. Um den negativen Einfluss abzumildern, könnten die Lichtfarbe und Lichtstärke angepasst werden. „Es geht darum, einen Kompromiss zwischen den genannten Faktoren und der Wirtschaftlichkeit der Beleuchtung zu finden.“

Auf jeden Fall solle die jetzt schon größtenteils vorhandene, stromsparende LED-Beleuchtungstechnik eingesetzt werden. Der benötigte Strom komme aus regenerativen Energiequellen.

Aus Sicherheitsgründen sollten möglichst fluoreszierende Beläge für den Radweg berücksichtigt werden, lässt Schuster die CDU-Fraktion und den Ausschuss zu Punkt zwei wissen. In der Regel würden dabei Chemikalien in den Asphalt gemischt, die tagsüber das Sonnenlicht absorbieren und nachts leuchten. Bei der Planung müsse die Stadt prüfen, ob fluoreszierende Beläge zum Einsatz kommen können und klären, wie dadurch verursachte etwaige zusätzliche Kosten finanziert werden könnten.

Die Nutzer der Strecke über Induktionsschleifen zu erfassen, hält Stefan Schuster für eine „gute Möglichkeit, die Bedeutung der Radwegeverbindung als Alternative zum Pkw anhand von belastbaren Zahlen zu beurteilen“. Die Frage, ob Induktionsschleifen tatsächlich Sinn machten, werde bei der Planung „auch auf Basis der konkret zu ermittelnden Kosten und gegebenenfalls Folgekosten sowie dem Kosten-/Nutzenverhältnis dieser Investition zu entscheiden sein“.  mm

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Der Blauregen hat viel Kraft

Der Blauregen hat viel Kraft

Wandern, Waldbaden und Wellness in Bad Steben

Wandern, Waldbaden und Wellness in Bad Steben

Barock und Bio im Bliesgau

Barock und Bio im Bliesgau

Kampf gegen Corona: Italien verlängert Ausgangsverbote

Kampf gegen Corona: Italien verlängert Ausgangsverbote

Meistgelesene Artikel

Stimmzettel druckreif – 10.500 Briefe gehen für Bürgermeisterwahl in Ottersberg auf den Weg

Stimmzettel druckreif – 10.500 Briefe gehen für Bürgermeisterwahl in Ottersberg auf den Weg

Vorbereitung für den Ernstfall: Ist die Aller-Weser-Klinik in Achim gerüstet?

Vorbereitung für den Ernstfall: Ist die Aller-Weser-Klinik in Achim gerüstet?

Helden des Alltags: Als Bäcker täglich für Kunden im Einsatz

Helden des Alltags: Als Bäcker täglich für Kunden im Einsatz

AWK wieder komplett in der Hand des Landkreises

AWK wieder komplett in der Hand des Landkreises

Kommentare