Digitalpakt Schule: „Bei Kosten und Details genau hingucken“

Achimer Politik schnürt großes Aufgabenpaket für die Verwaltung

Schüler mit I-Pads im Englischunterricht.
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Vielfach noch mehr Wunsch als Wirklichkeit: Schüler einer fünften Klasse lernen hier mit I-Pads im Englischunterricht.

Achim – Online-Unterricht soll jetzt, in Zeiten der Corona-Kontaktbeschränkungen, ausfallende Stunden im Klassen- oder Fachraum ersetzen. Aber das Lernen auf Distanz funktioniert oft nur mangelhaft, wie immer wieder zu hören ist. Die Stadt Achim will nun den vom Bund und Land Niedersachsen angeschobenen „Digitalpakt“ für die neun Schulen in ihrer Trägerschaft forciert nutzen, um den Schülerinnen und Schülern sowie ihren Lehrkräften schon bald mehr als nur punktuell eine Alternative zum Präsenzunterricht zu verschaffen.

Bei einer Enthaltung von Elternvertreter Dr. Enno Lork billigte der Schulausschuss des Stadtrats in seiner jüngsten Sitzung das umfangreiche Konzept, das zu einem Großteil auf einem Antrag der Gruppe SPD/Mindermann fußt und in einen Prüfauftrag an die Verwaltung mündete.

„Wir sollten bei den Kosten genau hingucken“, mahnte Cornelia Schneider-Pungs. Die Sozialdemokratin, die früher im niedersächsischen Kultusministerium tätig war, hat sich in das Thema reingekniet und erhielt für ihre „fundierte, detaillierte Ausarbeitung“ des Antrags viel Lob im Ausschuss. Es sei mit Folgekosten, auch für Personal, alle paar Jahre zu rechnen, unterstrich sie.

Die aus dem Digitalpakt für Achim zur Verfügung stehenden Mittel in Höhe von 950 000 Euro reichten bei Weitem nicht aus, „um die bisher dürftige digitale Ausstattung der Achimer Schulen auf einen akzeptablen Stand zu bringen“, habe eine Sitzung der AG Schulen deutlich gemacht. Insofern beantragte Schneider-Pungs namens der Gruppe SPD/Mindermann, ein Bündel von flankierenden Maßnahmen.

Die Verwaltung solle zunächst mal sicherstellen, dass die vorgesehenen Umsetzungsschritte für die beiden Schulstufen, nämlich die sechs Grundschulen sowie die weiterführenden Schulen IGS, Liesel-Anspacher-Hauptschule und Realschule, jeweils einheitlich erfolgen. „Eine schrittweise Ausstattung einzelner Schulen derselben Schulform führt zu inakzeptabler Ungleichheit in den Schulangeboten, die sich unmittelbar auf die Chancengleichheit für Schülerinnen und Schüler sowie auf die Attraktivität der Schulstandorte für Lehrkräfte auswirkt“, erläutert Schneider-Pungs.

Die Schulen sollten mit den vorhandenen Mitteln zunächst technisch fit gemacht werden, wofür ein Fachmann von einer von der Stadt beauftragten Firma zuständig ist, „und zwar mit dem Fokus auf das Netzwerk und Wlan“, fordert die SPD-Ratsfrau. Aus dem Förderbudget Endgeräte zu finanzieren, mache ohne verlässliche Infrastruktur wenig Sinn. Auch die teure Investition in lokale Schulplattform-Server sei „nicht zielführend“.

Des Weiteren beauftragte der Ausschuss die Verwaltung, „dringend webbasierte Dienste als deutlich kostengünstigere Alternativen zu einer lokalen Serverinfrastruktur zu prüfen“. Die vorgestellte Lösung (I-Serv) sei zwar an den Schulen bisher im Einsatz, „sie ist jedoch als lokales Hosting äußerst anfällig für sicherheitsrelevante Ereignisse (Hackerangriffe)“, schreibt Schneider-Pungs. Außerdem ginge die alle drei bis fünf Jahre anstehende Erneuerung der Server ins Geld.

Darüber hinaus reiche es nicht aus, Tablets & Co. bloß mit Software zu befüllen. „Eine moderne Geräteverwaltung beinhaltet jedoch auch die Möglichkeit, schulbezogene und private Sicherheitsprofile auf Endgeräten anzulegen, was insbesondere im Hinblick auf die Tatsache, dass Geräte von Lehrkräften und Schülern auch zu Hause genutzt werden sollen, künftig eine große Rolle spielen wird“, erklärt Schneider-Pungs. I-Serv biete diese Möglichkeiten nur eingeschränkt oder gegen Aufpreis. Im Bereich der Geräteverwaltung gebe es plattformübergreifende, günstigere und flexiblere Lösungen als die bisher vorgestellten.

Für einen zukunftsorientierten digitalen Unterricht schlägt das Ratsmitglied Alternativen vor, die keinen Betrieb auf eigenen Servern erfordern und über „pädagogisch sinnvolle Funktionen“ verfügen, wie etwa Itslearning. „Ein solches lizenzbasiertes Modell zieht zwar monatliche Kosten pro Nutzer nach sich, ist aber deutlich zuverlässiger, sicherer und wartungsärmer und damit im Vergleich mittelfristig kostengünstiger.“ Deshalb soll die Verwaltung mindestens zwei entsprechende Angebote für ein Lernmanagementsystem sowie eine Geräteverwaltung einholen und einen Kostenvergleich, inklusive anfallende Personalkosten der Stadt, für die kommenden drei Jahre anstellen.

Und weil die Fördermittel aus dem Digitalpakt begrenzt seien, könne die Hardware nicht allein mit öffentlichen Geldern finanziert werden, sagte Schneider-Pungs. Daher wurde die Verwaltung beauftragt, „kostengünstige Angebote für elternfinanziertes Leasing einzuholen und diese den Schulen vorzustellen“. Nötig seien allerdings auch ein Sozialfonds oder vergleichbare Lösungen für bedürftige Familien. Enno Lork lehnte es ab, die Eltern an den Kosten zu beteiligen.

Welches Produkt eingesetzt werden soll, sollten die Schulen entscheiden, meinte Erster Stadtrat Bernd Kettenburg in der Sitzung. Das Geld aus dem Digitalpakt, für das die Stadt einen Antrag beim Land stellen muss, gelte es sinnvoll für den Einsatz moderner Technik zu nutzen. „Vor allem die im Ausbau befindliche IGS könnten wir damit ausstatten.“

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