Kritiker erwarten „Riesenverkehrsprobleme“

Rat begrüßt überwiegend die Ansiedlung von Amazon

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Das zukünftige Amazon-Areal aus der Luft beginnt oberhalb der Rapsfelder und endet an der am oberen Rand des Bildes verlaufenden A27.

Achim - „Das Verkehrsproblem besteht bereits heute“, hielt Bernd Kettenburg, Vize-Verwaltungschef und Geschäftsführer der Grundstückserschließungsgesellschaft EVG, allen Kritikern der Amazon-Ansiedlung in Achim entgegen. Die Stadt habe nun die Chance, mit Hilfe des Konzerns, des Landes Niedersachsen und des Landkreises Verden, die insgesamt vier Millionen Euro für weitere Zuwegungen zum geplanten Logistikzentrum im Gewerbegebiet Uesener Feld sowie für eine flüssiger befahrbare Ueser Kreuzung locker machten, die Situation zu verbessern. Kettenburg listete zu Beginn der Beratung des Stadtrats über das Vorhaben am Donnerstagabend im Ratssaal aber auch noch weitere Argumente auf, die aus seiner Sicht für den „Amazon-Deal“ sprechen.

Unter den avisierten 2000 Arbeitsplätzen seien auch „300 hochqualifizierte. Die würden bei kleinteiligem Gewerbe kaum entstehen“. Kettenburg sprach zudem die „zusätzlichen Steuereinnahmen von rund 500.000 Euro jährlich“ für die Stadt an. „Damit kommt Amazon hier sofort in die Top fünf der Gewerbesteuerzahler.“

Seine werbenden Worte fielen bei den Ratsmitgliedern weithin auf fruchtbaren Boden. SPD-Fraktionsvorsitzender Herfried Meyer dankte zunächst der Verwaltung für die „außerordentliche Vorarbeit“ bei dem Großprojekt. „Das passiert sonst in dieser Geschwindigkeit nicht.“

Die Aussicht auf die zahlreichen Arbeitsplätze sei für die SPD das Hauptargument, dem Konzept zuzustimmen. Wenn in Achim die „Werkbank der Region“ entstehe, eröffne das für viele hier die Chance, Beschäftigung zu finden, erklärte Meyer. Er mahnte allerdings an, das Areal gut an den Bahn- und Busverkehr anzubinden und auch einen Radweg von der Potsdamer Straße aus direkt zum Uesener Feld zu schaffen.

FDP: Mehrere kleine Unternehmen verursachen auch Verkehr

CDU-Fraktionschefin Isabel Gottschewsky blies ins gleiche Horn. Die Ansiedlung von Amazon, das zwischen 100 und 150 Millionen Euro in das Logistikwerk in Achim stecken will, biete viele Vorteile. „Wir haben jetzt doch eine Lösung für die Verkehrsprobleme“, schloss sich Peter Bartram (Grüne) den Befürwortern des Plans an. Und die Stadt müsse dafür noch nicht einmal etwas bezahlen.

Mehrere kleine Unternehmen anstelle des Versandhandelsriesen würden auch Verkehr verursachen, meinte Ingo Müller (FDP). Und der wäre „ohne die geregelten Schichtzeiten“ wie bei Amazon eher gravierender.

Aber auch die Gegner des Projekts meldeten sich zu Wort. Wolfgang Heckel (WGA) prophezeite eine tägliche „Rush-Hour von 14 bis 18 Uhr auf der Uesener Feldstraße mit hohen Lärmwerten“ und „Störungen der Nachtruhe“. Darüber hinaus stehe Amazon wegen der Arbeitsbedingungen und anderem mehr in der Kritik.

Kritik von „Abweichlern“ in der CDU-Fraktion

Annameta Rippich und Volker Wrede, beide „Abweichler“ in der CDU-Fraktion, erwarten ebenfalls „Riesenverkehrsprobleme von Badenermoor bis Uesen“. Wrede sprach von einer „Ansiedlung am falschen Ort“; besser wäre „Achim-West“.

Ute Barth-Hajen (Grüne) führte für ihre ablehnende Haltung auch das Leitbild der Stadt Achim ins Feld. Dieses sehe vor, Klein- und Mittelbetriebe anzusiedeln.

Bürgermeister Rainer Ditzfeld schüttelte den Kopf. „Wenn der Logistiker nicht Amazon hieße, würde es hier den Aufruhr doch gar nicht geben.“ - mm

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