Suchantke-Werk: Historische Postkarten umrahmen Wandererzählungen von August Freudenthal

Bebilderte Reise führt durch Achim um 1900

Vorlage (rechts) und neuer Bildband (links): Der pensionierte Lehrer und geschichtsinteressierte Badener Ulf Suchantke stellt der historischen Wanderlektüre Freudenthals zeitgenössische Bilddokumente an die Seite.
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Vorlage (rechts) und neuer Bildband (links): Der pensionierte Lehrer und geschichtsinteressierte Badener Ulf Suchantke stellt der historischen Wanderlektüre Freudenthals zeitgenössische Bilddokumente an die Seite.

Achim – In seinem neuen Bildband „August Freudenthals Wanderung“ flankiert Ulf Suchantke Wanderimpressionen des Heimatdichters August Freudenthal mit Motiven der eigenen Postkartensammlung. Text und Bilder führen den Betrachter auf 80 Seiten in die Achimer Lebenswirklichkeit um die Jahrhundertwende vor mehr als 100 Jahren, in eine Zeit voll landschaftlicher Schönheit und zum Teil packender zeitgeschichtlicher Ereignisse.

Die Idee zu seinem vierten Bildband kam dem Badener Buchautor während einer Reha-Maßnahme in Fallingbostel Anfang des Jahres. Suchantke erinnerte sich an ein altes Erzählwerk in seinem Bücherregal mit dem Titel „Heidefahrten“ von August Freudenthal aus dem Jahre 1892.

Der gebürtige Fallingbosteler machte sich zu Lebzeiten als Heimat- und Heidedichter einen Namen. Im ausgehenden 19. Jahrhundert lebte der Schriftsteller, Journalist und Zeitschriftenherausgeber auch einige Jahre in Achim. Während dieser Zeit unternahm er zahlreiche Wanderungen, deren Impressionen er in Prosa auf Papier brachte.

Ulf Suchantke, während seines Kuraufenthaltes mit reichlich Freizeit ausgestattet, nahm die Heidefahrten zum Ausgangspunkt für einen eigenen, bebilderten Spaziergang. Er folgte jener Tour durch Achim und suchte passende, zeitgenössische Bildmotive in seiner Postkartensammlung, aber auch bei befreundeten Sammlern. Entstanden ist auf diese Weise ein beachtliches Zeitdokument Achimer Geschichte, mit zum Teil spannenden Erzählpassagen.

Allerdings musste Suchantke bei der Zusammenstellung einen Kompromiss eingehen, denn in den 1890er-Jahren habe es Grußkarten nur als Lithografien oder colorierte Zeichnungen gegeben. „Die ersten klassischen Ansichtskarten mit Bildmotiven gab es erst ab 1897/98“, erklärt der passionierte Sammler. Deshalb habe er bei diesem Bildband hauptsächlich Motive aus den Jahren 1900 bis 1910 verwendet. „Ich bin davon ausgegangen, dass sich am Erscheinungsbild in dieser Zeit nicht viel verändert hat.“ Die Motive zeigen meist öffentliche Gebäude, manchmal auch Gasthöfe, Hotels oder wichtige Straßenzüge und Plätze. Den Originaltext von Freudenthal hat Suchantke durch Auslassungen oder durch Einfügen von Absätzen in eine leicht leserliche Form gebracht.

Die Wanderung beginnt in Uphusen in einer hügeligen Dünenlandschaft, die dort heute keiner mehr vermuten würde. Freudenthals Text erzählt dabei unter anderem vom Uphuser „Original“ Haverkamps Herrmann, dessen Wirtshausgäste von einem Pferd begrüßt worden seien, welches seine Hufe auf den Tisch stellte, während ein Hund den Hut des Gastes zur Garderobe brachte. Weiter führt der Weg vorbei an Bierden bis zum alten Marktplatz bei Gieschens Hotel. Suchantkes Motivwahl zeigt den damaligen Achimer Verkehrsmittelpunkt sowie den mächtigen Pavillon in Bahnhofsnähe. Dieser hatte einst als Vergnügungslokal gedient, aber beherbergte schon zu Freudenthals Zeiten Privatwohnungen.

Außer dem Straßennamen in der Nähe des Bahnhofs erinnert heute in Achim nichts mehr an die Existenz des Dichters. Die Route führt auch zur Badeanstalt an der Weser in der Nähe des „Hirtenhauses“ und stromauf nach Baden bis zur Alten Aller. Hier berichtet Freudenthal von einem Mordfall, der die letzte Hinrichtung zweier Männer in Verden im Jahre 1850 auf einem Gerichtsacker bei Weitzmühlen zur Folge gehabt habe.

Wer sich für dieses Achimer Geschichtsdokument interessiert, der erhält den Bildband mit etwa 85 Abbildungen für 19,80 Euro in den Buchhandlungen Hoffmann und Bücherwurm.

Von Ingo Schmidt

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