Dialysepatient Jochen Göhrs hofft auf einen Organspender und setzt auf Widerspruchslösung

Banges Warten auf eine gesunde Niere

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Drei Mal in der Woche zur Blutwäsche zu müssen, ist für Jochen Göhrs (rechts) belastend. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt zeigt seinen Organspendeausweis vor. „Jeder kann schnell in die Situation kommen, auf ein neues Herz, eine frische Leber oder Niere angewiesen zu sein“, sagt er.

Achim - Jochen Göhrs leidet unter chronischem Nierenversagen. Eine Erkrankung, die seinen Alltag bestimmt, denn er muss regelmäßig an medizinische Geräte angeschlossen werden. Der 57-Jährige hofft, möglichst bald ein neues Entgiftungsorgan gespendet zu bekommen, um ein besseres, freieres Leben führen zu können.

„Ich gehe wohl bereits seit 13 Jahren zur Dialyse“, sagt Göhrs. Seitdem er drei Mal pro Woche zur Blutwäsche muss, könne er auch seinen Beruf als Lehrer nicht mehr ausüben. Die Ursache seiner Nierenerkrankung sei nicht eindeutig geklärt, Ärzte vermuteten einen Infekt.

Jeden Montag, Mittwoch und Freitag gelange er meist mit einem Taxi zu einer Dialysestation in Bremen-Gröpelingen, „manchmal benutze ich auch öffentliche Verkehrsmittel“, erzählt Göhrs. Selbst Auto fahren könne er nicht mehr, da er infolge der Insuffizienz seiner beiden Nieren auch unter Polyneuropathie seiner unteren Gliedmaßen leide. „Ich kann meine Füße nicht mehr richtig bewegen.“

Und das ist noch nicht alles. „Ich habe mehrere Schlaganfälle erlitten, wodurch meine linke Körperhälfte und auch das Sprechen beeinträchtigt ist“, berichtet der gebeutelte Achimer.

Doch am anstrengendsten seien für ihn die ständigen Dialysetermine. „Hier, da werden zwei Stiche gemacht, um das schlechte Blut rauszuholen und frisches Blut reinzupumpen“, erläutert Jochen Göhrs und zeigt seinen von Einstichen übersäten, leicht blau angelaufenen Arm vor. Viereinhalb Stunden dauere diese Prozedur jedes Mal.

Nach dieser Behandlung, bei der er liege, sei er „immer schlapp und müde. Dialyse schlaucht“. Am besten fühle er sich sonntags, weil dann der letzte Eingriff schon zwei Tage zurückliege.

Unter diesen Umständen ist die Lebensqualität des Ex-Lehrers stark eingeschränkt. Spontan etwas unter der Woche zu unternehmen, mal eben wegzufahren oder gar Urlaub zu machen, sei für ihn schwierig. „Da muss dann immer eine Dialyse-Station vor Ort organisiert werden.“

In Wien, wo seine Tochter Mareike lebt, sei das zum Glück kein Problem. Überhaupt sieht Jochen Göhrs das österreichische Gesundheitssystem in diesem Punkt als vorbildlich an. „In Deutschland müssen Schwerkranke durchschnittlich zehn bis zwölf Jahre auf ein Spenderorgan warten. In Österreich sind es nur vier Jahre.“ Denn dort gebe es viel mehr Organspender als hierzulande, dank der Widerspruchslösung in der Alpenrepublik.

Eine Regelung, die aktuell im Deutschen Bundestag zur Debatte steht. Mit ihrem parteiübergreifenden Vorschlag wollen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Abgeordnete der Unionsfraktion, von SPD und Linke die sogenannte doppelte Widerspruchslösung als Gesetz verankern. Jeder Bürger stände damit automatisch als potenzieller Organspender zur Verfügung. Es sei denn, jemand widerspricht ausdrücklich einer Organentnahme.

Der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt unterstützt diese Initiative. „Bisher haben nur 35 Prozent der deutschen Bevölkerung einen Organspendeausweis. Die freiwillige Lösung funktioniert nicht“, sagt er.

Mattfeldt unterfüttert seine Haltung in dieser Frage mit Zahlen. Rund 80 Patienten hätten 2017 im Großraum Bremen auf ein neues Herz, eine frische Leber oder Niere gewartet, aber es habe in dem Jahr lediglich zwei Organentnahmen in der Region gegeben. Bundesweit hofften derzeit 10 000 Menschen auf eine Transplantation.

Jochen Göhrs, der sich freut, „dass sich Andreas darum kümmert“, ist einer von ihnen. „Ich warte auf den Anruf aus der Klinik, dass die Ärzte einen Spender mit der passenden Blutgruppe B oder 0 haben.“

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