Von der Band-Bühne zum Forum für Freunde elektronischer Musik: Dröönläänd

„Im Dröön entstehen Freundschaften“

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Luca Tietje und Lee Moffat gehören fast zum Inventar des Dröönläänd wie dieses Sofa.

Achim - Von Lisa Duncan. Früher war es ein Platz, an dem junge Bands die ersten musikalischen Schritte wagten. Heute dominiert auf der Bühne des Dröönläänd das DJ-Mischpult. Der vom Verein Musikerinitiative Achim und Umgebung (Miau) verwaltete Club bietet aber immer noch einen wichtigen Anziehungspunkt für Musikinteressierte.

Das Miau-Team, das aus Menschen von 17 bis 36 Jahren besteht, organisiert regelmäßig Parties im Club in der Achimer Innenstadt. Mit dem Schwerpunkt elektronische Musik ziehen sie vor allem ein junges Publikum an – nicht nur aus Achim und Umgebung. Gegründet wurde die Miau am 6. Mai 1981, zunächst ohne das Dröönläänd. In Achim hatten sich zahlreiche Bands formiert, die vor einem großen Problem standen: Es fehlte der Proberaum. Innerhalb der nächsten Jahre stellte die Stadt Achim den Musikern der Miau das ehemalige Gebäude eines Bauunternehmens an der Langenstraße 1a zur Verfügung. In Eigenregie haben die damaligen Mitglieder das Dröönläänd so hergerichtet, dass dort Proben und Veranstaltungen möglich sind. Heute, zahlreiche Renovierungen später, fasst der Verein rund 50 Mitglieder, von denen etwa 20 das Dröönläänd aktiv nutzen.

Seit fast vier Jahren engagiert sich der 20-jährige Luca Tietje im Miau-Vorstand („Hab schon nach kurzer Zeit gedacht, hier gehörste hin“). Das seien rund 15 Stunden pro Woche, daneben leistet er ein Freiwilliges Soziales Jahr im Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch). Abgesehen vom Dröön und Kasch habe Achim kulturell wenig zu bieten, findet er. „Gerade das Angebot für Jugendliche ist sehr überschaubar.“

Ansonsten besteht der Vorstand aktuell aus Joscha Hüneke (1. Vorsitzender), Tammo Malscheski (2. Vorsitzender), André Witzke (1. Kassenwart) und Malina Decker (2. Kassenwartin). „Wir versuchen, die Aufgaben so zu verteilen, dass jeder das machen kann, was ihm liegt“, erklärt Luca Tietje. Wer Technik affin ist, kümmert sich um Licht und Sound, andere übernehmen Thekenschichten oder kassieren die Eintrittsgelder. Auch Aufräumen gehört dazu. Nach der letzten großen Veranstaltung haben sich Lee Moffat (19) und Lena Richter (18) dazu bereit erklärt. Solche Dinge besprechen die Vereinsmitglieder bei einem wöchentlichen Meeting am Donnerstag, zu dem auch neue Mitstreiter willkommen sind.

Für die Kommunikation dienen zusätzlich die Homepage und die Facebook-Seite. Dort können Partybesucher den Club auch bewerten – was überwiegend, jedoch nicht immer, positiv ausfällt. Einträge wie „das ist so richtig der Drogenschuppen hoch 5“ nehmen die Mitglieder gelassen: „Würden wir darauf eingehen, würde das erst recht den Eindruck erwecken, wir wollten irgendwas vertuschen“, sagt die 18-jährige Lena Richter.

Vorwürfe, dass es bei Partys im Dröönläänd oft zu Prügeleien käme – so begründete die Stadt Achim ihre Ausladung der Dröön-Crew beim diesjährigen Stadtfest – weisen die Mitglieder zurück. „Das sind meist Leute von außerhalb. Um das zu vermeiden, begrenzen wir den Einlass ab einer bestimmten Anzahl von Partygästen.“

Publikum rettete Club mit Spenden

 Dafür sorgten Türsteher vorne und im Raucherbereich.

Um die Lärmbelästigung für Anwohner zu reduzieren, hat die Stadt Achim das Miau-Team mit 74000 Euro aus dem EU-Fördertopf EFRE unterstützt, berichtet Stadtplanerin Angelika Steinbach. Im Herbst 2014 liefen die Umbaumaßnahmen. Gedämmt wurde die Decke zwischen Erd- und Obergeschoss. Zudem wurde durch eine zusätzliche Tür ein Lärmschutzkorridor geschaffen. Das Dröönläänd selbst weist auf seiner Facebook-Seite darauf hin, aus Rücksicht auf die Nachbarn vor der Tür leise zu sein.

Wie sehr das Publikum hinter dem Dröönläänd steht, zeigte sich, als es vor zwei Jahren wegen einer Gema-Rückzahlung in Höhe von 11000 Euro von der Schließung bedroht war. „Das war eine ziemlich stressige Zeit, aber durch Spenden und Soli-Parties, auch in Bremen, haben wir das Geld zusammenbekommen“, erzählt Lee Moffat.

Luca Tietje betont: „Wir wollen uns mit den Eintrittsgeldern nicht bereichern, sondern nur die Kosten für die Partys decken.“ Rund 16 Partys veranstaltetet das Team im Jahr – hin und wieder auch mit Größen der elektronischen Musik wie dem österreichischen Duo Klangkarussel oder DJ Guv aus Großbritannien. Das Spektrum reicht von Drum n‘ Bass über Deep House und Hip-Hop bis hin zu 90er-Jahre-Pop. Hinzu kommen Workshops, wo sich Jugendliche im Rahmen des Ferienspaßes als DJ oder Licht- und Tontechniker erproben können.

Was würden Achimer Jugendliche ohne das Dröönläänd machen? „Nach Bremen fahren“, meint Tietje, grinst und fügt dann etwas ernster hinzu, dass der Club für junge Leute „sehr, sehr wichtig“ sei. Um den Fortbestand des Vereins zu sichern, dient der jährliche Tag der offenen Tür und gemeinsame Aktionen wie Schnitzeljagd oder Grillen. „Wir hatten dieses Jahr eine gute ‘Ernte‘ was junge Leute angeht“, stellt er zufrieden fest. Aber auch „Urgesteine“ wie der 36-jährige Carl Grigo bilden eine Konstante im Miau-Team. „Im Dröön entstehen Freundschaften“, so Tietje. Und nicht nur das: Es gab dort auch schon ein professionelles Hochzeitsfoto-Shooting. Das Paar hatte sich in dem Club kennen gelernt.

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