Nabu-Sprecherin Sabrina Kernhoff prangert angesägte Baumrinden am Weserhang an

„Bäume haben keine Lobby“

Einige der unteren Äste der großen Eiche sind bereits nicht mehr belaubt. Das spricht für die Theorie, dass der Baum schon länger geschädigt ist.
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Einige der unteren Äste der großen Eiche sind bereits nicht mehr belaubt. Das spricht für die Theorie, dass der Baum schon länger geschädigt ist.
  • Sandra Bischoff
    vonSandra Bischoff
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Achim – Sabrina Kernhoff ist noch immer fassungslos, wenn sie erzählt, worauf sie und ihre Mitstreiter vom Naturschutzbund (Nabu) Achim vergangene Woche beim Harken des Weserhangs in Baden gestoßen sind. „Wir haben bei mindestens zwei Bäumen oben an der Straße am Hang Baumfrevel entdeckt“, berichtet sie. An einem Stamm habe jemand einen Klumpen Salz abgelegt, an einem anderen war Asche entsorgt worden. Die Nabu-Sprecherin geht von Grillkohle aus. Einen weiteren Baum hat es Kernhoff zufolge besonders hart getroffen: Jemand hat ihn geringelt, wie es in der Fachsprache heißt, also bodennah rundherum eingeschnitten. „Das ist wirklich extrem. Wer das getan hat, hat ganze Arbeit geleistet“, sagt die Nabu-Sprecherin. Sie geht davon aus, dass ein Teil der Bäume den Anwohnern wahrscheinlich den Blick auf die Weser versperrt. „Das sollte trotzdem kein Grund sein, diese zu zerstören. Aber Bäume haben eben keine Lobby.“

Das Salz haben Kernhoff und ihre Kollegen geborgen und mit nach Hause genommen. „Zum Glück, denn am nächsten Tag hat es geregnet.“ Durch den Niederschlag hätte sich das für Pflanzen aggressive Mineral noch besser rund um den Baum verteilen können.

Die größte Sorge bereitet ihr allerdings die geringelte Eiche, denn die Versorgungsleitungen eines Baums liegen direkt unter der Rinde. Ab einem etwa einen Zentimeter tiefen Einschnitt könne man den Baum zum Absterben bringen. Der eingesägte Kreis besagter Eiche weist Tiefen von zwei bis etwa vier Zentimetern auf. Die Naturschützerin glaubt aber nicht, dass der Schaden frisch ist. „Dann würde es anders aussehen, und man würde Sägespäne finden.“

Sie glaubt, dass der Baum bereits vor ein oder zwei Jahren eingesägt wurde. Dass ein Teil der Krone bereits abgestorben ist, spreche für ihre Theorie. Die Nabu-Mitglieder wären bei der Harkaktion in der vergangenen Woche nur durch genaues Hinsehen auf die Einschnitte gestoßen. „Von der Straße aus sieht man es nicht. Zumal ja bis vor wenigen Tagen das Gras hochstand.“ Rund zwei Drittel der am Hang stehenden Bäume weisen laut Kernhoff Sägespuren auf. Allerdings seien diese nicht so tief und mittlerweile vernarbt.

Kernhoff will die Polizei einschalten. Die Idee war ihr sofort bei der Entdeckung des Einschnitts gekommen, damit die Verursacher „einen Schrecken bekommen und wissen, dass ihr Tun bemerkt wird“. Aber dann habe sie den Gedanken wieder verworfen. „Ich habe mich gefragt, was es bringt, denn nachweisen kann man es ihnen wahrscheinlich nicht.“ Aber nach erneuter Begutachtung der Eiche steht ihr Entschluss fest, Anzeige zu erstatten. „Die Leute sollen merken, dass man nicht ungesehen alles machen kann.“ Die Stadt ist ebenfalls bereits informiert.

Dass Bürger die Asche ihres Grills in der Natur entsorgen, ist für die Achimerin ebenso unbegreiflich. „Wir haben alle Mülleimer. Warum wird es darüber nicht entsorgt? Abfall gehört grundsätzlich nicht in die Landschaft.“

Von Sandra Bischoff

Wie eingesägt sieht der saubere Schnitt aus, den Sabrina Kernhoff und ihre Nabu-Kollegen entdeckt haben.
Der Einschnitt in die Baumrinde ist tief.

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