Autor zu Gast in Liesel-Anspacher-Schule

Kino-Monster und wirkliche Räuber

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Autor Jörg Isermeyer bei der „Autogrammstunde“, die er nach seiner Lesung in der Liesel-Anspacher-Schule abhielt.

Achim - „Boooh!“ – als die raue Stimme von Jörg Isermeyer jäh durch den Raum dröhnt, sind die Zuhörer kurz erschrocken, heben dann aber unisono zu kreischendem Gelächter an. Was der Autor imitiert hat, ist der Schrei von Star-Wars-Monster „Jabba the Hutt“. Den hat sich seine Romanfigur Lukas als Klingelton auf sein Handy geladen. Den Bösewichten jagt er auch in dem der Weltraumsaga entlehnten Computerspiel hinterher. Jule hingegen ist schlagfertig und sucht das Abenteuer im wahren Leben. Wie aus dieser ungleichen Konstellation eine Freundschaft entsteht, schildert Jörg Isermeyer in seinem Jugendroman „Alles andere als normal“. Gestern las und erzählte er daraus in der Liesel-Anspacher-Schule Achim.

Die Geschichte, die seine beiden Protagonisten erleben, ist übrigens nicht minder spannend als das Leben des Autors selbst: Jörg Isermeyer, 1968 in Bad Segeberg geboren, zog vor seinem Studium der Psychologie, Soziologie und Pädagogik als Straßenmusiker durch Europa. Heute lebt er als freischaffender Künstler in Bremen und arbeitet als Autor, Theaterpädagoge, Regisseur, Schauspieler, Musiker und Komponist. Für sein Kindertheaterstück „Ohne Moos nix los“ erhielt er den Berliner Kindertheaterpreis 2009. Der Roman „Alles andere als normal“ basiert auf dem Stück.

„Ich lese gerne“, erzählt der Autor und ergänzt: „Schließlich komme ich vom Theater.“ Wie viel von ihm selbst in den Romanfiguren steckt? „Es ist nicht autobiographisch. Aber als Kind war ich eher der Lukas-Typ, später hab ich mich der Jule angenähert.“

Eingeladen zu der Lesung waren Schüler des 5. und 6. Jahrgangs und die Sprachlernklasse. „Viele unserer Schüler haben noch nie eine Autorenlesung erlebt. So haben sie wenigstens einmal die Gelegenheit dazu“, sagt Organisatorin und Bücherleileiterin Steffi Lindenberg. Das Buch eigne sich mit seinem teils umgangssprachlichen Stil besonders dafür. Seit Sommer 2015 ist die Liesel-Anspacher-Schule Mitglied im Friedrich-Bödecker-Kreis, der Literatur an Schulen fördert. Die restlichen Kosten übernahm der Schulverein.

„Ich fand es lustig, als er alle erschreckt hat“, sagt Janina (zehn Jahre). „Mir hat am besten gefallen, wie er erzählt hat“, meint die elfjährige Ayten nach der Fragestunde, die die Schüler nutzten, um den Schriftsteller über seine Biographie auszufragen. „Hast du dich manchmal gelangweilt?“, meldet sich ein Schüler. Das nicht, sagt der 47-jährige, jedoch habe er manchmal eher zu viel Abenteuer erlebt. Am Strand sei er einmal ausgeraubt worden und die Räuber hätten ihm nicht nur die Gitarre, sondern auch sein Geld stehlen wollen. Da habe er zu einer Notlüge gegriffen: „Warum werde ich denn immer ausgeraubt? Gestern haben sie mir schon mein ganzes Geld weggenommen. Dann lass mir doch jetzt wenigstens meine Gitarre, damit ich wieder welches verdienen kann.“ Und, siehe da: Die Diebe gaben ihm das Instrument zurück.

ldu

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