Autofahrer geraten heftig aneinander / Verfahren wegen Nötigung eingestellt

Verkehrs-Wildwest mit Ende auf Emtinghauser Kreuzung

Achim - Wildwest im Straßenverkehr – so könnte man das beschreiben, was sich am späten Abend des 18. August 2014 auf der Landstraße zwischen Thedinghausen und Emtinghausen abgespielt haben muss. Auf der großen Kreuzung des kleines Dorfes erreichte das „Duell“ von zwei Autofahrern schließlich seinen dramatischen Höhepunkt. Vor dem Amtsgericht Achim lieferten der wegen Nötigung Angeklagte und das vermeintliche Opfer jetzt allerdings sehr unterschiedliche Versionen des damaligen, noch glimpflich endenden Geschehens ab.

Zunächst schilderte der 27-jährige Beschuldigte aus Twistringen, der ohne Verteidiger zu der Verhandlung erschienen war, was an jenem Sommerabend im Dunkeln passiert sein soll. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin und zwei Cousins, die mit im Mercedes der A-Klasse saßen, habe er sich auf der Rückfahrt von einem Besuch seiner Eltern in Achim befunden. Zwischen Thedinghausen und Emtinghausen sei er von einem nachfolgenden Golf-Fahrer mit der Lichthupe bedrängt worden. Dieser habe ihn dann überholt, aber wegen eines entgegenkommenden Wagens sei der VW „scharf“ vor ihm nach rechts eingeschert, „wodurch ich mit dem Auto auf den Grünstreifen geraten bin, aber nach kurzem Stopp doch weiterfuhr“.

An der Kreuzung in Emtinghausen eskalierte dann offenbar die Situation zwischen den Beteiligten. Der Kontrahent und er hätten dort angehalten. „Ich stieg aus, ging zu ihm hin – da drehte er die Scheibe runter und beschimpfte mich als Zigeuner“, sagte der Angeklagte und weiter: „Plötzlich rollte der Golf zurück und überfuhr eine Verkehrsinsel.“ Er habe sich in diesem Moment an der Fahrertür festhalten, sei über die Insel gestolpert und in eine Hecke gestürzt, wo auch das Auto gelandet sei.

Aber auch das war noch nicht der Schlusspunkt. „Der Fahrer stieg dann aus und beschuldigte mich, ich wolle ihn ausrauben.“ Mit diesem Tenor habe der andere Mann darauf auch die Polizei verständigt.

Erheblich anders stellte der 51-Jährige aus Emtinghausen den Ablauf ihres damaligen Zusammentreffens dar. Der Beschuldigte habe ihn auf der Landstraße mehrfach überholt und beim Wiedereinscheren „geschnitten“, sogar auch noch in der Tempo-50-Zone an der Emhuser Mühle, sagte der Zeuge.

„An der Kreuzung hat er sich dann im Einmündungsbereich zur Bremer Straße mit dem Wagen quer gestellt, so dass ich links von der Insel auf die Gegenfahrbahn gesteuert und gehalten habe.“ Drei Leute aus dem fremden Auto seien dann auf ihn zugekommen, „einer riss die Fahrertür auf und griff in mein Lenkrad“. Er habe daraufhin versucht, rückwärts zu fahren, „da hing plötzlich ein Mann an meiner Tür“, auch habe jemand auf ihn eingeschlagen; „aber ich wurde nicht verletzt“. Auf Nachfrage von Richter Matthias Hahn bekräftigte der 51-Jährige: „Es war wie ein Überfall.“

Ein Autofahrer aus Schwarme, der zum Zeitpunkt des „Showdowns“ aus Richtung Bremen kommend die Kreuzung passierte und anhielt, bestätigte die genannte Position der beiden Fahrzeuge. Die angeführte Auseinandersetzung habe er nicht beobachtet, aber der Golf-Fahrer sei ihm entgegen gegangen und habe gesagt: „Ich wurde gerade überfallen.“ Der 24-jährige Zeuge merkte noch an: „Der war irgendwie durch den Wind.“

Die Lebensgefährtin des Beschuldigten bekräftigte dessen Darstellung, wonach die Rollen von Täter und Opfer eher vertauscht sein sollen. „Mein Freund hat den anderen Autofahrer an der Kreuzung gefragt, wie es ihm geht. Aber plötzlich hörte ich meinen Freund schreien, er hing an der Tür und wurde mitgeschleift“, behauptete die 25-jährige Zeugin vor Gericht.

Das fühlte sich angesichts dieser Aussagen zu keinem Urteil fähig. Sowohl Richter Hahn als auch Staatsanwältin Marlene Wieland und der Angeklagte stimmten einer Einstellung des Verfahrens zu.

mm

Rubriklistenbild: © dpa

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