Austausch zwischen Stadtwaldschule und Ramulu Pamatskola geht ins dritte Jahr

Lektion aus Lettland in Sachen Improvisation

+
Mit mehrstimmigem Gesang brachten Schülerinnen aus Cesis Bürgermeister Rainer Ditzfeld ein Ständchen.

Achim - Glockenhelle Stimmen erfüllten gestern den Achimer Rathaussaal. Und für ihren Vortrag eines lettischen Volksliedes benötigten die Schüler aus Cesis kein Mikrofon. Die Anleitung der Lehrerin, die Anfangston und Takt vorgab, genügte und die Jugendlichen von der Ramulu Pamatskola legten los. Im mehrstimmigen Satz schraubte sich ihr Gesang von Strophe zu Strophe höher. Mit dieser beeindruckenden Chor-Improvisation waren die Letten spontan einer Bitte von Bürgermeister Rainer Ditzfeld nachgekommen.

Das Rathaus stellt nur eine der Stationen ihres von Montag bis Freitag andauernden Besuchs dar: Zuvor hatte am gestrigen Dienstag für die Schüler, die in Achimer Gastfamilien untergebracht sind, eine Stadtführung entlang historischer Gebäude wie der Achimer Windmühle und der St. Laurentiuskirche auf dem Programm gestanden. Morgen Abend um 19 Uhr werden die Schüler aus Lettland auf der Bühne des Blauen Saals im Kulturhaus Alter Schützenhof Gesang und Tanz aufführen – und damit eine weitere Kostprobe ihres künstlerischen Könnens geben. Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt frei.

„Wo die Stadtwaldschule mehr naturwissenschaftlich orientiert ist, legt die lettische Schule ihren Schwerpunkt auf die musischen Fächer“, erklärt Anne Klute, Vorsitzende des Trägervereins der Stadtwaldschule. Vor drei Jahren begann die Privatschule ihre Schulpartnerschaft mit der Ramulu Pamatskola. Zu Besuchen kam es jeweils abwechselnd einmal pro Jahr. „Da sind wir sehr froh, dass die Stadt Achim die Anreise unserer lettischen Gäste finanziell unterstützt hat“, so Klute. Denn ansonsten hätten sich die Schüler den Besuch nicht leisten können.

Das Ausmaß der Armut stellten auch die Achimer Jugendlichen bei ihrem Aufenthalt fest: „Die Straßen sind da teilweise gar nicht asphaltiert, das kennt man aus Deutschland nicht“, schildert die 17-jährige Hanna Klute ihre Eindrücke. Gut gefallen habe ihr indes bei ihrem Besuch im Dezember 2014 ein Ski-Ausflug in den nahe gelegenen Bergen. Der sei aufgrund eines Stromausfalls beinahe ins Abenteuer umgeschlagen. Denn die fehlende Elektrizität ließ es in der Berghütte nicht nur dunkel werden. Auch die Wasserversorgung, die per Elektrik-Pumpe betrieben wurde, war unterbrochen. Da half kein Murren: Die Schüler zogen los, um Wasser aus einem nahe gelegenen See zu holen. Noch eine Lektion aus Lettland in Sachen Improvisation.

Die lettische Schülerin Aleksandra Brauna beeindruckten in Deutschland vor allem die Sauberkeit und „wirklich schönen Häuser“. Darüber hinaus stellte die 15-jährige fest, dass es viel mehr Windmühlen in Achim und Umgebung gibt als in ihrer Heimat.

Viele Parallelen weisen die beiden Schulen dennoch auf. Die Stadtwaldschule hat mit 77 Schülern ungefähr die gleiche Größe wie die Ramulu Pamatskola (87 Schüler). „Es ist sehr familiär“, erzählt Anne Klute. Verkehrssprache ist – hier wie dort – englisch. „So begegnen sich die Schüler in einer Sprache, in der alle unsicher sind.“ Eigentlich kein Problem für die Stadtwaldschüler, für die Englisch ab der ersten Klasse Bestandteil des Unterrichts ist.

Mit Klute als Dolmetscherin behalf sich sicherheitshalber Achims Bürgermeister Rainer Ditzfeld als er die Schüler im Ratssaal willkommen hieß. Er erinnerte daran, dass vor einer Woche bereits eine fünfköpfige Delegation aus Cesis zu Gast gewesen war. Nachdem er einige Fakten über Achim mitgeteilt hatte, stellte er den Gästen Fragen und gab ihnen ebenfalls Gelegenheit dazu.

Dabei stellte sich heraus, dass das Smartphone auch in Lettland ständiger Begleiter der Jugendlichen ist. „Das ist ein großes Problem, wir unterhalten uns kaum noch“, erklärte eine Schülerin, die schließlich von Ditzfeld wissen wollte, wie er die Flüchtlingskrise sehe. Er sei stolz, dass die bisher 270 Neubewohner in Achim „unwahrscheinlich toll aufgenommen“ worden seien. Da die private Unterbringung bald ausgeschöpft sei und weitere 350 Flüchtlinge bis Januar 2016 erwartet würden, komme die Stadt nicht umhin, mobile Container aufzustellen.

Ditzfeld versprach, die Partnerstadt zum Nationalfeiertag im November sowie im Sommer zum Stadtfest zu besuchen. Zur Festigung der Städtepartnerschaft habe er mit dem Bürgermeister von Cesis zudem einen Austausch von Praktikanten aus den beiden Stadtverwaltungen angedacht.

ldu

Mehr zum Thema:

Niederlande verlieren erneut - Schweden dreht Spiel: 3:2

Niederlande verlieren erneut - Schweden dreht Spiel: 3:2

Kunstdiebstahl im Bode-Museum: Keine Spur von 100-Kilo-Münze

Kunstdiebstahl im Bode-Museum: Keine Spur von 100-Kilo-Münze

Christine Kaufmann (†): Bilder aus ihrem Leben

Christine Kaufmann (†): Bilder aus ihrem Leben

Küken liefern „PiepSchau“ in der Grundschule Asendorf

Küken liefern „PiepSchau“ in der Grundschule Asendorf

Meistgelesene Artikel

Naturschutz und persönliche Erinnerung verknüpft

Naturschutz und persönliche Erinnerung verknüpft

Olaf Lies über Störtebeker: „Robin Hood der Seefahrer“

Olaf Lies über Störtebeker: „Robin Hood der Seefahrer“

„Achim ist jetzt Teil der Coca-Cola-Familie“

„Achim ist jetzt Teil der Coca-Cola-Familie“

Mit 2,24 Promille in einen Vorgarten

Mit 2,24 Promille in einen Vorgarten

Kommentare