Die Ausstellung „Meer und Mehr“ in der Volksbank bietet bis Februar allerlei Sehvergnügen

Peemöllers aus dem Lot geratene Gestalten

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Peetsche Peemöller präsentiert interessante Bilder.

Achim - Von Bernd Hägermann. Einige Blaue Jungs von Peetsche Peemöller sehen aus, als hätten sie gerade ihre Heuer verjubelt und suchten nun den Weg zurück an Bord. Leicht windschief und mit wedelnden Armen und staksenden Beinen, die zu lang geraten scheinen und ungelenk, weil Planken schwanken und im Hafen und an der Küste immer eine Brise weht und der Seemann kaum länger als zwei Minuten an jeder Ecke steht. In ihren Gesichtern ist vieles zu erkennen, aber kein Fernweh. Dafür Sehnsucht nach Nähe. Es krächzen die Bordsteinschwalben, und es pfeift der Matrose. Leinen los! Ahoi!

Oder ist es doch ganz anders? Denn an ihren Händen tragen die Blauen Jungs gelben Fisch mit Henkel und Signalflaggen. Ihre Gestalten allerdings bleiben aus dem Lot. Dafür stimmt der Goldene Schnitt. Beides ist gewollt und kennzeichnet wesentliche Merkmale der Bilder von Peetsche Peemöller, die in der Bremischen Volksbank Achim zu sehen sind. Musikalisch gerahmt wurde die Vernissage vom bewährten Quartett „Coopers Groove“.

Peemöllers Seeleute haben keine Traummaße. Ihre Oberkörper wirken zerbrechlich gegen die langen kräftigen Beine. Bei den Frauen sind die Beine ebenfalls lang, dazu üppiger. Nicht ganz so ausladend wie die der Nanas von Niki St. Phalle, aber immerhin.

Die Bilder von Peetsche Peemöller, dessen tatsächlicher Vorname Hans-Herbert ist, aber seit Kindheitstagen kaum mehr in Gebrauch, tragen Titel wie Flucht, Ballspiele, Ship upside down, Rowing the girls, Rudergesellschaft, Wilder Mann, Schwarm oder Bootsbesatzung. Bei „Schiffspost“ trägt ein Dalmatiner einen Brief im Maul. Schneller als die Jungs mit Kappe und Schleifenbändern rennt er nicht.

Zur Ausstellung sprach Hans-Joachim Heist. Er ist ein Freund von Peemöller und Psychoanalytiker. In seinen Ausführungen fiel häufiger der Name Freud. Ebenso der Begriff Sexualität und der Name Egon Schiele. Ein Förderer Peemöllers, Erhard Göttlicher, glaubte beim gebürtigen Rotenburger, der heute in Hamburg lebt, eine künstlerische Nähe zum österreichischen Genie zu erkennen. Hans-Joachim Heist verglich den künstlerischen Prozess mit dem kindlichen Spiel, aus dem früher oder später Ernst wird, sagte, dass Kunstwerke die Spiegel der Seele seien, Enterhaken als phallische Symbole gedeutet werden könnten und das Betrachten der Bilder beim Betrachter etwas zum Vorschein bringe.

Was Heist nicht sagte, hatte einmal ein Künstler deutlich formuliert: „Wenn mich Kunst nicht wie ein Schlag in die Magengrube trifft, ist sie nicht gut.“

Bilder von Peetsche Peemöller, nicht alle, sind gleichermaßen Sehvergnügen und gut. Nicht nur die „Ohne Titel“ mit erotischer Aufladung. Die Ausstellung „Meer und mehr“ ist in der Bremischen Volksbank Achim noch bis Februar zu sehen.

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