Die Ausstellung „Flucht – gestern und heute“ ist im Achimer Rathaus zu sehen

„Die Achimer sind tolle Menschen, die uns helfen“

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Organisator Dr. Stephan Leenen im Gespräch mit Thomas Baeslack von der Kreissparkasse und Bürgermeister Rainer Ditzfeld (vorn, von rechts). Flüchtlinge hören aufmerksam zu.

Achim - Wer das Achimer Rathaus betritt, wird „willkommen“ geheißen. In vielen Sprachen springt einem das Wort entgegen, das, auf Plakate gedruckt, ein mächtiges Portal am Eingang der Stadtbibliothek bildet. Ein schöner Rahmen für die Ausstellung „Flucht – gestern und heute“, die der Leiter der Stadtbibliothek, Dr. Stephan Leenen, am Dienstagabend eröffnete.

„Ursprünglich hatten wir geplant, die Ausstellung zum Thema „70 Jahre Kriegsende“ zu gestalten. Als wir uns im vorigen Herbst Gedanken darüber machten, war noch nicht abzusehen, welch eine Brisanz das Thema bekommen sollte“, sagte Organisator Leenen. Deshalb steht die momentane Flucht aus Syrien im Mittelpunkt der Ausstellung.

Eine Presseschau regionaler und überregionaler Zeitungen mit Berichten und Fotos der vergangenen Wochen ist auf Stellwänden im Foyer des Rathauses, gleich rechts neben dem Eingang, zu sehen. Dahinter, unter der Überschrift „Unsere Stadt ist bunt“, Portraits einiger der ersten Neuankömmlinge in Achim. Das haben Mitarbeiter des Bürgerzentrums zusammengestellt. Nicht zu vergessen das Mosaik, das der Achimer Kunstverein gemeinsam mit Flüchtlingen gestaltet hat. „Es ist wunderschön geworden“, würdigte Leenen. Jetzt sucht er noch einen Ort, an dem das Kunstwerk gut zur Geltung kommt.

Im ersten Stock sind großformatige Auszüge aus „Zeit“-Magazinen von vor zwei Jahren aufgehängt. Dort sind beispielsweise Berichte über das Kentern der Flüchtlingsboote vor Lampedusa zu lesen.

Zur Eröffnung begrüßte Leenen fröhlich „eine bunte Mischung von Achimern und Nicht-Achimern“, also Einwohner und Flüchtlinge. Damit letztere auch verstanden, was er sagte, übersetzte Rüdiger Dürr, Vorsitzender des Fördervereins der Stadtbibliothek, die Begrüßung ins Englische.

Anschließend überließ es der Organisator den Kooperationspartnern, ihr Engagement vorzustellen – er fungierte als Moderator. „Ich spüre Entspannung, unsere Arbeit ist anders als sie es noch vor anderthalb Jahren war. Bei der Betreuung der Flüchtlinge erfahren wir breite Unterstützung der Bevölkerung, und das ist ein gutes Zeichen. Denn es ist eine zivilgesellschaftliche Aufgabe, nicht nur eine der Behörden“, sagte der Leiter des Bürgerzentrums, Dirk Ysker.

Mitarbeiter Mehmet Ates spricht mehrere Sprachen – eine große Hilfe beim Übersetzen. „Von Anfang an war die Willkommenskultur bemerkenswert. Klasse, dass sich so viele gefunden haben, die helfen wollen“, dankte er.

Der Kunstverein freut sich darüber, dass Mitglieder und Flüchtlinge über die Kunst zusammenfanden: „Wir haben Teilnehmer im Willkommenscafé geworben, was wegen der Sprachbarriere nicht leicht war.“

Klar, solch eine Ausstellung kostet Geld. Eine „namhafte Summe“ dafür hat Leenen von der Stiftung der Kreissparkasse Verden eingeworben. „Unser Ziel ist es, Menschen mit Konten und Geld zu versorgen. Doch in unseren Pausenräumen wird auch darüber diskutiert, wie man den Flüchtlingen helfen kann“, sagte der Regionaldirektor Achim, Thomas Baeslack. Weiteres Geld stammt von Dirk Rossmann, Geschäftsführer der gleichnamigen Drogeriemarktkette.

Auch Flüchtlinge kamen zu Wort. Ihr Tenor: „Wir sind froh, dass wir hier sind. Die Achimer sind tolle Leute, die uns helfen. Wir fühlen uns hier sehr wohl. Dankeschön für die herzliche Aufnahme.“

Das schöne Mosaik, das Achimer und Flüchtlinge gemeinsam gestalteten.

Das letzte Wort hatte „Hausherr“ und Bürgermeister Rainer Ditzfeld. „Wir sind in der glücklichen Lage, die Flüchtlinge nicht in Zelten und Turnhallen unterbringen zu müssen. Wir helfen dem Landkreis, Wohnungen zu suchen und die Flüchtlinge zu betreuen. Das ist für viele Achimer eine sinnvolle Beschäftigung, mit der Ängste abgebaut werden können.“ Der Bürgermeister dankte Ehrenamtlichen und Rathausmitarbeitern, die helfen – „neben dem Tagesgeschäft“.

Es folgte der gesellige Teil. Orientalische Klänge erfüllten das Rathaus, als das Camellia Syrian Ensemble aus Bremen loslegte. Der Förderverein der Stadtbibliothek schenkte Getränke aus und sammelte Spenden.

Die Ausstellung „Flucht – gestern und heute“ ist bis Ende September zu sehen. Auf Wunsch werden Führungen, Vorträge und Gespräche in den Schulen angeboten. Ansprechpartner ist Dr. Stephan Leenen unter Telefon 04202/9160240 oder 04202/9160536.

is

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