Randi Tytingvag wandelt kleine und große Gefühle in berührende Töne um

Außergewöhnliche Sängerin

Sie hatte Töne, und welche! Randi Tytingvåg, Dag Sindre Vagle (re.) und Erlen Aasland (li.) beim Kasch-Konzert in der Reihe „Haste Töne“. - Foto: Hägermann

Achim - Von Bernd Hägermann. Mitteleuropäern gehen Namen wie Randi Tytingvåg, Dag Sindre Vagle und Erlen Aasland nicht ganz so einfach über die Lippen. Dafür ihre Musik umso besser ins Ohr. Die norwegische Sängerin Tytingvag gastierte am Freitagabend in der Veranstaltungsreihe „Haste Töne“ im Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch). Es begleiteten sie Dag Sindre Vagle (Gitarre) sowie Erlen Aasland an Gitarre, Banjo und am Piano.

Auf der Bühne kommt die sommersprossige Randi Tytingvag im roten Kleid und mit erkennbarer Präsenz. Fortan bewegt sie sich sparsam tänzelnd und gestikulierend durch unterschiedliche musikalische Genres – meistens gute Laune versprühend, ganz dicht an ihr nahen Menschen und imstande, die großen und kleinen Gefühle in Töne zu verwandeln.

In Achim stellte Tytingvag vorrangig Stücke aus ihrem bislang letzten Album vor. Es trägt den Titel „Three“. Aber sie verwies auch auf ihr nächstes Album, das 2017 erscheinen wird. Ein Titel darin: „Song for my Mother“. Es ist ein Liebeslied. Genauso wie „Good times“ in „Three“. Randi Tytingvag ist vor drei Jahren Mutter geworden. Die guten Zeiten sind seitdem unverändert.

Das aktuelle Album bietet Geschichten, die Tytingvag selber zu Papier gebracht hat, und Lieder, die sie von anderen Interpreten entliehen hat.

Die Geschichte der Kindergärtnerin, die sich um die Tochter kümmert, steht so gleichrangig neben einem Lied der Everly Brothers („Let it be me“) oder Kompositionen von Joni Mitchell und Cole Portner.

Große Namen, an denen Randi Tytingvag sich nicht verhebt, weil sie nicht versucht, das Original nur zu kopieren. Immer ist es ihre Intention, die den Gehalt eines Liedes bestimmt.

So wie bei Tom Waits, jenem Musikpoeten mit der unverwechselbaren Reibeisen-Stimme, die Auskunft gibt über das Leben an sich und über seines im Besonderen. Oder bei Louis Armstrong. Randi Tytingvag setzt gegen stimmliche Rauheit glockenreine Intonation.

Zum Repertoire der Norwegerin gehören ebenfalls „Que sera“, der Nummer-Eins-Hit von Doris Day, oder das Geständnis von Marlene Dietrich, dass sie von Kopf bis Fuß nur auf Liebe eingestellt sei. „Deutsch“, sagt Randi Tytingvag, „ist so schön dramatisch und poetisch.“

Und Tytingvag selbst ist eine außergewöhnliche Sängerin.

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