Großprojekt „Sanierung nördliche Innenstadt“: Gut besuchter Auftakt voller Ideen

Ausnahme-Standort Achim nutzt Chancen nicht genügend

Stadtplaner Frank Schlegelmilch beim mitreißenden Vortrag.

Achim - Junge Leute drohen Achim zu verlassen, weil es nicht genug kleinere, bezahlbare Wohnungen gibt, wenn sie daheim ausziehen möchten. Für die Älteren ab 50 wiederum fehlten hochwertige „Verbesserungsumzugs“-Angebote oder später kleinere Einheiten, wenn das Einfamilienhaus für einen Bewohner zu groß geworden ist.

Neue Wohngebiete in Achim hätten in jüngster Zeit vor allem auf junge Paare und Familien abgezielt. Es gelte künftig stärker zu bedenken, dass Achim auch älter werde. Zudem tue sich gerade im gefragten Stadtzentrum vergleichsweise wenig in Sachen neuer Wohnraum.

Das war einige der ersten Erkenntnisse, die Frank Schlegelmilch vom Bremer BPW-Stadt- und Regionalplanungsbüro in Gesprächen mit Bürgern und anderen bei vorbereitenden Untersuchungen zu dem auf zehn Jahre angelegten Sanierungsvorhaben „Nördliche Innenstadt“ gesammelt hat.

Kein Platz blieb frei im großen Saal der Stadtwerke Achim. Zu den 80 Stühlen mussten noch etliche weitere herbeigeschafft werden.

Mit gut 100 Interessierten war jetzt der große Versammlungssaal der Achimer Stadtwerke an der Gaswerkstraße bei der Auftaktveranstaltung zum Vorhaben voll besetzt. Bürgerbeteiligung wird gemäß Konzept von Anfang an sehr groß geschrieben. Es geht um die zukünftige Gestaltung eines vielfältigen Areals auf knapp 14 Hektar Fläche, beginnend hinter der Gieschen-Kreuzung. Das Gebiet umfasst die Straße Zum Achimer Bahnhof, den Bahnhof selbst, das frühere Lieken Brot-Gelände sowie Wohngebiete jenseits der Bahnlinie einschließlich „Vogelsiedlung“, Stadtwerke-Grundstück und Straße Auf dem Wehrfelde. Der Kostenrahmen zur Sanierung liegt bei 4,8 Millionen, wobei beträchtliche Städtebaufördermittel für öffentliche und private Maßnahmen vom Bund und dem Land zu erwarten sind.

Gerade im Wohngebiet der Straßen mit den Vogelnamen sei es so, dass die dort jung Eingezogenen inzwischen ein gesetztes Alter erreicht hätten, die Wohnungen aber nicht entsprechend ausgestaltet seien und über Lösungen nachgedacht werden müsse, so Schlegelmilch.

Grundsätzlich sieht der Planer wegen der zentralen Lage der nördlichen Innenstadt dort und für Achim insgesamt große Entwicklungspotentiale, die bisher längst nicht ausgeschöpft würden. Der Standort mit nur 13 Minuten Bahnfahrt bis Bremen und großer Nähe zur Innenstadt einerseits und andererseits viel freier Natur direkt am Rande der Vogelsiedlung sei fast unvergleichbar,

In bisherigen Gesprächen mit Grundeigentümern habe er zudem große Bereitschaft gespürt, wirklich etwas zu tun für die Modernisierung dieses Bereichs. Bürgermeister Rainer Ditzfeld bestätigte darüber hinaus erhebliches Interesse von Investoren, hier einzusteigen. Besonders nach Zeitungsberichten über einen Rundgang durch die nördliche Innenstadt habe es viel Resonanz gegeben.

Immer müssten aber bei den Plänen Auswirkungen auf die direkte Achimer City und den Einzelhandel dort bedacht werden, hob Schlegelmilch hervor. Die „historische Achse“ vom Bahnhof her gelte es ansprechend zu stärken. Hier hätten im Übrigen Hotel-Investoren schon Interesse bekundet.

Und für das Lieken-Areal gebe es natürlich andere Möglichkeiten als die Einkaufszentrumsidee eine bestimmten Investors. Gerade „bezahlbarer Wohnraum“ könne da ein Stichwort sein.

Das Achimer „Kulturnetzwerk“ habe zudem Mangel an geeigneten Musik-Proberäumen, Atelier- und Ausstellungsflächen moniert, und auch Kleingewerbe wie Pizzahandel oder Krosseriebau seien durchaus mit vorstellbar.

Zum bekannten, 1960 errichteten Lieken-Siloturm am Bahnhof gab es aus dem Publikum den ungewöhnlichen Vorschlag, ihn als Kletter- turm auszustatten. Eine wirklich wirtschaftlich sinnvolle Nutzung zu finden, werde jedoch schwer, sah der Bremer Stadtplaner voraus. Auf strike Ablehnung stieß bei Anwohnern wegen des Lärms und der Unruhe sofort der Vorschlag „Discothek“.

Lärm sei ohnehin wegen der Bahnlinie ein zentrales Problem in diesem Gebiet, räumte Schlegelmilch ein, der für seinen Vortrag von den Versammelten starken Beifall erhielt. Er hatte auch noch darauf hingeweisen, dass Achim etwa bei der Bindung der Kaufkraft im Ort einiges zuzulegen habe.

la

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