Identitäre Bewegung versucht offenbar, in Achim neue Anhänger zu gewinnen

Aufkleber mit gefährlichen Botschaften

Achim – Die Identitäre Bewegung versucht nun offenbar, auch in Achim Fuß zu fassen und neue Anhänger zu gewinnen. Reiner Aucamp, Mitglied der SPD-Fraktion im Stadtrat, stellvertretender Bürgermeister und Vorsitzender des Ortsausschusses Baden, bekam aus der Bevölkerung den Hinweis, dass an diversen Laternenmasten im Bereich des Badener Bahnhofs Aufkleber der völkisch-rassistischen Gruppierung angebracht sind. Der Kommunalpolitiker schaute sich sogleich vor Ort um und wurde fündig. Aucamp warnt insbesondere jüngere Menschen vor den auf den ersten Blick vielleicht harmlos wirkenden Aufklebern, denn dahinter steckten gefährliche Botschaften.

„Sie dokumentieren Rassismus, Motive gegen die demokratische Grundordnung, sie verunglimpfen die Bundeskanzlerin. Sie wollen eine Umerziehung schon für die Kleinen, indem sie sich gegen die Homosexualität, den Islam, die USA, die EU und die Antifa positionieren“, informiert Aucamp. Die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten würden bezichtigt, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Die Aktivisten erklärten sich für „Europas Neue Jugend“.

Die Identitäre Bewegung gilt als das jüngste subkulturelle Phänomen der extremen Rechten, das heißt, es geht um soziale Gruppen, deren Normen, Einstellungen und Verhaltensweisen erheblich von der Mehrheitskultur abweichen. „Mit ihrem modernen und sich schnell verbreitenden Auftreten und das Einsetzen moderner Sprache und der Nutzung moderner Medien gelingt es ihr, Rassismus und Nationalismus gut zu verpacken“, ist in einer Broschüre der DGB-Jugend vom März 2020 zur Identitären Bewegung zu lesen. Die Protagonisten versuchten durch eine unverfängliche Sprache mit sehr viel Feingefühl, Sorgfalt und Genauigkeit eine negative Assoziation gegenüber rechtsextremen Parolen zu überwinden.

Die Bewegung spricht auch vom „großen Austausch“ der europäischen Bevölkerung gegen eine nichteuropäische, die unter anderem aus Kriminellen und Sozialhilfeerschleichern bestehe. Um das zu verhindern, hätten zum Beispiel Aktivisten das Schiff „SOS Mediterrance“ daran gehindert, zur Übernahme von gekenterten Flüchtlingen aus einem italienischen Hafen auszulaufen. Ein lebensbedrohender Akt, der strafrechtlich verfolgt wird.

Aucamp stuft aber auch das, was er rund um den Badener Bahnhof vorgefunden hat, als bedrohlich ein. „Kleine, erst unscheinbare Aufkleber veranlassen neugierige Mitbürger, dicht an das Plakat zu gehen. Mainzelmännchen oder spielende Kinder sehen sehr niedlich aus, aber die Aussagen sind gefährlich.“ Leute, die strafbare Aktivitäten dieser Gruppierung beobachten, bittet Aucamp, Anzeige zu erstatten.

„Das Plakatieren der Aufkleber ist eine Sachbeschädigung und sollte dokumentiert und angezeigt werden“, sagt auch Rudi Klemm vom Weser-Aller-Bündnis: Engagiert für Demokratie & Zivilcourage, kurz: WABE, in Verden. Fotos sollten, wie es Aucamp gemacht habe, an die Verdener Koordinierungs- und Fachstelle von WABE geschickt werden. „Wir dokumentieren solche rechtsextremen Erscheinungen.“

Mit Jugendlichen, die im Gespräch Sympathien für eine solche Gruppe äußern, sollte man nach Meinung von Klemm unbedingt das Gespräch suchen und sich Hilfe bei der Mobilen Beratung Niedersachsen gegen Rechtsextremismus für Demokratie holen (www.mbt-niedersachsen.de). Mit Funktionären und Aktivisten dieser Bewegung seien Gespräche wenig sinnvoll, sie verschafften ihnen nur einen Artikulationsraum für ihre rechtsextremen Ideen.

Die Nähe der Identitären zur rechten Gewalt zeigt sich für Klemm auch darin, dass der Attentäter von Christchurch vor seiner Tat eine Spende an Identitäre in Österreich überwiesen hatte. Im Frühjahr 2019 erfolgte laut Frankfurter Rundschau deshalb bei dem Chefideologen der österreichischen Identitären eine Hausdurchsuchung wegen des „Verdachts der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung“.

„Insgesamt sind die Identitären auf einem absteigenden Ast“, stellt Klemm fest. Denn ihre Strategie, ihren rechtsextremen und gewaltbereiten ideologischen Kern zu verschleiern, hätten viele längst durchschaut.  mm

Ein Mainzelmännchen als freundlicher „Botschafter“.
Weniger harmlos sieht dieses Bild aus.

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