Früherer Bierdener Manfred Bettin als Elektriker auf Jungfernfahrt nach New York

Auch Siegfried und Roy 1966 auf der MS Europa begegnet

Die MS Europa an ihrem Liegeplatz in New York. Dieses Ziel steuerte sie vor 50 Jahren auf ihrer Jungfernfahrt von Southampton aus an.

Baden - Mit einem Schiff fuhr der junge Elektrikerassistent im Jahr 1966 Manfred Bettin aus Bierden nach New York. Mit an Bord waren auch die Dompteure Siegfried und Roy.

Die aufstrebenden jungen Dompteure Siegfried und Roy waren zusammen mit einem Geparden mit an Bord des Passagierschiffs MS Europa, das am 9. Januar 1966 zur Jungfernfahrt von Southampton über Halifax in Kanada nach New York startete. Schon in Bremerhaven war drei Tage zuvor der 24-jährige Manfred Bettin zugestiegen, um als Elektrikerassistent seinen Dienst anzutreten.

360 Passagiere fuhren mit, während die Besatzung rund 400 Köpfe stark war, erinnert sich der 1942 geborene, langjährige Bierdener, der seit rund vier Jahren mit Ehefrau Erika in Baden wohnt. Die MS Europa, davor unter schwedischer Flagge als „Kungsholm“ unterwegs – war neun Decks hoch und hatte auch neun Fahrstühle.

Anlässlich des Jubiläums ihrer Jungfernfahrt, das auch die Medien nicht vergaßen, wurden jetzt beim Zeitzeugen Bettin viele persönliche Erinnerungen lebendig. Einige schilderte er dieser Zeitung, hat aber seine gesamten „Seeabenteuer – vom eisigen Polarkreis bis zur heißen Karibik“ auch schon als E-Book verfasst.

Nach der Ausbildung ging es zur See

Bereits als 15-jähriger Schiffsjunge hatte der Sohn westpreußischer Eltern, die nach der Flucht zunächst in Verden gelandet waren, zum Beispiel einen heftigen Orkan in der Biskaya miterlebt.

Auf der MS Europa heuerte der Schiffselektriker und auf dem Schulschiff Deutschland Ausgebildete für zwei Jahre an, nachdem er zuvor auf einem Frachtschiff gearbeitet hatte.

Der Arbeistag auf dem großen Passagierschiff begann für Bettin früh: Aufstehen um 5. 30 Uhr. Dann war die Beleuchtung an Deck noch vor Erwachen der Passagiere zu prüfen und gegebenenfalls auszubessern. Die damaligen Glühbirnen hielten im Schnitt unter „wackligen“ Schiffsbedingungen nur 600 Brennstunden durch.

Fahrstühle wurden zudem des öfteren zwischen Etagen automatisch gestoppt, wenn Benutzer innen zu unruhig waren oder gar angetrunken herumsprangen. Einige Male waren Befreiungsaktionen vom Schacht her erforderlich.

Nach der Arbeit kam das Vergnügen

Es blieb aber bei aller Arbeit auch Zeit für Partys des Personals zum besseren Kennenlernen. Gefeiert wurde, wenn die Passagiere an Land waren.

Ansonsten gab es für diese ab 18 Uhr die „Ladys Night“, nach dem Abendessen Kostüm- und andere Feste sowie ab 23 Uhr noch „Absacker“ in der „Taverne“. Für die Bediensteten dauerte der Tag insgesamt nicht selten von 6 Uhr früh bis Mitternacht.

New York, das bei der Ankunft unter einer Abgas-Dunstglocke lag und wo dem 24-jährigen Elektriker zunächst die „ziemlich veralteten Pieranlagen“ auffielen, blieb dennoch unvergesslich .

Da waren zunächst die imposanten „Schlepperfontänen“, mit denen jedes Jungfernschiff im Hafen empfangen wurde.

Schräg gegenüber vom Liegeplatz der MS Europa aß Manfred Bettin seinen ersten Hamburger und lernte zusammen mit Kollegen den deutschstämmigen Anwalt Eddy Fleckenstein kennen. Der war bereit, den Ankömmllngen New York näher zu zeigen, wenn er selbst das große Schiff besichtigen dürfe. So geschah es dann.

Die Besuche im Lokal „Your Father’s Moustache“ mit Dixieland-Musik blieben ebenfalls unvergessen. Doch gab es auch einen Überfall von hungernden Obdachlosen, die von ihren Opfern je einen Dollar forderten, um sich im Winter wärmende Getränke zu kaufen.

Für seine Frau blieb der Seefahrer zuhause

Bis 1969 fuhr Bettin zu See. Mit der Heirat war diese Zeit zu Ende, aber er arbeitete danach lange bei Siemens und anderen Unternehmen stets in Bereichen, die etwas mit Schiffen zu tun hatten. Ein Studium hatte er mittlerweile absolviert, führte zeitweilig ein eigenes Ingenieurbüro und lebte mit seiner Frau mehrere Jahre bei Alicante.

Aber das sind andere Kapitel seiner Lebensgeschichte.

Wirksam helfen konnte er damals übrigens aufgrund seiner technischen Kenntnisse dem jungen Siegfried von Siegfried und Roy. Dessen Tonbandgerät war kaputt, Der Elektriker vermutete sofort, dass der Künstler es an eine Gleichstromsteckdose statt an Wechselstrom angeschlossen hatte und die Sicherungen zerstört waren. Nach der Belehrung und der Behebung des Schadens bedankte sich der später weltberühmte Dompteur herzlich.

la

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

„Summer in the City“-Finale auf dem Marktplatz

„Summer in the City“-Finale auf dem Marktplatz

Im Selbstversuch zum Deutschen Sportabzeichen

Im Selbstversuch zum Deutschen Sportabzeichen

Sommerreise: Wanderung am Heiligenberg

Sommerreise: Wanderung am Heiligenberg

Sommerreise: Kräuterwandern in Bruchhausen-Vilsen

Sommerreise: Kräuterwandern in Bruchhausen-Vilsen

Meistgelesene Artikel

Hochwasser-Helfer aus dem Kreis Verden bei Hildesheim im Einsatz

Hochwasser-Helfer aus dem Kreis Verden bei Hildesheim im Einsatz

Großeinsatz: Aber der Kanute übte nur

Großeinsatz: Aber der Kanute übte nur

Autobahnpolizei untersucht Lkw: „Liste des Schreckens“

Autobahnpolizei untersucht Lkw: „Liste des Schreckens“

Absperrungen zur Sicherheit: Die Amtsgericht-Fassade bröckelt

Absperrungen zur Sicherheit: Die Amtsgericht-Fassade bröckelt

Kommentare