„Umweltfabrik“ in Clüverswerder erfolgreich

Auch Amalgam, Öl und Ratten beschäftigen das Klärwerkteam

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Achims Umweltanlage in Clüverswerder an der Weser.

Achim - Von Manfred Brodt. „Das ist das beste Beispiel dafür, dass die Verallgemeinerung, die öffentliche Hand könne nicht wirtschaften, nicht stimmt“, sagt Uwe Schmoecker, der Chef der größten Achimer Umweltfabrik, also des Klärwerks. Finanziell und ökologisch kann er beim Pressegespräch eine saubere Bilanz vorlegen.

Bei einem Abwasser-Haushalt von 3,5 Millionen Euro sind in den letzten Jahren leichte Überschüsse erzielt worden, so dass sie 2019 den Bürgern in Form einer kleinen Gebührensenkung zurückgegeben werden, wie es das Gesetz vorsieht. Überschüsse, obwohl der Klärwerksbetrieb Jahr für Jahr große Investitionen schultert bei neuen Leitungen und Anschlüssen für Baugebiete oder zum Beispiel dem in diesem Jahr geplanten neuen Zulaufpumpwerk, das bis zu 10.000 Kubikmeter Wasser am Tag aufnehmen kann..

Die Entscheidung des Achimer Stadtrats vor mehr als zehn Jahren, das Klärwerk in Eigenregie weiterzubetreiben und nicht an Bremen oder private Konzerne zu verkaufen, hat sich aus der Sicht Schmoeckers voll bestätigt, wofür auch die relativ niedrige Abwassergebühr von 2,40 Euro pro verbrauchtem Kubikmeter Trinkwasser spricht. 

Schuldentilgung trotz Investitionen

Immerhin sind in diesem Zeitraum die zweite und dritte Reinigungsstufe eingeführt worden, das Klärwerk ist runderneuert worden und die Schulden können wohl trotzdem von 14,2 Millionen Euro in 2016 auf 8,3 Millionen Euro in 2020 verringert werden. Die Anlage in Clüverswerder nimmt über das riesige Leitungsnetz die Abwässer aller Haushalte in ganz Achim und der Langwedeler Ortsteile Etelsen und Cluvenhagen auf - insgesamt 1,85 Millionen Kubikmeter im Jahr - , reinigt sie und leitet zudem zeitversetzt auch viel Niederschlagswasser in die Weser. 

Bei der Abwasserreinigung entstehen Berge von Klärschlamm, der wegen seines hohen Kupfergehaltes nicht als Dünger auf die Felder ausgebracht werden darf, sondern teuer in einer Spezialverbrennungsanlage. Für die Verbrennung der 510 Tonnen entwässerten Klärschlamms waren so 2017 wieder 162.000 Euro zu zahlen. 

Beseitigung von „Umweltkillern“

 Abseits der täglichen Abwasserentsorgung ist der Umweltbetrieb in Clüverswerder auch für spezielle „Umweltkiller“ zuständig. Zum Beispiel für mineralölhaltiges Abwasser, das 49 Firmen in Achim einleiten. Alle fünf Jahre werden deren Abscheideranlagen einer Generalinspektion unterzogen, auf Dichtigkeit, baulichen Zustand, innere Beschichtung und Qualität der Einbauteile überprüft. Pro Jahr sind das rund zehn solche Inspektionen.

Ähnlich sieht es bei dem amalgamhaltigen Abwasser aus, das in 14 Achimer Zahnarztpraxen anfällt.

Generell inspizieren das 19-köpfige Team Schmoecker und Sachverständige im Jahr die Abwasserentsorgung von 140 Firmen in Achim. Skandale waren da in den letzten Jahren nicht zu vermelden.

Mahlzeit! 

Ein wiederkehrendes Problem sind die Ratten im weitverzweigten Kanalnetz für Abwasser und Niederschlagswasser, 35mal meldeten sich Einwohner letztes Jahr, die von den Nagern geplagt waren. So steht die Rattenbekämpfung regelmäßig auf dem Jahresprogramm des Eigenbetriebs Abwasser. Innerhalb von 14 Tagen bringen die Mitarbeiter über die Hunderte von Kanaldeckeln 5.000 Köder in den Kanal, die nach Genuss einige Zeit später die Ratten andernorts verbluten lassen.

Statistisch gesehen kommen auf einen Einwohner zehn bis 20 Ratten, in Achim sind es aufgrund der Bekämpfung drei bis sechs, also insgesamt immerhin zwischen 100.000 und 190.000. Sie werden auch durch Essensreste, die in die Toilette gekippt werden, gut genährt, und können Krankheiten übertragen.

Privatleuten ist der Einsatz dieser Köder inzwischen verboten, und auch bei der Stadt könnte das bald der Fall sein. EU-weit ist der Einsatz regelrechter Hinrichtungsanlagen geplant, bei denen die Ratten an wenigen Stellen geköpft werden.

Schmoecker schaudert’s schon, wenn er an die Leichenberge und ihre Beseitigung denkt.

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