In vielen Fällen wahrscheinlich bei der Arbeit

Asbest lässt Achimer erkranken

Achim - Von Manfred Brodt. Vor einem Jahr schreckte eine Meldung auf: Das Epidemiologische Krebsregister Niedersachsen hatte in Achim auffällig viele Mesotheliom-Erkrankungen festgestellt, eine Krebserkrankung mit bösartigen Bindegewebstumoren, bei denen in der Regel das Rippenfell betroffen ist. Von 2008 bis 2012 waren in Achim 14 neue derartige Krebserkrankungen festgestellt worden. Landesstatistisch gesehen hätten es aber nur vier sein dürfen. 2013 waren in der Weserstadt sechs neue Fälle festgestellt worden. Es hätten statistisch nur 0,8 sein dürfen. In den allermeisten Fällen handelte es sich um Männer über 60.

Landrat Peter Bohlmann hatte damals eine umfassende Aufklärung angekündigt und einen Zusammenhang mit der Arbeitswelt der Betroffenen vermutet. Diese Zeitung hat jetzt be ihm nachgefragt,

Das Gesundheitsamt des Kreises hat so einige vertiefende, aber keine umfassenden Erkenntnisse von der niedersächsischen Krebsregister-Behörde und dem Gesundheitsärztlichen Dienst Niedersachsen erhalten.

Epidemiologische Studien sehen einen klaren Zusammenhang von vielleicht auch nur kurzer und geringfügiger Asbesteinwirkung und der Entstehung von Tumoren. In den meisten Fällen sei die Asbestbelastung beruflich bedingt.

Alle Verdachtsfälle auf eine Mesotheliomerkrankung sind anzeigepflichtig gegenüber der Berufsgenossenschaft oder dem Gewerbeärztlichen Dienst. Da die Krankheit oft erst nach einer Latenzzeit von bis zu 60 Jahren ausbrechen kann, ist der genaue Nachweis schwierig.

Danach kann für mindestens sieben der 20 Achimer Fälle festgestellt werden, dass ein Anerkennungsverfahren als Berufskrankheit eingeleitet wurde. Da zumindest einige der übrigen 13 Achimer Erkrankten ihre Arbeitsstelle vielleicht in Bremen oder anderswo hatten, könnten auch dort Verfahren zur Anerkennung als Berufskrankheit eingeleitet worden sein. Über die Bremer Daten verfügt Niedersachsen aber nicht.

Auch ohne Beweis meist Berufskrankheit

Aus der Antwort des Bremer Senats auf eine Anfrage der Grünen und der SPD im Jahr 2010 geht hervor, dass es bei den in Bremen Beschäftigten von 1998 bis August 2008 938 Mesotheliom-Erkrankungen gab. In den seltensten Fällen ließ sich jedoch der Zusammenhang zur beruflichen Tätigkeit zweifelsfrei nachweisen. Auch Asbest im privaten Bereich könnte den Krebs ausgelöst haben.

Dennoch erkennen die Berufsgenossenschaften in den meisten Fällen diese Krebserkrankung als Berufskrankheit an.

Bei den besonderen statistischen Ausschlägen für Achim ist so auch ein Zusammenhang mit der Berufswelt wahrscheinlich, aber nicht nachweisbar. Konkrete, vielleicht gar nicht mehr existierende Firmen sind nachträglich wissenschaftlich abgesichert aber nicht zu benennen..

Gut, dass der Einsatz dieser unvergänglichen mineralen „Wunderfaser“ in Firmen, Schwimmbädern, Autoreifen, Bremsen, Textilien oder Zement, der Hitze und Säure nichts anhaben kann und die sich auch zur Wärmedämmung eignet, wegen ihrer extremen Gesundheitsgefährdung längst in der EU verboten ist.

Rubriklistenbild: © dpa

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