Nabu, Grüne und Imker übergeben Unterschriftenliste an Stadt

„Artenschwund stoppen“

Vorbildlich: Diese prächtige Wiese am Nordhornsberg schuf Landwirt Johann Meyer mit einer Wildbienenmischung.
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Vorbildlich: Diese prächtige Wiese am Nordhornsberg schuf Landwirt Johann Meyer mit einer Wildbienenmischung.
  • Michael Mix
    vonMichael Mix
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Achim – „Der Zustand der Natur verschlechtert sich dramatisch“, schlug der Weltbiodiversitätsrat im Mai 2019 Alarm. Der Verlust von Arten – bis zu eine Million Pflanzen und Tiere auf dem Planeten seien vom Aussterben bedroht – „bringt auch unsere Lebensgrundlage ins Wanken“, sagt Lennart Quiring von den Achimer Grünen. „Wertvolle Ökosysteme sind zunehmend geschädigt, ihre wichtigen Leistungen für den Menschen in Gefahr“, stellt der Weltbiodiversitätsrat, ein zwischenstaatliches Gremium, in seinem Bericht fest.

Der Naturschutzbund (Nabu) und Bündnis 90/Die Grünen in Niedersachsen sowie der Deutsche Berufs- und Erwerbs-Imker-Bund fordern drastische Schritte gegen das Siechtum von Fauna und Flora. Sie haben das Aktionsbündnis „Artenvielfalt Niedersachsen.Jetzt“ geschmiedet und bitten um Unterschriften für ihr Anliegen. „Mit einem Volksbegehren sollen die Landwirtschafts- und Umweltpolitik, aber auch die Wirtschafts- und Verkehrspolitik in neue Bahnen gelenkt werden“, informierten Quiring, Leonie Jordan von der Nabu-Geschäftsstelle Verden und Imker Thorsten Wilkens am Mittwoch bei einem Pressegespräch vor dem Rathaus. Dabei übergaben sie rund 300 Unterschriften von Achimerinnen und Achimern, die sie zusammen mit Unterstützern gesammelt hatten, an Anja Gründel, Leiterin des Bürgerbüros der Stadtverwaltung, wo die Daten überprüft und dann nach Hannover weitergeleitet werden.

Das Verschwinden von Bienen, Schmetterlingen, duftenden Blumenwiesen und blühenden Bäumen betrachten Nabu, Grüne und Imker als „Alarmsignal“. Die Gründe für den Rückgang der Artenvielfalt speziell im Agrarland Niedersachsen seien jedoch bekannt. „Zu viele Düngemittel, zu viele Pestizide, zu wenig Feldgehölze und Feldraine, zu wenige gute Gewässer, breite Gewässerrandstreifen als Schutzräume und naturnaher Wald, zu viel Versiegelung“, listen Jordan, Quiring und Wilkens auf. Es müsse jetzt dringend gegengesteuert werden.

Das Volksbegehren ziele darauf ab, die Naturschutz-, Wasser- und Waldgesetzgebung dahingehend anzupassen, dass insgesamt eine ökologischere Land-, Forst- und Gartenbauwirtschaft erreicht wird. Die dann nach dem Dafürhalten von Nabu, Grünen und Imkern unter anderem mehr Lebensraum für Wildtiere durch mehr Feldgehölz- und Heckenstrukturen, Feld- und Wegraine sicherstellt, Oberflächengewässer vor Schadstoffeintrag bewahrt und das Grundwasser schont, Sonderstandorte wie Moore und Feucht- und Trockenwiesen besser schützt.

Die Aktion läuft weiter, obwohl die rot-schwarze Landesregierung mit dem „Niedersächsischen Weg“ bereits ein „Maßnahmenpaket für den Natur-, Arten- und Gewässerschutz“ als Kompromisspapier erarbeitet hat. Dieses hätten das Landwirtschaftsministerium und das Landvolk doch nur geschnürt, um das Volksbegehren zu verhindern, entgegnet Quiring. Und dabei handele es sich lediglich um eine „Ankündigung, die nicht ins Gesetz übernommen werden soll“, merkt Wilkens an. Zudem stamme die Hälfte der Finanzmittel für das Paket in Höhe von 120 Millionen Euro von der EU, bemängelt Quiring. „Wir wollen jedes Jahr 45 Millionen Euro aus landeseigenen Steuermitteln für den Artenschutz aufwenden.“

Wandeln müsse sich allerdings keineswegs allein die Landwirtschaft. „Es geht nicht darum, den einzelnen Bauern zu diskreditieren, sondern artengerechter zu wirtschaften“, erläutert Quiring und lässt die Stichworte „Lichtverschmutzung“ und „Flächenversiegelung“ fallen.

„Aktuell werden in Niedersachsen zehn Hektar pro Tag bebaut“, zitiert Leonie Jordan aus einer Statistik. „Wir wollen den Flächenverbrauch 2030 auf drei Hektar senken und 2050 netto auf Null bringen – für jede Bebauung müsste also an anderer Stelle ein Ausgleich für die Natur geschaffen werden.“

Unterschriftenlisten liegen im „Bücherwurm“ in Achim und bei der „Wesermühle“ in Thedinghausen aus. Info per E-Mail: verden@artenvielfalt-niedersachsen.jetzt.

Von Michael Mix

Unterschriften für den Artenschutz: Bürgerbüro-Leiterin Anja Gründel (links) nahm die Liste aus den Händen von Leonie Jordan (Nabu) entgegen. Dahinter stehen ihr Nabu-Mitstreiter Joachim Schweers, Imker Thorsten Wilkens, Lennart Quiring (Grüne) sowie die Unterschriften-Sammlerinnen Petra und Helga Kühn.

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