„Arktis ist 2070 eisfrei, wenn es so weiter geht“

Klimaforscher Professor Lemke in Achim: Zeit zum Umsteuern wird eng

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Professor Lemke, Bernd Kettenburg von der Stadt Achim, der Oldenburger Nabu-Geschäftsführer Rüdiger Wohlers als Moderator, sowie der Bremer Nabu-Vorsitzende Sönke Hofmann (von links) diskutierten am Podium im Kasch mit dem Publikum über den Klimawandel und Auswirkungen auch auf die hiesige Region.

Achim - Pendlerströme abbauen, Arbeiten und Wohnen mehr zusammenlegen, nicht dauernd mit Billiglinien zum Shoppen nach Barcelona fliegen, sich nicht einen noch mächtigeren Familien-Geländewagen (SUV) als der Nachbar leisten – und auch auf Januar-Erdbeeren verzichten, die extra aus Südafrika eingeflogen werden.

Das wären Maßnahmen, durch die Kommunen und Landkreise, beziehungsweise jeder Einzelne einen kleinen Beitrag zum Stopp des weltweiten Klimawandels leisten könnte.

Diese Beispiele und weitere wurden auf der gut besuchten Veranstaltung „Klimawandel – was geht der uns in Achim an?“ mit Klimaforscher Professor Peter Lemke vom Alfred-Wegener-Institut im großen Saal des Kasch genannt. Der Wissenschaftler – auch Leitautor des aktuellen Umweltberichts der Vereinten Nationen (UN) – hatte zunächst auf dieser Veranstaltung der Achimer Nabu-Gruppe die Klimalage auf dem derzeit von rund 7,5 Milliarden Menschen bewohnten Planeten skizziert. „Überall auf dem Globus ist es viel zu warm“, stellte er fest, wobei die Erwärmung in nördlichen Breiten – also auch bei uns – vergleichsweise stärker zunehme. Sie sei eindeutig von Menschen verursacht – durch großflächig gerodete Wälder zwecks landwirtschaftlicher Nutzung und verstärkte Kohlendoxid(CO2)-Emissionen vor allem. Kohle, Öl und Erdgas, über Millionen von Jahren eingelagerte Energiequellen, würden mit Riesengeschwindigkeit verbrannt und heizten den Treibhauseffekt in der Atmosphäre an. Flächenversiegelung trage ebenfalls dazu bei, dass das Klima aus der Balance gerät: „In Metropolen wie Peking können sie viele Kilometer gehen und sehen nur Beton“.

Nicht nur die Temperatur der Ozeane steige, sondern auch die der Nordsee – in den vergangenen 50 Jahren um 1,8 Grad, Wenn der Trend sich fortsetze und der CO2-Ausstoß nicht klar verringert werde, sei um 2070 die gesamte Arktis eisfrei.

Die geschmolzenen Massen erhöhen den Meeresspiegel, der schon jetzt in der Nordsee um 3,7 Millimeter jährlich steigt. Überflutungen auch der artenreichen Feuchtwiesen rings um Bremen seien irgendwann zu erwarten, und das gesamte Ökosystem mit Tier- und Pflanzenwelt ändere sich. „Wenn wir den jetzigen Kurs beibehalten“, werde die Durchschnittstemperatur bis Ende diese Jahrhunderts um vier Grad zunehmen.

1,5 Grad sei das sinnvolle Limit, aber selbst bei den im Klimaabkommen vereinbarten zwei Grad werde es zeitlich eng. Möglichst bald müssten nachhaltige Änderungen daher angepackt werden. Die Uno habe 17 Punkte festgelegt. Alternative Heiztechnologien, nachhaltige Baumaterialien und alternative Verkehrsmittel gehören zum Umsteuern – ebenso wie verstärkte Nutzung von Solar- und Windenergie. Allein durch Einsparung lasse sich zudem der Energieverbrauch um ein Drittel senken.

„Wir haben städtische Gebäude energiesparend saniert“, und im „Leitbild“-Konzept für Achim seien ökologische und Klimaaspekte verankert, berichtete in der Podiumsrunde der stellvertretende Stadtverwaltungschef Bernd Kettenburg. Das Thema Umweltschutz spiele auch schon in den Kitas eine wichtige Rolle. Weitere Stromtankstellen in Achim sollten den Trend zu Elektro- oder wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen fördern, und in der Wohngebietsplanung werde auf Erhalt von genügend Grün viel Wert gelegt.

Im Leitbild sei auch statt des bisher rasanten Wachstums der Stadt Achim ein moderates festgelegt. Dies trage zu weniger Flächenverbrauch bei. Zugleich bat Kettenburg auf entsprechende Kritik hin um Verständnis für die weitere Ansiedlung von Gewerbebetrieben. Gewerbesteuern seien nun mal die bedeutendste Einnahmequelle für Kommunen, und hohe Ansprüche der Bürger in puncto Lebensqualität und guter Ausstattung im Schul- und Kindergartenbereich seien ohne diese Einnahmen nicht zu erfüllen.

Einig waren sich Kettenburg, Professor Lemke und die Nabu-Vorsitzenden am Podium in einem Punkt: der Kritik daran, dass der Bereich Klimawandel in den Vereinbarungen zur Großen Koalition gar nicht auftauche. 

la

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