Ministerpräsident Weil besucht Desma

App für die individuelle Schuhfertigung

Empfang auf dem Desma-Gelände: Ministerpräsident Stephan Weil (links) nebst Bürgermeister Rainer Ditzfeld.
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Empfang auf dem Desma-Gelände: Ministerpräsident Stephan Weil (links) nebst Bürgermeister Rainer Ditzfeld.

Achim – „Das Land Niedersachsen und die Desma feiern beide in diesem Jahr ihr 75. Jubiläum“, wies Geschäftsführer Klaus Freese den hohen Gast im Haus gleich zu Beginn seines Besuchs auf ein gemeinsames Merkmal hin. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) nahm den Ball gerne auf. Aus Anlass des 75. Geburtstags von Niedersachsen unternehme er eine Sommerreise unter dem Motto „Land der Vielfalt“ mit Stippvisiten etwa auf einem Pferdegestüt und an Industriestandorten, wie am Dienstag beim Schuhmaschinenhersteller Desma in Achim.

Das Unternehmen mit rund 220 Beschäftigten könne man sicherlich als „Hidden Champion“ bezeichnen, merkte Weil an, was „heimliche Gewinner“ oder „unbekannte Weltmarktführer“ bedeutet.

„Wir sind auch Global Player“, unterstrich Freese. Die am 25. Juni 1946 von Herbert Ludwig gegründete Desma unterhalte Vertretungen in mehr als 30 Ländern. „Wir fertigen aber am Standort Achim“, ließ der kaufmännische Geschäftsführer den Ministerpräsidenten, Bürgermeister Rainer Ditzfeld und Landrat Peter Bohlmann, die ebenfalls dem zweistündigen Besuchstermin beiwohnten, sowie die zahlreichen Medienvertreter wissen, „also made in Germany“. Die Schuhe weltweit kämen allerdings zu 60 Prozent aus China.

Seit knapp einem Jahr entstehen die Maschinen, ohne die „Treter“ nicht massenhaft und preisgünstig auf den Markt kommen könnten, in einem Neubau an der Desmastraße, informierte Christian Decker, technischer Geschäftsführer. Bei einem Rundgang durch den Produktionskomplex, der drei Hallenschiffe mit 12 000 Quadratmetern umfasst, bekam Weil die hochmodernen Anlagen vor Augen geführt. „Alle zehn Sekunden kann damit ein Schuh gefertigt werden“, erklärte Decker. Als Material für den Schaft verwendeten die Hersteller statt Leder immer häufiger Gestricktes, machte er auf einen neuen Trend aufmerksam. „Es ist fast so wie früher, als die Oma zu Nadel und Faden gegriffen hat.“ Und der Landesvater nahm solch ein Exemplar Fußbekleidung gleich mal neugierig in die Hand.

Auch die Desma gehe jetzt neue Wege und konzentriere sich längst nicht mehr nur darauf, Maschinen vor allem für die Sohlenproduktion zu liefern. „Wir wollen die Schuhfertigung, die ja überwiegend in Asien erfolgt, wieder näher an den Kunden heranholen“, betonte Decker. Die Kette zwischen Entwicklung, Design und Herstellung solle geschlossen werden. Der Technikchef nannte dazu die Stichworte „Nachhaltigkeit“ und „Digitalisierung“.

Die Desma verfüge inzwischen über eine App, mit der Kunden ihre Füße selbst ausmessen und filmen könnten, erfuhr Ministerpräsident Weil. Auf diese Weise könnten Schuhe individualisiert gefertigt werden. Mit dem 3-D-Druckverfahren sei der Stückpreis auch kaum höher als sonst. Ob Achim eine Schuhfabriken-Hochburg wie einst das rheinland-pfälzische Pirmasens werden könne, ließ Decker dahingestellt. „Aber wir arbeiten mit großen Schuhherstellern zusammen.“ Und barfuß gingen die meisten nur am Strand. „In Europa kauft jeder Mensch pro Jahr im Durchschnitt sechs Paar Schuhe.“

Künftig werde die Digitalisierung bei der Produktion der Desma eine große Rolle spielen, gaben die Geschäftsführer Freese und Decker dem Ministerpräsidenten mit auf den Weg. Und da könnte die auf dem Betriebsgelände bestehende Außenstelle der Leibniz-Fachhochschule, die ihren Hauptsitz in Hannover hat, mit ihren IT-Studiengängen sehr hilfreich sein. Denn junge Mitarbeiter mit entsprechenden Kenntnissen könne das Unternehmen direkt von dort rekrutieren. „Das kann für uns ein Erfolgskonzept werden.“

Mit Hilfe von Achimer Maschinen hergestellte Schuhe präsentierten die Geschäftsführer Klaus Freese (rechts) und Christian Decker (Mitte) dem Landesvater während seiner Stippvisite bei der Firma.

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