Anwalt des guten Geschmacks

Food-Experte hält launigen Vortrag beim Kreis-Landfrauen-Tag

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Wurden geehrt (v.l.): Ilse-Marie Schröder, NLV-Vertreterin des Bezirks Stade, Christine Tewes, Beraterin der Landfrauen, Annameta Rippich, Kreisvorsitzende, Heide von Limburg, NLV Beisitzerin für Entwicklung ländlicher Räume, Jasmin Osmers, Vorsitzende Landfrauenverein Ottersberg, Brigitte Scherb, Präsidentin des Deutschen Landfrauenverbands, Anja Meitza-Behling, Vorsitzende Landfrauenverein Posthausen, Susanne Bostelmann, Vors. Landfrauenverein Verden, Susanne Bremer, Landfrauenverein Thedinghausen.

Achim - Von Bernd Hägermann. Letzter Programmpunkt des Kreis-Landfrauen-Tages am Sonnabend im Gasthaus Meyer in Bierden war ein Vortrag des Food-Spezialisten Sebastian Lege. Der gebürtige Bremer, der in Achim zur Schule ging und aufwuchs, sollte laut Ankündigung über die Tricks der Lebensmittelindustrie referieren.

Von diesen Tricks der etwas zweifelhaften Art jedoch war wenig zu hören. Einige Landfrauen meinten sogar: „Thema verfehlt.“ Unterhaltsam war der Vortrag dennoch. Das lag an der Professionalität von Lege und seinen publikumswirksamen Geschichten aus dem Fernsehalltag, von dem er selbst ein Teil geworden ist. Lege trat in Bierden vor allem auf als Anwalt des guten Geschmacks: „Geschmack kann man sich antrainieren“, sagte Lege, der dafür plädierte, schon in den Schulen damit anzufangen. 

In den Landfrauen, die das Fach Ernährungswissenschaft für Kinder und Jugendliche schon lange fordern, hat er in dieser Sache Verbündete. Lege provozierte Zustimmung: „Das Schmalspurhirn kann durch gute Ernährung erweitert werden.“ Und: „Kindern muss man auf spaßige Art erklären, was Lebensmittel sind. Kinder brauchen Idole.“ Dafür taugen offenbar auch gute Köche und Menschen, die sich bewusst vielfältig ernähren und ihr Wissen weitergeben.

Sebastian Lege.

Ganz und gar nicht spaßig fand Sebastian Lege das Essen in einer Kita, die er besuchte. Das Essen („Die kulinarische Prägung beginnt früh. Essen kann man emotionalisieren“) sei so schlecht und potenziell gesundheitsgefährdend gewesen, dass dem Food-Experten nur eine Drohung blieb: „Wenn sich das nicht ändert, zeige ich euch an.“ Andererseits weiß auch Lege um die Mechanismen der Lebensmittelindustrie, für die er selber tätig ist: „Keiner produziert, was nicht verkauft wird.“ Als Faustregel gelte: „Je länger die Liste der Inhaltsstoffe, desto geringer die Qualität des Produkts.“

Die Wertschätzung für gutes Essen sei hierzulande ein Problem, sagte Lege. Auf der internationalen Rangliste „Ausgabe für Lebensmittel im Vergleich zum Einkommen“

Wesentlich ist nicht der Topf, sondern sein Inhalt

liegt Deutschland ganz weit hinten. Hier werde auch immer weniger Zeit fürs Kochen aufgebracht. Am meisten geben Japaner für gutes Essen aus.

Leckeres allerdings geht auch schnell. Mittels einer Mikrowelle trat Lege den Beweis an. Den rasch zubereiteten „Schwammkuchen“ verteilte er danach an einige der 270 Landfrauen. Auf die Frage aus dem Publikum, wie wichtig teure Küchengeräte seien, wusste Lege eine schnelle Antwort: „Entscheidend ist nicht der Topf, sondern was in ihn hineinkommt.“

Einen vollen Saal bescherte der Kreis-Landfrauen-Tag den Gastwirten von Meyer-Bierden.

Vor dem Auftritt von Sebastian Lege hatten Ottersbergs Bürgermeister Horst Hofmann, Landrat Peter Bohlmann sowie der Vizepräsident des Niedersächsischen Landvolkes, Jörn Ehlers, Grußworte an die Landfrauen gerichtet. Die Präsidentin des Deutschen Landfrauenverbandes, Brigitte Scherb, sprach in ihrer Rede von dem Engagement und der Kompetenz der Landfrauen im Kreis sowie von einer „Herzensangelegenheit“ für den ländlichen Raum, die Landwirtschaft und die Bildung zu arbeiten.

Besondere Ehrungen erhielten Christine Tewes und Annameta Rippich mit der „Silbernen Biene mit Niedersachsenwappen“ sowie Helga Bodenstab mit der „Silbernen Biene mit Grünem Stein“.

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