Bürgerbus ist seit knapp neun Jahren in Achim gefragt / Ehrenamtliche bewegen viel

Annemarie Büthe 200 000. Fahrgast

Glückwunsch, Annemarie Büthe! Vereinschef Herfried Meyer (r.) und Vize-Bürgermeister Reiner Aucamp beschenkten den Jubiläumsfahrgast.
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Glückwunsch, Annemarie Büthe! Vereinschef Herfried Meyer (r.) und Vize-Bürgermeister Reiner Aucamp beschenkten den Jubiläumsfahrgast.

Achim – Abseits der beiden Bahnhöfe und der Hauptbuslinie 740 waren viele Wohngebiete in Achim lange Zeit kaum an den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) angebunden. Erst mit dem Start des Bürgerbusses im Oktober 2011 änderte sich das. Nach anfänglich verhaltener Resonanz und Skepsis in der Bevölkerung („Da sitzt der Fahrer doch nur alleine drin“) hat sich das Angebot längst etabliert. Am Mittwoch begrüßte eine Abordnung des Bürgerbus-Vereins, der Linienverkehr mit zwei knallroten Neunsitzern auf vier Strecken im Stadtgebiet im 90-Minuten-Takt betreibt und ehrenamtlich organisiert, den 200 000. Fahrgast.

Annemarie Büthe wurde am Achimer Bahnhof, ein Knotenpunkt im Netz der mehr als 70 Haltestellen, als Jubilarin ausgezeichnet. Vorsitzender Herfried Meyer und stellvertretender Bürgermeister Reiner Aucamp überreichten der 80-Jährigen Blumensträuße. Außerdem erhielt Büthe zwei Fünferblöcke für Freifahrten mit dem Bürgerbus. Die kann sie gut gebrauchen. Denn Annemarie Büthe, die in Uphusen wohnt, nutzt das „Achimobil“ seit dessen Premierentour vor knapp neun Jahren regelmäßig und gerne. „Es ist toll, dass es den Bürgerbus gibt. Ich fahre damit jede Woche zum Einkaufen oder zum Arzt nach Achim rein“, erzählt sie auf Nachfrage, bevor sich die Türen des Kleinbusses für die Weiterfahrt nach Uphusen wieder schließen.

Büthe und andere Stammgäste des „Achimobils“ sind froh, dass der Verein nach dem coronabedingten Stopp von Mitte März bis Anfang Juni den Betrieb wieder aufgenommen hat. Die früheren Fahrgastzahlen hat er allerdings noch nicht erreicht. „Uns fehlen die Pendler, die jetzt im Homeoffice arbeiten oder im Urlaub sind“, erläutert Meyer. Im Juli seien von Badenermoor bis Uphusen 1 650 Zustiege verzeichnet worden. „Wir haben jetzt 65 Prozent der Fahrgäste im Vergleich zu der Zeit vor Corona“, sagt Meyers Stellvertreter Reinhold Viohl. Diese Quote liege immerhin ein Stück weit über dem Durchschnittswert für den gesamten ÖPNV in Deutschland nach dem Lockdown, ergänzt Armin Westendorf, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit des Vereins.

Auch im Bürgerbus müssen sämtliche Fahrgäste einen Mund- und Nasenschutz tragen. „Für den Spuckschutz der Fahrer haben wir zusätzlich ein Klarsichtrollo installiert“, informiert Meyer. Denn viele der knapp 60 Männer und Frauen, die in ihrer Freizeit den Bus steuern, befinden sich im Rentenalter und zählen damit zur Risikogruppe in der Pandemie.

Der Bedarf an ehrenamtlichen Kräften für das ergänzende Angebot zum „großen ÖPNV“ ist erheblich. „44 Schichten zu je ungefähr drei Stunden sind pro Woche zu besetzen“, berichtet der Vorsitzende. Montags bis freitags in der Betriebszeit von morgens um halb acht bis abends um halb acht seien es jeweils acht, dazu kämen noch vier Schichten am Samstagvormittag.

„Aber einen Bus fahren kann ja jeder“, wirft jemand aus dem Vorstand ein. Fast jeder. Denn um einen Personenbeförderungsschein vom Landkreis zu erhalten, müsse der Aspirant eine arbeitsmedizinische Volluntersuchung, die unter anderem einen Reaktionstest und einen erweiterten Sehtest umfasst, bestehen, erklärt Herfried Meyer. Und auch ein polizeiliches Führungszeugnis ist vorzuweisen. Der Schein gilt jedoch nicht ewig. „Alle müssen ihre Tauglichkeit alle fünf Jahre nachweisen.“

Darüber hinaus kümmert sich ein Pate um den künftigen „Steuermann“ oder die Frau an den Schalthebeln und am Fahrkartencomputer. Der weise den Neuling gründlich in das Fahrzeug ein, „und jede der vier Strecken wird zur Sicherheit auch mehrfach abgefahren“, versichert Viohl.

Das nächste Fahrertreffen ist für Mittwoch, 26. August, um 18 Uhr im Kasch anberaumt, teilt Meyer mit. „Jeder Interessierte ist dazu herzlich willkommen.“

Von Michael Mix

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