1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Verden
  4. Achim

Anglerverein Achim feiert 100-jähriges Jubiläum 

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Dennis Bartz

Kommentare

„Der Anglerverein setzt sich für den Artenschutz ein“, sagt Vorsitzender Uwe Roll.
„Der Anglerverein setzt sich für den Artenschutz ein“, sagt Vorsitzender Uwe Roll. © Bartz

Achim – Angelsport erlebt seit Ausbruch der Pandemie einen Boom. Der Achimer Anglerverein verzeichnete in der Coronazeit insgesamt einen Zuwachs von 350 Mitgliedern auf nun 1 700. „Sie kommen nicht nur aus Achim und dem übrigen Landkreis Verden. Auch in Rotenburg und sogar in Berlin und Hamburg haben wir Mitglieder“, sagt Vorsitzender Uwe Roll und erklärt, warum das so ist:

„Der Abschnitt unserer Pachtgemeinschaft Weser IV von Dörverden bis Hemelingen ist eine sehr gute Angelstrecke mit einem hervorragenden Gewässer.“

Das große Interesse an dem Verein hinge aber auch damit zusammen, dass wegen der Coronakrise viele andere Hobbys und Sportarten lange Zeit gar nicht oder nur eingeschränkt möglich waren. „Angeln ging dagegen immer. Man konnte sich jederzeit ganz entspannt alleine an die Weser setzen“, betont Uwe Roll. Wegen Kurzarbeit und der Möglichkeit, Homeoffice zu machen, hätten die Menschen zudem mehr Freizeit gehabt.

Wie groß die Lust aufs Angeln weiterhin ist, lasse sich auch an der großen Anzahl von Prüfungen ablesen, auf die Gewässerwart und Lehrgangsleiter Torben Wölke die Teilnehmer der Schulungen in Theorie und Praxis vorbereitet.

Die Prüflinge müssen ihr Wissen in sechs Teilgebieten nachweisen, nämlich allgemeine Fischkunde, spezielle Fischkunde, Gewässerkunde, Gerätekunde, Umwelt- und Naturschutz sowie Fischereirecht. „In 32 Stunden werden insgesamt 360 Fragen behandelt. Fischen zu gehen, bedeutet eben viel mehr als nur einen Haken ans Ende der Angel zu machen“, stellt Uwe Roll klar.

Wer erfolgreich angeln will, müsse über eine gute Ausrüstung verfügen und vorbereitet sein: „Viele Faktoren entscheiden darüber, ob und was man fängt. Die Wahl des Köders, die Strömungsgeschwindigkeit, die Temperatur und sogar der Luftdruck sowie die Windrichtung – bei Ostwind beißt nichts an in der Weser“, erklärt der 60-Jährige, der in dieser Woche alle Hände voll zu tun hat.

Derzeit laufen die Vorbereitungen für das 100-jährige Jubiläum, für das der Vorstand des Vereins eine eigene Chronik erarbeitet und zwei Veranstaltungen plant: Am 14. Mai gibt es einen Empfang mit Bürgermeister Rainer Ditzfeld, Landrat Peter Bohlmann und weiteren geladenen Gästen. „Wir werden mit einer Präsentation die Zeit von 1922 bis 2022 Revue passieren lassen und erklären, was wir beispielsweise im Bereich Fischereischutz schon alles gemacht haben“, kündigt Uwe Roll an, der seit 2007 Vorsitzender des Vereins ist und sich nach eigenen Worten gut vorstellen kann, sich im kommenden Jahr erneut zur Wahl zu stellen: „2023 ziehe ich mit meinem Vorgänger Peter Riedinger gleich, der 16 Jahre im Amt war.“

Alle interessierten Mitglieder sind zur großen Jubiläumsfeier eingeladen, die für Samstag, 16. Juli, ab 19 Uhr in der Gaststätte Zur Linde (Meyer-Bierden) geplant ist. Wer daran teilnehmen will, sollte sich rechtzeitig anmelden, bittet Uwe Roll. Vereinsmitglieder erhielten Freikarten für Getränke und Speisen. Das Feiern solle an diesem Abend im Mittelpunkt stehen. „Mit viel Rumtata – und dann ab dafür“, verspricht der Vereinsvorsitzende, der mit mehreren hundert Gästen rechnet.

Obwohl viele Angler ihr Hobby besonders dafür schätzen, vom stressigen Alltag abzuschalten, gebe es nicht nur im Jubiläumsjahr ein reges Vereinsleben, wie Uwe Roll erklärt: „Dazu gehört unter anderem das Vereinsfischen, unsere Kohltour, Adventsräuchern und das Sommerfest“, zählt der Vorsitzende auf, der anlässlich des Jubiläums einen Blick zurückwirft.

Es ist uns allen aber wichtig, mit Tieren behutsam umzugehen. Wer sich nicht an das Tierschutzgesetz hält, macht sich nicht nur strafbar, so ein Verhalten ist auch unter Anglern verpönt und sorgt für einen sofortigen Vereinsausschluss

Uwe Roll

Der Angelsport habe sich in den vergangenen 100 Jahren stark gewandelt, erklärt er: „Früher ging es beim Fischen um die reine Nahrungsbeschaffung. Es war damals noch kein Hobby. Weil es wenig zu essen gab, hat man sich im Wasser bedient. Ob Brasse, Karpfen oder Zander war egal, Hauptsache, etwas kommt in den Topf.“

Heutzutage spiele außerdem der Artenschutz eine viel größere Rolle als damals, trotzdem würden Angler in der Öffentlichkeit oft kritisch gesehen. „Es ist uns allen aber wichtig, mit Tieren behutsam umzugehen. Wer sich nicht an das Tierschutzgesetz hält, macht sich nicht nur strafbar, so ein Verhalten ist auch unter Anglern verpönt und sorgt für einen sofortigen Vereinsausschluss“, stellt Uwe Roll klar.

Der Anglerverein habe außerdem mit dazu beigetragen, dass sich der Fischbestand in der Weser erholt hat. „Früher waren die Flüsse unter anderem durch die Industrie stark verschmutzt. Wegen des Bevölkerungszuwachses waren außerdem die Kläranlagen zeitweise überfordert. Darunter hat der Fischbestand gelitten. Damals waren die Grenzwerte auch noch ganz andere – da hat sich in den vergangenen 30 Jahren sehr viel getan“, informiert Roll.

Inzwischen habe die Weser eine hervorragende Wasserqualität und es sei den Anglern gelungen, Arten neu anzusiedeln, die es dort lange nicht gegeben hatte. „Der Nordseeschnäpel war komplett verschwunden. Vor acht Jahren haben wir damit angefangen, den Fisch neu einzusetzen, und das mit Erfolg: Bei einer Zählung gemeinsam mit dem niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, bei der es uns um den Neunaugen-Bestand ging, hatten wir auch einen ausgewachsenen Nordseeschnäpel in der Reuse.“ Seit zwölf Jahren setze der Achimer Anglerverein jedes Jahr tausende junge Aale in der Weser aus. Das Projekt werde von der EU gefördert.

Die Weser sei heute so sauber, dass sich dort sogar die Bachforellen gut entwickelt hätten, die 2008 dort ausgesetzt wurden. „Und der Fisch braucht sehr viel Sauerstoff“, betont Roll.

Derzeit laufe ein Projekt zum Schutz des europäischen Edelkrebses, der wegen der Ausbreitung des amerikanischen Krebses und des Ausbruchs der Krebspest fast ausgerottet sei. In drei der vier Aufzuchtbecken der Teichanlage Birkengrund hat der Anglerverein Edelkrebs-Elterntiere eingesetzt – das vierte Becken dort ist für den Nachwuchs vorgesehen. „Wir werden die Krebse dann unter anderem in Regenrückhaltebecken aussetzen“, kündigt Uwe Roll an. Die Tiere übernehmen eine wichtige Aufgabe im Ökosystem: „Sie sind so etwas wie die Müllabfuhr im Wasser.“

Und wie oft schafft es der Vorsitzende des Anglervereins selbst, zur Rute zu greifen? „Ich muss gestehen, dass ich schon seit etwa drei bis vier Jahren nicht an der Weser angeln war, weil ich beruflich sehr eingebunden bin“, bedauert Uwe Roll.

Alle zwei Jahre ziehe es ihn zum Ausgleich aber ins norwegische Bessaker, wo er mit weiteren Mitgliedern des Vereins Hochseefischen geht. „Fisch aus dem Meer schmeckt mir besonders gut“, sagt der Achimer, der sich darüber freut, einen starken Vorstand an seiner Seite zu haben: mit dem zweiten Vorsitzenden Ulrich Spiedt, Kassenwart Günter Pöschl, Schriftführer Jens Redecker und Gewässerwart Torben Wölke. „Das erleichtert meine Arbeit.“

Auch die Zusammenarbeit mit den Behörden sei insgesamt gut, so Roll: „Wir wünschen uns aber, mehr beteiligt zu werden – schließlich sind wir in einigen Bereichen die Fachleute.“

Auch interessant

Kommentare