ANGEMERKT - „Hitzefrei“ im Achimer Freibad

Planwirtschaft ohne einen Plan B

Achim - Von Manfred Brodt. Das ist aber auch die Höhe, dass sich die Krankheitsquote und das Wetter nicht an die Personalplanungen der Stadt Achim im Bäderbereich halten. Schon eine Zumutung von der Sonne, wenn sie im September plötzlich unglaublich brennt.

Schon in den letzten Jahren wollte sich der Wettergott einfach nicht an die Vorgaben der Bäderverwaltung halten. Dabei hätte er doch wissen müssen, dass so eine Bürokratie zäh und nicht gerade beweglich ist.

So hatte das Achimer Freibad in vergangenen Jahren zigmal zum Flutlichtbaden eingeladen, als schwere Gewitter vorausgesagt waren und auch kamen. Aus dem Schaden klug geworden, gab’s im nächsten Jahr überhaupt kein Flutlichtbaden mehr, obwohl wochenlang abends traumhaftes Sommerwetter herrschte.

Manfred Brodt

Nun der verfluchte Mist, dass die Herbststürme noch nicht da sind. Hat doch die vorausschauende Stadtverwaltung geplant, aufgelaufene Überstunden im Bäderbereich jetzt abzufeiern, damit der Badebetrieb in Herbst und Winter wie geschmiert läuft. Welcher Trost für alle Schwitzenden, die jetzt nach Erfrischung lechzen!

Bescheidene Frage: Warum können Überstunden nicht in den total verregneten Monaten nach dem Frühschwimmen abgefeiert werden? Fast kein anderer Betrieb besitzt so lange Zeiträume, um Überstunden abzutragen, falls er es überhaupt tut.

Was wäre, wenn die tatsächlich schrecklich überforderte und überarbeitete Polizei jetzt plötzlich ihre skandalös vielen Überstunden abfeiern würde? Mörder, Einbrecher, Verkehrssünder, Terroristen und Hooligans könnten sich freuen. Deutschland würde zum Unrechtsstaat.

Kein Unternehmen, auch diese Zeitung nicht, kann sagen, wir erledigen die Arbeit, diese Dienstleistung nicht, weil jemand fehlt. Nur die öffentliche Verwaltung kann es sich anscheinend leisten, die Aufgaben liegen zu lassen.

Frei- und Hallenbäder fahren riesige Defizite ein, kosten die Steuerzahler auch in Achim Millionen; wegen ihres Wertes für die Gesundheit, Freizeit und den Sport zu recht.

Umso wichtiger ist es, sie zu öffnen, wenn die Kasse klingeln könnte. Nachbargemeinden zeigen, wie es geht, haben die Badesaison verlängert.

Das Achimer Bäderchaos ist Beispiel einer verfehlten Planwirtschaft ohne Plan B.

Es zeigt auch, dass es dem umgänglichen bis kumpelhaften Bürgermeister Rainer Ditzfeld offenbar an Führungsstärke fehlt.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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