Angeklagter Familienvater: Nach Schock lasse ich die Finger vom Rauschgift

Ein Dealer ist er wohl nicht

Achim - In 51 Fällen soll ein 33-jähriger Achimer seit 2013 am gewerbsmäßigen Verkauf und Konsum von Marihuana beteiligt gewesen sein, was der Mann bestreitet.

Er räumte jetzt während der Verhandlung vor dem Achimer Schöffengericht lediglich ein, zusammen mit anderen aus Achim, Dörverden und Verden öfters „Gras“ bei Treffen in Achim geraucht zu haben. Ab und zu habe auch er mal ein paar Gramm auf den Tisch gelegt zum gemeinsamen Konsumieren, aber ein Geschäft, einen Handel habe er nie betrieben. Eine Mär sei auch, dass andere mit Elektronikgeräten das Rauschgift bei ihm bezahlt hätten. Die Elektronik sei vielmehr bar bezahlt worden.

Die Vorwürfe waren zustande gekommen nicht nur durch Ermittlungen der hiesigen Polizei, sondern auch durch die belastenden Aussagen eines Kollegen aus der Rauschgiftszene. Der soll bei einer Vernehmung, zu der ihn sein Elternhaus gedrängt haben soll, den Angeklagten so belastet haben.

Eine Zeugin aus der Rauschgiftszene war zum ersten Verhandlungstag nicht vor Gericht erschienen und musste deshalb zum zweiten Verhandlungstag durch die Polizei vorgeführt werden. Wie sich herausstellte, war sie zum ersten Verhandlungstag nicht gekommen, weil ihr das Geld für eine Bahnfahrkarte gefehlt hatte.

Am zweiten Verhandlungstag war der Angeklagte noch vor Betreten des Gerichtssaals mit einer Zwangsvollstreckung konfrontiert worden. Er sollte einen Geldbetrag unter 100 Euro endlich bezahlen ersatzweise für zwei Tage in Haft gehen. Sein Bremer Verteidiger Bernhard Docke konnte das noch abwenden und die offene Rechnung begleichen lassen.

Im Wartezimmer des Gerichtes entdeckte der Angeklagte dann seinen Belastungszeugen und herrschte ihn an, wie er so einen Mist habe behaupten können. Das wiederum bekam der zur Zwangsvorführung der Zeugin mitgekommene Polizist mit und berichtete dem Staatsanwalt von dieser „Zeugenbeeinflussung“.

Doch das Schöffengericht nahm dies nicht allzu ernst. Der Hauptbelastungszeuge, gegen den selbst ein Verfahren läuft, wiederholte nicht seine früheren Anschuldigungen und machte von seinem Recht der Aussageverweigerung Gebrauch.

Die Zeugin dagegen bestätigte, dass der Angeklagte niemals gedealt, sondern Marihuana immer nur für den Eigengebrauch und den seiner Freunde gekauft habe.

Staatsanwalt Schanz zog so auch den Vorwurf des gewerbsmäßigen Handelns zurück und beschränkte die Anklage auf den Konsum.

Mit dem Kiffen hat der Familienvater, der nach der Trennung von seiner Lebenspartnerin im seelischen Tief war, längst aufgehört, wie er beteuerte.

Als die Polizei eine Rauschgiftszene in seiner Ueser Nachbarschaft aushob, sei sie morgens mit zehn Beamten und vier Hunden auch in seine Wohnung gestürmt, und seine vier Kinder im Alter von drei bis zwölf Jahren hätten einen Schock bekommen. Seitdem lasse er die Finger von dem Zeug, das er nie zu Hause geraucht habe.

Verteidiger Bernhard Docke unterstrich, dass man über solchen Drogenkonsum doch bald reden werde wie über das frühere Alkoholverbot in den USA und ihn legalisieren werde.

Das Achimer Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Andreas Minge verurteilte den Achimer unter Einbeziehung einer früheren Strafe wegen Sachbeschädigung und falscher Verdächtigung zu 60 Tagessätzen á zehn Euro. Den Angeklagten stellte das nicht zufrieden, da nun durch diese Eintragung ins Strafregister eine der zwei Arbeitsstellen, die er in Aussicht habe, futsch sei.

mb

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