Angeklagter erhält Bewährungsstrafe

Unfall nach Kauf von Marihuana

Achim - Der Ruf, den Handel und den Konsum mit beziehungsweise von Cannabis in Deutschland zu erlauben, wird lauter. Die bestehende Gesetzeslage stellt das jedoch unter Strafe. So war jetzt ein 29-jähriger Litauer vor dem Achimer Amtsgericht angeklagt, weil er in den Niederlanden 350 Gramm Marihuana erworben haben soll, um es gewinnbringend weiterzuverkaufen. Aktenkundig wurde der Vorgang, weil der junge Mann am 20. Januar 2011 (!) in einem Baustellenabschnitt auf der A 1 bei Oyten mit seinem Wagen gegen eine Warnbake prallte, das Auto einer Bremerin streifte und dann noch über weitere Baken fuhr. Das Ganze soll laut Anklage infolge des Genusses von Marihuana passiert sein.

Der in Handschellen aus der Untersuchungshaft vorgeführte Angeklagte räumte vor dem Schöffengericht die Rauschgift-Einfuhr und den Unfall ein. Eine Verkaufsabsicht und den Genuss der Droge kurz vor oder auf der Autofahrt stellte er jedoch in Abrede. Das Marihuana habe er gemeinsam mit Freunden in den Niederlanden für den Eigenkonsum erstanden. „Inzwischen bin ich seit einem Jahr von den Drogen weg“, sagte der mittlerweile in London lebende Tischler.

Am Morgen des 20. Januar 2011 sei er nach der langen Autofahrt von den Niederlanden aus ziemlich müde gewesen. „Ich habe das Baustellenschild wohl schlicht übersehen und konnte der Bake dann nicht mehr ausweichen“, erklärte der Beschuldigte. „Ich bin froh, dass bei dem Unfall niemand verletzt wurde“, übersetzte ein vom Gericht bestellter Dolmetscher weiter.

Der Verteidiger des Litauers sprach von einer „weichen Droge in geringer Menge“. Der Grenzwert für die Einfuhr von Marihuana sei um mehr als das Doppelte überschritten worden, hielt ihm die Staatsanwältin entgegen.

Das Blutuntersuchungsergebnis von jenem Tag weise aus, dass der 29-Jährige geringfügig mehr als die in Deutschland erlaubte Menge an Cannabis konsumiert habe, gab eine Gutachterin vom Institut für Rechtsmedizin an der Universität Göttingen in der Verhandlung an. Auf das Unfallgeschehen habe aber wohl die Müdigkeit des Fahrers größeren Einfluss gehabt.

Ein als Zeuge vor dem Schöffengericht aussagender Kriminaloberkommissar von der Polizeiinspektion Verden/Osterholz unterstrich diese These. Der Beschuldigte habe bei der Vernehmung nach dem Unfall angegeben, vorher leicht weggenickt zu sein.

Der Handel mit Marihuana sei dem Angeklagten nicht nachzuweisen, die Einfuhr und der Besitz einer „nicht geringen Menge“ davon blieben aber, stellte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer fest. Sie forderte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Der Verteidiger hielt in diesem „minderschweren Fall“ ein geringeres Strafmaß für ausreichend.

Das Gericht verhängte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Die fast vier Monate Untersuchungshaft wurden dabei angerechnet.

mm

Rubriklistenbild: © dpa

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