Elfjähriger lockt Jungen mit Bonbons 

Angebliche Kindesentführung in Uphusen sorgt für Aufregung

+
Vom Außengelände der Kindertagesstätte Uphusen verschwand am vorigen Dienstag ein fünfjähriger Junge kurzzeitig. Ein Elfjähriger hatte ihn mit Bonbons gelockt. Warum er das gemacht hat und wie lange der kleine Junge ihm folgte, ist nicht bekannt. 

Uphusen - Von Michael Mix. „Ein Mann hat versucht, einen Jungen aus dem Kindergarten Uphusen zu entführen.“ Diese in sozialen Netzwerken und persönlichen Gesprächen zwischen Eltern verbreitete Meldung sorgte in den vergangenen Tagen für Riesenaufregung im Ortsteil.

Dazu kam noch der Vorwurf auf, dass der Vorfall vertuscht werden solle. Inzwischen scheint klar, dass ein elfjähriger Junge einen Fünfjährigen mit dem Versprechen, dass er Bonbons dabei habe, für kurze Zeit vom Kita-Gelände lockte. Das war am Dienstag vor einer Woche. Die Nachricht von einer angeblich versuchten Entführung eines Kindes durch einen „jungen Mann“ machte daraufhin in Uphusen schnell die Runde. Dass Kita-Leiterin Hannelore Lankenau und ihr Team sich in dieser Angelegenheit zunächst bedeckt hielten und erst „auf viel Druck hin“ am Freitag dazu etwas preisgaben, brachte viele Eltern geradezu auf die Barrikaden.

Bei Facebook und anderswo kochte die Wut hoch. Die Leitung des Kindergartens habe den Vorfall abgetan und wolle ihn gegenüber der Öffentlichkeit verschweigen, hieß es. Mütter und Väter seien infolge des Geschehens „sehr angespannt“ und „verängstigt“ gewesen, „sie wollten schnell Antworten haben“, wird in einem aktuellen, der Redaktion vorliegenden Schreiben von Elternvertretern erläutert.

Attacken „in unangemessener Weise“

Die Stadt Achim als Trägerin des Kindergartens sah sich nun gezwungen, über den Sachverhalt aufzuklären. „Ich bin erschrocken, was binnen Stunden in den sozialen Netzwerken an Falschinformationen und persönlichen Angriffen verbreitet worden ist“, entfuhr es Wiltrud Ysker, Leiterin des Sozialfachbereichs im Rathaus, auf Nachfrage der Redaktion gestern zunächst. Das pädagogische Personal der Kita sei in den vergangenen Tagen „in unangemessener Weise“ attackiert worden.

Aber was ist am vorigen Dienstag tatsächlich in der Kita Uphusen passiert? Vier Kinder hätten am Vormittag ohne Aufsicht auf dem Außengelände gespielt, berichtet Ysker. Das sei durchaus üblich und diene der Erziehung zur Selbstständigkeit, fügt sie an. Plötzlich habe sich ein Heranwachsender an den Zaun gestellt und den Kindern Bonbons versprochen, wenn sie mit ihm gingen. Ein fünfjähriger Junge sei schließlich der süßen Versuchung erlegen und habe sich unter einer Pforte durchgezwängt, schildert die Fachbereichsleiterin. Als er jedoch festgestellt habe, dass der große Junge gar keine Bonbons dabei hatte, sei er wieder zum Kita-Gelände zurückgerannt.

Von dem Vorfall erfuhr laut Ysker zuerst die Mutter des Fünfjährigen. Beim Abholen am Mittag habe der Junge ihr davon erzählt. Die daraufhin informierte Kita-Leitung habe sogleich alle Kinder vom Außengelände holen lassen, den Zaun kontrolliert und den städtischen Bauhof beauftragt, die Pforte „ausbruchssicher“ zu versetzen. Was inzwischen geschehen sei. Anders als von Eltern behauptet, weise der Zaun keine Löcher auf, durch die der kleine Junge gekrochen sei.

Motivation des Jungen unklar

Und was ist mit dem „Täter“? Der Elfjährige sei am nächsten Tag noch einmal an der Kita aufgetaucht und dann vom Personal zur Rede gestellt worden. Sie wolle keine näheren Angaben zu dem Jungen machen, sagt Ysker. Aber er habe früher selbst den Uphuser Kindergarten besucht und sei jetzt von der Polizei vernommen worden. Die Ermittlungen hätten allerdings keinen Straftatbestand ergeben, gleichwohl gebe es „behördliche Maßnahmen“.

„Wir wissen nicht, welche Motivation beim Jungen dahintersteckt“, äußerte Elternsprecher Oliver Matthes auf Nachfrage. „Ich habe aber Vertrauen in die Polizei, die versichert hat, gute Gespräche mit ihm geführt zu haben.“ Es sei natürlich zu hinterfragen, warum der Elfjährige an mindestens zwei Vormittagen offenbar die Schule geschwänzt habe.

Schuldzuweisungen in dieser „hochgekochten emotionalen Debatte“ wären auf jeden Fall fehl am Platze, sind sich Matthes und Ysker einig. Am Montagabend sollte über den Vorfall und das ganze Drumherum in einer Elternbeiratssitzung noch mal in Ruhe gesprochen werden.

Das „geschockte“ Kita-Personal in Uphusen habe das Ereignis in allen Gruppen thematisiert, teilt die Verwaltungsmitarbeiterin noch mit. Die Erkenntnis nach dieser Situation sei: „Wir müssen Kinder stark machen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Das Abschlusstraining am Dienstag

Das Abschlusstraining am Dienstag

Auf Schnee folgt Regen - Meteorologen warnen vor Sturmböen

Auf Schnee folgt Regen - Meteorologen warnen vor Sturmböen

Pariser Gipfel will Kampf gegen Klimawandel vorantreiben

Pariser Gipfel will Kampf gegen Klimawandel vorantreiben

Kampf gegen die Buschfeuer in Kalifornien geht weiter

Kampf gegen die Buschfeuer in Kalifornien geht weiter

Meistgelesene Artikel

Messerstecherei: Haftbefehl gegen 30-Jährigen aus Langwedel erlassen

Messerstecherei: Haftbefehl gegen 30-Jährigen aus Langwedel erlassen

Flucht und Ankommen: Das älteste Thema der Menschheit

Flucht und Ankommen: Das älteste Thema der Menschheit

Wohnungsbrand in Verden

Wohnungsbrand in Verden

Therapie hat bei Zweijähriger aus Daverden Erfolg

Therapie hat bei Zweijähriger aus Daverden Erfolg

Kommentare