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Andreas Fahl ist Gründer und Administrator der größten Facebook-Gruppe im Umkreis

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Von: Dennis Bartz

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Sein Gesicht kennen viele Achimer: Der 53-jährige Andreas Fahl ist überrascht über den riesigen Erfolg seiner Nachbarschaftsgruppe.
Sein Gesicht kennen viele Achimer: Der 53-jährige Andreas Fahl ist überrascht über den riesigen Erfolg seiner Nachbarschaftsgruppe. © Bartz

Achim – Plaudereien über den Gartenzaun kommen für ihn heute viel zu kurz: „Früher“, erinnert sich Andreas Fahl aus Achim, „da kannte man seine Nachbarn noch persönlich – und wenn einem mal Eier fehlten oder der Rasenmäher kaputt war, dann klingelte man bei Hilde nebenan und das Problem war gelöst.“ Inzwischen stehen viele Menschen alleine da mit ihren Sorgen und Fragen, stellte er eines Tages fest.

Der 53-Jährige entschied sich, selbst etwas dagegen zu tun, und gründete 2014 die Facebook-Gruppe „Achimer und Nachbarn helfen Achimern und Nachbarn“. Die Gruppe wuchs in rasantem Tempo: Die ersten Mitglieder fügte er aus seiner Freundesliste noch selbst hinzu. Diese luden dann Weitere ein. „Und kurz darauf hat sich das alles irgendwie selbstständig gemacht“, erzählt Fahl, der immer noch überrascht über den riesigen Erfolg ist.

Bereits nach nur sechs Monaten hatte die Gruppe die Marke von 1 000 Mitgliedern geknackt, kurz vor Ausbruch der Coronapandemie waren es zwischen 5 000 und 6 000, heute sind es 9 165 – und täglich kommen weitere hinzu. „Ich freue mich, dass die Gruppe weiter wächst“, sagt Fahl, der auch Gründer und Administrator der Gruppe „Flohmarktkiste Achim und Umgebung“ ist, die immerhin fast 1 500 Mitglieder hat.

Fahl ist selbst begeisterter Flohmarktgänger, zum Stöbern und Feilschen fährt er bis nach Bremen und weiter. „Ich war einer der ersten, die damals Ü-Eier gesammelt und getauscht haben“, erinnert sich Fahl, der es außerdem auf 800 Kronkorken aus aller Welt brachte. Heute sind vor allem CDs und Schallplatten Objekte seiner Begierde, „Raritäten aus allen Musikrichtungen“ sollen es sein.

Sein Smartphone hat Andreas Fahl immer dabei.
Sein Smartphone hat Andreas Fahl immer dabei. © Bartz

Besonders am Herzen liegt Andreas Fahl aber seine Nachbarschaftsgruppe, die seit Ausbruch der Coronapandemie einen wahren Boom erlebt. Die Mitglieder könnten sich dort über alles austauschen, was sie gerade beschäftigt. Viele nutzten zudem das „Schwarmwissen“, um Fragen zu stellen. Wo kann ich mich testen lassen? Welche Impfaktionen gibt es? Wie hoch sind die Inzidenzzahlen heute? Und welche Regelungen gelten im Restaurant? All das sei immer wieder Thema. Dazu die Frage aller Fragen: Welcher Bäcker hat heute geöffnet? „Das ist bei uns so etwas wie ein Running Gag“, sagt Fahl und lacht.

Seine Gruppe lebe von der großen Hilfsbereitschaft, von der er selbst bereits profitiert habe: „Als ich wegen Erkältungssymptomen in Quarantäne war, habe ich gefragt, ob jemand bereit ist, für mich einkaufen zu gehen. Sekunden später prasselte es die ersten Angebote. Viele wollten mir helfen, ich war total begeistert“, berichtet Andreas Fahl.

Viele Hunde- und Katzenbesitzer hätten zudem ihre entlaufenen Tiere wiedergefunden, nachdem sie ein Foto in der Gruppe geteilt und danach Hinweise bekommen hatten. Es sind Erfolgsgeschichten wie diese, die Andreas Fahl besonders freuen.

Es sei immer Leben in der Gruppe und viele Mitglieder beteiligten sich aktiv. „Pro Monat haben wir mehr als 250 neue Beiträge, die diskutiert werden, eine tolle Quote! Die kommt bestimmt auch daher, dass wir keine Zensur vornehmen“, glaubt Fahl. „Wir“, das sind Fahl und die weiteren Administratoren Stefan Lengert, Jutta Zinke, Christian Wellbrock und Nele Lassalle.

Bei Hassreden und Gewaltverherrlichung greifen die Fünf dagegen streng durch. „Es sollte außerdem nicht zu politisch werden. In der Regel lassen wir keine Werbung und andere gewerblichen Beiträge sowie Verkäufe zu –es sei denn, es geht um Neueröffnungen, dann helfen wir gerne beim Start“, betont Fahl, der außerdem großen Wert darauf legt, dass die Mitglieder respektvoll miteinander umgehen. „Bei uns wird niemand gemobbt, wenn er Probleme mit der Rechtschreibung hat. Auch viele Waldheim-Bewohner sind ein fester Teil unserer Gemeinschaft“, sagt Fahl.

Wer Probleme macht, fliege raus: „Ich bin ein sehr sozialer Mensch, aber dann greifen ich und die anderen Admins rigoros durch. Dazu kommt es aber kaum noch. Wir sind eine riesige Familie und die Stimmung ist meist gut. Da wird auch viel geflachst“, sagt Andreas Fahl. Er und seine Co-Admins hätten bereits die nächste Marke im Blick, die sie knacken wollen: „Wir würden uns freuen, wenn wir bald das 10 000. Mitglied begrüßen können – Achim hat ja eine große Nachbarschaft“, so Fahl.

Und wie viel Zeit macht eine Gruppe dieser Größe? Weil sich das alles gut eingespielt habe und sich alle an die Regeln halten, genüge es, wenn er über den Tag verteilt „immer mal wieder“ online ist, sagt Fahl, der sich im Laufe des Jahres mit Speditionsdienstleistungen selbstständig machen will.

Sein liebstes Hobby sind seine beiden Enkel Juri, ein halbes Jahr alt, und Jolia, zweieinhalb Jahre, die er mit großer Leidenschaft bespaßt. Als „rockstar.andy“ hat er außerdem eine große Fangemeinde bei TikTok. Dort singt er, veröffentlicht Lustiges und Skurriles – ebenfalls mit großem Erfolg: „Ein Video hatte sogar mal mehr als 900 000 Aufrufe“, sagt er stolz. Der ehemalige Mitarbeiter des Achimer Kasch ist außerdem Werder-Fan und war Spieler der Freizeitmannschaft „Lahof United“. „Das Team gibt es leider nicht mehr, ich hätte aber mal wieder Lust zu kicken“, sagt Fahl. Wie er sich am schnellsten eine Truppe zusammenstellen könnte, weiß Fahl: Ein Beitrag in seiner Nachbarschaftsgruppe genügt.

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